⛴️🇬🇱Ostgrönland, 9.-11.9.2026

Aktualisiert: vor 3 Tagen
Mittwoch, 9.9.26
Seetag. Die Wellen waren am Vormittag lang und hoch, das Schiff war in einer beständigen dreidimensionalen Kreiselbewegung, die das Innenohr anstänkerte und einigen Mitreisenden mit den Folgen zusetzte.
Schlimmer werden sollte es ab 16:00 und erneut kam die Ansage, dass die Drakepassage wegen der längeren Wellen, auch wenn sie höher sind, deutlich weniger herausfordernd ist.
Auf dieser Fahrt sind wir 91 Gäste an Bord und 69 Arbeitende.
Nach dem Frühstück durfte ich umziehen, ich war sehr dankbar. Eine Dreierkabine kann knifflig sein, wenn gleich die erste Begegnung eine wenig entspannte Zeit vermuten lässt.
Nun bin ich das erste Mal auf Deck 2 und ich liebe es.
Es fand eine Einweisung zu Grönland statt. Eisbär? Lauf!
Nichts einschleppen, nichts verändern oder mitnehmen.
So einfach.
Running Gag der Amis an Bord: Du musst Dir überhaupt keine Sorgen machen, solange Du den letzten Rennenden Dich nicht überholen lässt.
Der Tag verging mit Spaziergängen auf Deck 4, einem kurzen Eintauchen in den Whirlpool auf Deck 5, dem Beginn eines neuen Buches, Vorträgen von Marta (über Grönland) und Florian (Fotografie) und natürlich essen. Viel Essen 🙄
Die Offiziere auf der Brücke gaben richtig Gas, damit wir spätestens nachts gegen 2:00 im Scoresbysund sein würden, um dem Schlimmsten aus dem Weg zu gehen. Da uns das Unwetter von Norden entgegen kam, war das eine Herausforderung.
Wir wurden mehrfach ausführlich gewarnt, dass das sehr ungemütlich werden könnte. Seufz.
Donnerstag, 10.9.26
Wir lebten noch, war gar nicht schlimm.
Die Uhr wurde eine Stunde zurückgestellt, Deutschland ist uns jetzt drei Stunden voraus.
Ich war um 6:00 auf Deck unterwegs, wir befanden uns in einem Seitenarm des Sundes.
Nach dem Frühstück wurde angekündigt, dass die Bedingungen für den ersten Landgang passen würden, um 9:00 saß ich im ersten Zodiac und betrat erstmals grönländischen Boden.
Wenig spektakulär, ehrlich gesagt.
Sehr karger Permafrostboden, etwas Geröll, die einzigen Bäume die hier überleben sind Weiden und Birken und als solche kaum zu erkennen, weil sie wie Bodenkriecher wachsen und aussehen.
Ansonsten viele sehr kleine Pflanzen, Moose und Flechten. Das war eine extrem karge Leere, die ich nicht sehr ansprechend finde. Und es war nicht ein Tier zu sehen.
Wir machten einen Spaziergang, immer umgeben von unseren Guides mit Gewehren, für den Fall, dass ein Eisbär auftauchen würde. Die Luft war herrlich, es schneite bzw. hagelte leicht, das war schön.
Auf den Fotos sind zwei sterbende Gletscher zu sehen, der eine der Hans Glacier. Das habe ich in den letzten Jahren nun wirklich sehr häufig gesehen an verschiedenen Orten der Erde und verstehe die Leugner des Klimawandels nicht; man sieht es, was gibt es da zu leugnen?
Wir hören hier viel darüber (und sehen es eben auch), wie durch die steigenden Temperaturen das Leben grundlegend (nicht zum Besseren) verändert wird und Menschen ihren Lebensunterhalt verlieren.
Zurück auf der Sea Spirit gab es Mittagessen, das Schiff war derweil schon unterwegs nach Ittoqqortoormiit, kurz Ito. Dies ist die mit 328 Einwohnern kleinste Stadt des Landes. Durch die abgeschiedene Lage ist der Genpool klein, das könnte sicher mal problematisch werden.
Zum 40Km entfernten Flughafen der Stadt am Ende des Fjords verkehrt ein Helikopter-Taxi, das uns mehrfach überflog.
Die nächstgelegene Stadt ist auf Island, die nächste grönländische Ansiedlung ist 800Km südlich gelegen.
Am Nachmittag landeten wir mit den Zodiacs in Ito an und schauten uns um.
Etwa so trostlos und hässlich wie Longyearbyen.
Wir durften in ein Zuhause einkehren zum Kaffemik. Das ist eine alte grönländische Tradition zu wichtigen Lebensereignissen. Ein Tag der offenen Tür für Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn, bei dem Kuchen, Kaffee, Tee und ggf. Fleisch von selbst gefangenen Tieren serviert wird.
Ein sehr freundliches älteres Paar servierte in ihrem sehr kleinen Wohnzimmer dünnen Tee, Kaffee und trockenes Rosinenbrot. Sie sprachen so gut wie kein Englisch, mit Händen und Füßen ging es ein wenig.
Der Mann war Jäger und zeigte mir auf seinem Smartphone Fotos von einem Walross und einem Eisbären, die er getötet hatte.
Sie hatten auch winzige Häppchen vom Moschusochsen auf einem Teller angerichtet. Unspektakulär, schmeckte wie Tafelspitz.
Ein Versorgungsschiff mit Lebensmitteln und notwendigen Gütern kommt 1-3x/Jahr. Das ist ein Ereignis.
Wir wurden mehrfach angehalten, keine Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen (den ich überraschend gut sortiert fand für die Gegebenheiten).
Mit Jennyfer aus Indiannapolis spazierte ich weiter, wir sahen einen riesigen Schneehasen einen Hang empor hoppeln, schauten uns im Supermarkt um (ich kaufte mir eine Zahnbürste für 4€, subventioniert wie alles in dem Laden) und im kleinen Museum.
Ich knuddelte vier sehr süße Hundebabies (die von hier sind die gefragtesten Schlittenhunde der Welt und die erste Rasse, die dokumentiert ist; seit 1.000 Jahren unverfälscht), die alles an mir zu fressen versuchten; Smartphone, Hände, Handschuhe…
Freitag, 11.9.26
Über Nacht waren wir bis Helgenæs gefahren. Es schneite morgens stark, die Sicht war eingeschränkt, das Wasser kabbelig.
Der Plan war eigentlich, sowohl an dieser Stelle als auch tiefer in der Vikingebukt beim Gletscher einen längeren Ausflug mit den Zodiacs zu machen.
Leider habe ich bislang außer ein paar kleinen Walen in der Ferne und einem Schneehasen noch keine typischen Tiere sehen können.
Einen Moschusochsen, einen Eisbären und einen Polarfuchs bekäme ich so gerne zu Gesicht.
Da das Wetter sich nicht änderte, fuhren wir zum Gletscher.
Der Sund ist 14Km lang und am Gletscher 6Km breit. Wir bestiegen alle die Zodiacs und machten eine Fahrt von 2h20. Nett. Besonders schön sehen die frischen Bruchkanten von Eis aus, weil sie noch nicht korrodiert sind und deshalb die tolle hellblaue Farbe haben. Während wir dort unterwegs waren, ankerte auch ein Segelschiff.
Auf einem Hang schlief ein Eisbär im Schnee. Ich sah ihn nicht, alle waren ganz wild darauf, ihn zu sehen, allein eine Mitreisende mit super Kamera und riesigem Objektiv hat ihn, so geht das Gerücht, abgelichtet.
Wegen des Wetters fiel die zweite Runde aus, die Sea Spirit nahm Kurs auf ihr nächstes Ziel, weiter nördlich.
Der Nachmittag war etwas langweilig, aber wir fuhren immerhin beständig an recht großen Eisbergen vorbei und es schneite stark, also war zumindest die Atmosphäre schön.








Hi Tina, wow… was für schöne Fotos und Eindrücke, die du wunderbar für uns Landratten einfängst😘
Liebe Tina das ist ja mal wieder der Hammer hier 👌🙏😀liebe Grüße ❤️