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Autorenbild: Charlotte Tina
Charlotte Tina
vor 6 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Meine Auszeit geht zu Ende. Das war eine lange Zeit, ich habe tolle Reisen unternommen, einiges gesehen von der Welt und viel erlebt.


Den Abschluss bzw. Übergang wollte ich gerne ein wenig zelebrieren und meine Wahl fiel auf Tim Raues 2-Sternerestaurant am Checkpoint Charlie.

In der Liste der 100 besten Restaurants der Welt steht es zudem auf Platz 58.

Die Nummer 1 in Lima geht gerade nicht; steht aber auf der Bucket Liste 😎


Eine Reservierung war kurzfristig möglich.


Zur Wahl stehen drei Menüs und das hat mich im Vorfeld schon beschäftigt, schließlich habe ich mich für Koi entschieden.


Im ebenerdigen Hauptbereich war alles belegt, so saß ich im Basement, also im Keller. Ich hatte einen gemütlichen kleinen Tisch in einer Ecke mit einer in die Wand eingelassenen Sitzbank und reichlich Kissen, die Beleuchtung war schummrig. Gemütlich. Mich empfing am Tisch eine handgeschriebene Karte in Form des Berliner Bären.

Ich bestellte mir einen Citrus Splash.

Das ist ein Getränk aus einer eigens von der Berliner Firma Mampe hergestellten Spirituose namens Citrus Blast Blossom mit Zitrone, Ingwer und Koriander, aufgegossen mit einer Zitronenlimonade von Thomas Henry, ebenfalls in Kooperation mit Herrn Raue hergestellt. Der Mann ist umtriebig. Das schmeckte ganz gut. Den Schnaps/Likör würde ich aber für 59€ nicht kaufen.

Den Auftakt machten nette Grüße aus der Küche:

Besonders interessant und schmackhaft waren der kühle Sud und der Letscho-Marshmallow.


Einiges war nett, aber durchschnittlich. Der Hähnchensalat. Die karamellisierte Walnuss (die Entenlebercreme darauf schmeckte nach nix). Die gelbe Bete.

Die Zitrone mit Relish war sehr gewöhnungsbedürftig; nicht verkehrt, aber auch nicht toll (ein bisschen wie marokkanische Salzzitrone in der Kombi, eher bitter).


Der erste Gang war ein dekonstruiertes grünes Curry. Hier sprachen mich die Texturen kindlich an (Kokoseiskugeln, Kokosschaum wie fluffig leichter süßer Speck, etwas zu viel davon, knusprige Kokosbaisers) und auch eine angenehm würzige Schärfe. Schmeckte gut und war interessant, das zu essen machte Spaß.

Bis hierher fiel mir auf, wie intensiv einzelne Aromen manchmal herausgearbeitet waren, Gurke z.B. war erstaunlich deutlich zu schmecken.


Gang zwei (Seehecht) war gut, ansprechend serviert und Gang drei (Minikohlroulade mit Farce von Jakobsmuschel) in Ordnung aber eher unnötig. Unspektakulär. Von der Jakobsmuschel habe ich in der Farce gar nichts geschmeckt. Es liegt nun in der Natur der Jakobsmuschel, einen sehr zarten Eigengeschmack zu haben, aber es hätte eben alles mögliche sein können. Laut Karte war auch Rindermark im Spiel. Hm. Ah ja.


Qualitativ war das tadellos, aber es hat mich weder überrascht noch umgehauen noch wollte ich den Teller ablecken. Texturen und Temperaturen waren ganz gut (insgesamt waren alle warmen Gerichte eher lau, bis auf die Schlegelchen vom Stubenküken, die heiß auf den Tisch kamen), alles war erstaunlich salzig.

Darauf angesprochen sagte die Service-Frau, das sei wohl Teil des Konzepts. Okay. Das habe ich noch nie gehört.

Nun wurde eine Schale aufgetragen, in der Garnelenstückchen lagen sowie Eierstich und allerlei andere Dinge, das wurde am Tisch mit einem zimmerwarmen Sud aufgegossen. Gut. Salzig. Nette Texturen. Weich, knusprig, chewy…


Dann folgten vier winzige Stubenkükenkeulen. Schön saftig und zart, aber hier wurde mir, obwohl ich ja immer gerne sehr würzig und salzig esse, die Intensität langsam doch zu viel.

Und wo hier zwei Sterne zu finden sein sollten, erschloss sich mir nicht. Das war sehr gut, traue ich mir aber auch zu.

Serviert wurde das auf einem bildschönen Teller der Serie Koi von ASA Select, natürlich auch in Kooperation mit Herrn R. hergestellt.


Der nächste Gang wäre Reh gewesen. In der Karte stand bleu gebraten und in einer Schublade meines Kopfes war abgelegt, dass das eher roh bedeutet.

Meine Bitte, es durchzugaren, wurde rundheraus abgelehnt, das würde nicht dem Konzept des Chefs entsprechen. Äh, na und?!


Später wurde mir erklärt, dieses Stück Reh würde durchgegart die Konsistenz von Schuhsohle haben. Na gut, überredet.


Die einzige Option war der Tausch gegen die Komponente eines der beiden anderen Menüs. Ich entschied mich für das Wagyu mit Borschtsch.

Das war ein gepökeltes Ochsenbäckchen und schmeckte für mich stark wie versalzenes Corned Beef mit salziger Sauce obendrauf, ich ließ die Hälfte zurück in die Küche gehen, das mochte ich gar nicht. Auch die Konsistenz sagte mir nicht zu, weich auf eine eher matschige, nicht zarte Art.

Die sogenannte Borschtsch war eine rote Essenz mit einigen Bete-Scheibchen, schön erdig. Und waren das vielleicht rohe oder leicht confierte Wachteleigelbe in der Suppe? Ich weiß es nicht, Größe und Konsistenz hätten gepasst. Aber geschmacklich war es eher neutral, vielleicht Sauerrahm 🤔

Zufällig ergab sich hier eine kleine Anlehnung an das Dessert-die rote Bete war mit Himbeere und Sauerrahm ergänzt.

Meine Bedienung, ein sehr netter junger Mann, kannte Corned Beef nicht. Ich musste fast laut lachen; gibt es Menschen, die nur mit Wagyu groß werden? Nee, im Ernst-ist das eine Generationensache? Kennen Leute unter 30 Corned Beef nicht? Ihr kennt das doch, oder? Ich liebe Corned Beef im Labskaus, köstlich 😋


Dann kam ein Zwischengang, mit einem dünnen Baiser obenauf, ein süßer Schaum, viel Passionsfrucht, etwas Grünes, frisch gemüsig Schmeckendes (das war Gurke, habe ich erfragt), eine Schicht hatte den Charakter eines Sorbets, das war seeehr lecker, das beste Gericht für mich. Überraschend, ungewöhnlich, erfrischend, sehr lecker.

Das reguläre Dessert war ein Teller mit Himbeere in verschiedenen Zuständen, Joghurteis und -dann wurde es interessant- knackigen, knusprigen hauchdünnen Anis-Chips und einer leicht öligen Anis-Essenz. Sehr gut.

Als Abschluss wurden mir noch drei Kleinigkeiten gereicht: ein Stück Ananas mit Chili, das mich direkt an einen Straßenstand in Bangkok katapultierte, wo es köstliche frische Ananas zu kaufen gab, die in der Plastiktüte geschnitten und einem mit einem extra Beutelchen Chilipulver und Salz zum Dippen gegeben wurde.

Ein Ananasgelee.

Zwei sehr leckere Kügelchen aus weißer Schokolade mit einer Limettencreme gefüllt.

Beim Bezahlen gab es dann noch eine kleine Tüte Bonbons für den Weg.

Der sehr nette Servicemann hatte den Cocktail nicht berechnet, weil ich so wenig glücklich mit dem Hauptgericht war.


Der Service war gut, unaufdringlich. Oft werde ich gedrängt, Alkohol zu bestellen oder irgendwas, was kostet, das ist hier gar nicht passiert, sehr angenehm (und erleichternd); mir wurde einfach immer wieder Wasser nachgeschenkt.


Das Essen war gut, nur nicht so gut dass ich nachvollziehen kann, warum es diese Auszeichnungen bekommen hat.

Ich würde nicht noch mal dort essen wollen.

Andere Gäste, am Nachbartisch, waren zum wiederholten Male da.


In die Brasserie Colette am KaDeWe, ebenfalls ein Restaurant von Tim Raue, deutlich günstiger, würde ich hingegen (nachdem ich schon zweimal dort war) auch gern ein drittes Mal gehen. Da hätte ich zwei, drei Teller durchaus ablecken wollen.


Wer war schon mal da? Mich interessieren dazu andere Meinungen.




 
 
 
Autorenbild: Charlotte Tina
Charlotte Tina
26. Apr. 2025
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Apr. 2025

Ich bin zu Besuch am Rhein und wir haben spontan ein Lunchmenü mit drei Gängen reserviert zum einzigen verfügbaren Termin am Samstag um 12:00.

Wohlan, so sei es denn. Immerhin ist das Nagaya (samt Ableger Yoshi) das einzige Sushi-Lokal mit einem Michelin Stern in ganz Deutschland, das macht neugierig.


Wenig verwunderlich, dass es in der Stadt am Strom zu finden ist, in Little Tokio, inmitten der größten japanischen Gemeinde der Republik.

25% aller in Deutschland lebenden Japaner sind hier zu Hause.


Am Rheinufer findet jährlich übrigens auch ein Japanfest statt, eine sehr nette Veranstaltung, die zu besuchen sich lohnt.


Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Das Nagaya liegt in der Klosterstrasse im Stadtzentrum.


Das kleine Menü zu Mittag kostet 85€ und ist somit zum Reinschnuppern bestens geeignet, weil weniger als halb so teuer wie das Abendmenü.

Das Ambiente ist erwartungsgemäß schlicht, Weiß und Holz dominieren, angenehm.

Es ist ein eher überschaubares Restaurant.


Die kleine Küche liegt hinter einer großen Glasscheibe, wie es mittlerweile häufig zu sehen ist, die japanischen Köche grüßen beim Vorbeigehen höflich mit leichter Verbeugung.


Es war nicht möglich, dass ich das Menü mit sechs Gängen wählte und Dörthe jenes mit drei Gängen; Menüs werden nur tischweise serviert. Erstaunlich.


Wir bestellten eine Flasche stilles Wasser (Taunusquelle, 10€), das uns affektiert wie eine Weinflasche dargeboten wurde, und adrette Kännchen Genmaicha (je 10€).


Als Gruß aus der Küche kam ein in Terriyakisauce gesetztes Häuflein Kartoffel(?)pürree mit einem Klecks Daikon (Rettich), darauf zwei Scheibchen nicht besonders zarter und/oder leckerer Entenbrust.

Langweilig, nett, kann man essen, muss aber auch nicht sein.

Es folgte eine recht schöne, geschmacklich ausbalancierte Miso-Suppe mit Wakame, Tofu und Frühlingszwiebeln. Nett. Eine gute Misosuppe, die aber an sich einfach nicht viel mehr her gibt.


Ich glaube an dieser Stelle unkte Dörthe schon, dass mein Urteil „vernichtend“ ausfallen würde.

Naaa, nicht vernichtend, aber hier waren wir schon klar auf dem Weg zu einer kritischen und sehr ungläubigen Betrachtung…

Im Anschluss kam eine kleine Platte mit Sushi und Sashimi. Am besten fand ich den Thunfischbauch. Außerdem gab es ein Nigiri mit einem Stück Schneekrabbe, die zu kosten schon sehr lange auf meiner Wunschliste steht. Lecker, würde ich gerne mal warm essen und frisch.


Die Kappa Maki waren langweilig, der Reis war mir etwas zu weich. Ich fand den Fisch zwar frisch und nahezu geruchlos, aber wenig intensiv im Geschmack, teilweise auch nicht durchgehend zart und etwas zu trocken. Ich konnte auch keine besondere und leckere Würzung schmecken, wie es z.B. in Berlin im Otsuka der Fall war.


Arrangiert war alles auf einer Gurkenscheibe, an etwas Radieschen, frischer Limette, essbaren Blüten.

Der Wasabi war mir nicht aromatisch und scharf genug und auch nicht frisch gerieben.

Der Ingwer schmeckte, wie er nun mal aus einer großen Packung schmeckt.

Eine positive Überraschung war dann das Dessert. Ein eckiges Praliné, gefüllt mit Erdbeereis, darauf Marshmallow, im Innern Schokolade und Erdbeermousse, und angelehnt ein knuspriges (!) frisches Kirschblatt (wenn ich das richtig verstanden habe), für mich das beste und rätselhafteste (wie macht man das?) Element des gesamten Menüs. Angegossen wurde am Tisch eine gute, fast klare Essenz aus Erdbeeren und gesalzener Pflaume (Umeboshi).

Das war das einzige Gericht, das für mich überhaupt auch nur in Sternenähe kam. Überraschend, kreativ und lecker.


Ich musste dann, nach einigen Stunden des sacken Lassens, noch mal nachschauen, was genau ein Stern bedeutet: eine Küche voller Finesse - einen Stopp wert.


Nein. Das war, bis auf den Nachtisch (und der nur teilweise), absolut nicht raffiniert. Der Service war recht gut, aber nicht berauschend und vor allem deutlich zu unterkühlt und desinteressiert geschäftsmäßig.


Insbesondere Sushi und Sashimi habe ich besser und wesentlich günstiger nicht nur in Japan, sondern auch in Berlin genossen.

Müsste ich eine Schulnote vergeben für das Gesamterlebnis, so wäre es eine 2-.

Wenn ich mir aber vorstellte, all das in einer Blindverkostung vorgesetzt zu bekommen, ohne das Wissen um den einen Stern und ohne die versnobten Kellner um uns herum und das Getue um ein vermeintlich edles Lokal? Klare 3.


Dörthe sieht es so: „Ich gebe dem Essen eine Zwei. Es war gut, aber nicht besonders, außer der Nachtisch.“


Wofür dieser Stern vergeben wurde, das ist mir persönlich nach diesem Essen ein Rätsel.







 
 
 
Autorenbild: Charlotte Tina
Charlotte Tina
20. Feb. 2025
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Apr. 2025

Frei nach dem Motto "if there must be pain in life, let it be Champagne" fiel endlich die Entscheidung auf das Rutz in der Chausseestraße, welches Berlins einziges drei Sterne-Restaurant ist.


Auslöser: in meinen Posteingang trudelte ein Newsletter, der das Geburtstagsmenü (24 Jahre Rutz) ankündigte; für die gegebenen Verhältnisse ein mit 240€ attraktives Angebot, also reservierte ich prompt, nachdem ich maximal 20 Jahre gehadert hatte.


Drei Sterne! Aktuell gibt es nur zehn Restaurants in ganz Deutschland mit dieser Bewertung.


Der Guide Michelin beschreibt die Kriterien so:

Ein MICHELIN Stern ist einen Stopp wert. Hier findet man eine Küche voller Finesse, Produkte von ausgesuchter Qualität und ausgeprägte Aromen.

Zwei MICHELIN Sterne werden für eine Spitzenküche vergeben, die einen Umweg wert ist. Mit Know-how und Inspiration werden beste Produkte in subtilen, markanten und mitunter neuartigen Speisen trefflich in Szene gesetzt.

Drei MICHELIN Sterne sind eine Reise wert! Hier findet man die Handschrift eines großartigen Küchenchefs. Die Küche wird zur Kunst erhoben. Man findet perfekt zubereitete Gericht, die nicht selten zu Klassikern werden!


Lasst uns sehen, was da dran ist!

Kurz entschlossen klinkte Birgit sich am nächsten Tag ein, fein!


Um 18:00 fanden wir uns bei klirrender Kälte im zweigeschossigen Restaurant in Mitte ein.

Die Begrüßung war, ebenso wie der ganze Abend, herzlich und wohltuend unaufgeregt, einfach nett.

Uns fiel (positiv) auf, wie viel Personal dort beschäftigt war.


Die Einrichtung ist sehr schlicht, minimalistisch, angenehm ausgeleuchtet, dunkle Farben.

Immer wieder fallen sparsam akzentuierende Eyecatcher auf: prachtvolle Blumen, eine sehr hohe Regalwand mit eingelegten Kuriositäten (ich erspähte ein enormes Glas mit Ochsenherzen unter einem mit Veilchenöl), großformatige Gemälde, ein Barwagen mit ästhetisch dekorativen Flaschen.

Wie so oft wollte ich einen Riesling zum Auftakt, fruchtig frisch, mineralisch, eher trocken, gern leicht moussierend.

Wie immer bekam ich das nicht. Mir wurden vier Weine angeboten, ich empfand alle als sauer (Birgit auch), einen Grünen Veltliner fand ich okay (aber keinen großen Genuss).

Das Thema hake ich jetzt ab in Restaurants, ich trinke so selten, da sollte das eine Glas alle halbe Jahre toll sein und wenn das nicht geht, wähle ich gerne Wasser. Meine Leber ist derselben Meinung.


Dies ist das Geburtstags-Menü (die fotografierte Karte war Birgits):


Kiefer & Zwiebel | Auster & Grüne

Erdbeeren | Backfisch & Dill

Die Zwiebelgeschichte zum Einstieg war schon sehr lecker. Die Essenz aus vier verschiedenen Zwiebeln war aromatisch, getoppt mit ein paar Tropfen Kiefernnadelöl, der Chip war knusprig und fein.


Die Wattauster badete unter einem Gelee aus Austernwasser in einem Buttermilchbad, sehr gelungen und angenehm frisch. Von den Erdbeeren habe ich nichts mitbekommen.


Birgit fand (sie hatte vorab um Austausch der Komponenten aus Meer und Fluss gebeten) auf ihrem Teller gefrorene Sauerrahmkügelchen und sehr gurkig-intensiven Sud auf Lauch, das war großes Kino.


Der Happen Backfisch war vom Seeteufel, köstlich, aber etwas versalzen.

Hier kam gleich der hervorragende Service zum Zug. In der Küche hätten sie es probiert (und fanden es nicht so salzig), ob ich alles weniger salzig wolle, einen neuen Fischhappen usw. Sehr aufmerksam und bemüht und freundlich.


Rutz & Imperial Caviar Berlin

Überraschend fand ich die Kombination mit Haselnüssen, die hervorragend mit den Störeiern harmonierten. Ich habe bisher sehr selten Kaviar gegessen und finde ihn extrem überbewertet. Dieser war ganz weich und mild. Wir erfuhren, dass die Störe, denen dieser Rogen geklaut wird, davon je etwa 5Kg tragen.


Brot und Butter

Nun kam unerwartet etwas ganz Besonderes, ein Blutwurstbrötchen.

Ich mag keine Blutwurst und das klingt doch einfach scheußlich (?!), aber es war ein unscheinbarer, dampfend heißer, kleiner Bollen Köstlichkeit.

Niemand war überraschter als ich, aber das war der Hammer. Tolle Konsistenz, sagenhaftes Aroma. Wie zum Teufel haben die das hinbekommen?

Im Nachhinein war das mein Highlight des Menüs.


Das ebenfalls frisch gebackene, heiße, helle Sauerteigbrot hatte eine krachende Kruste und ein dichtes, saftiges Inneres.

Dazu gab es eine einfache gesalzene Butter und eine mit den klassischen Brotgewürzen Anis und Fenchel vermengte; schöne Idee (und so einfach), diese mal anders ans Brot zu bringen.


Rote Bete & Meerrettich, Essigbaum

Gebackene Bete, geriebener Rettich, leckere Essenz.


Fichte & Kohlrabi, Mandel-Miso

Schön süßlicher, in dünnen Scheiben im Rund arrangierter, glasierter und gebackener Kohlrabi, die Unterseite mandelig würzig. Was aussieht wie Tentakel sind Fichtennadeln.


„Unsere Handschrift pur"

Nordseekalmar & Schweinekinn, Wildquitte

In der Nordsee gibt es Kalmare, wusste ich nicht. Gebettet auf Duroc-Schwein, Gemüse und mit Wildquittenschaum war dies ein sehr herzhafter Genuss.


(Rothirschkalb & Mark, Laubporling)

Ich bin kein Fan von Damwild und habe vorweg um einen Tausch gebeten zur

Challans Ente & Laubporling

Tolle Ente, bei Birgit probierte ich den Hirsch, der (für mich unerwartet) absolut köstlich war, auch der Pilz war einfach fabelhaft. Dazu gab es aus putzigen kleinen Kupfersauteusen sehr intensive Sösschen.

Originell auf Moos und Knochen serviert wurde auch ein Hirschtatar mit -mark, das uns beide mäßig ansprach.


Kopfsalat & Amazake

Zum Neutralisieren und Erfrischen vor den weiteren Desserts gab es Kopfsalateis, super lecker, mit Kürbis.


Küchenchef Dennis Quetsch wurde 2025 vom Gault&Millau zum Patissier des Jahres gekürt, unter anderem für die ungewöhnliche und gelungene Einbindung von Gemüse in Desserts.

Ich finde es mal interessant und, wie an diesem Beispiel, mal sehr lecker, aber wie ich schon zu anderen Gelegenheiten schrieb, kann ein Dessert für mich auch gerne einfach ein Dessert sein. Zumindest eins, wenn man drei serviert.


Fenchel & Verbene, Clementine

Ganz köstliche Elemente fanden sich hier in der Schüssel: zweierlei Baiser, weiße Schokolade, Clementinen, Eis, etwas zart knusprig Karamellisiertes und leider auch Fenchel, über den sich Birgit schnell doppelt freuen konnte.


Herbstprinz & Grüner Wacholder

Das war so gut! Apfelkompott, Apfel hauchdünn als schmales Band geschnitten, dann aufgerollt zu einer kleinen Schnecke, etwas Teigiges, Sauerrahmeis, ein Schaum von Kombucha (hätte nicht sein müssen, tat aber nicht weh).

Das war es.


Das zweite Sternerestaurant in dem ich je aß war das Klassenzimmer in Fürstenhagen, das hatte nur einen Stern.

Ich war ja sehr gespannt, was die Unterschiede sein würden zwischen einem und drei Sternen und muss sagen, so eklatant fand ich sie nicht.

Der Service war hervorragend und besser im Rutz (war im Klassenzimmer aber auch sehr gut), das Essen war thematisch und qualitativ vergleichbar (weshalb ich hier das Klassenzimmer heranziehe), auch die Kompositionen waren, nun, da ich sie einander gegenüberstelle, irritierend ähnlich.


Der Grundgedanke in beiden Küchen ist, viele Dinge aus der nächsten Umgebung und vor allem auch aus dem Wald zu verwenden.


Toll bei solchem Niveau ist, wie perfekt die Details sind und was für ein Fokus dadurch darauf gelenkt wird, auch bei nebensächlichen Dingen, nicht nur dem Essen; Birgit wurde für ihre Tasche ein Tischhänger gebracht, mir für meinen Rucksack ein Karton.


Sehr gutes Essen. Dafür extra anzureisen, fände ich aber zu viel des Guten.

Das würde ich allerdings fürs Jordnær in Kopenhagen machen wollen…😎


Was mir nicht gefiel: dass es keine Getränkekarte gab. Der neue Sommelier des Hauses offerierte uns verschiedene (auch Schaum-)Weine, allerdings hatten wir keine Idee, was die kosten würden.

Das offene Wasser tauchte am Ende mit 12€ pro Person auf der Rechnung auf, das eine Glas Wein mit 0,1l mit 19€. Üppig.

Auch die Preise für Kaffee waren nirgends zu sehen, ein Grund, darauf zu verzichten.

Es mag Menschen geben, denen der Preis egal ist, oder solche, die bei jedem Vorschlag nachfragen (was ich eher unangenehm fände); ich hätte gerne eine Orientierung gehabt, womit zu rechnen wäre.


Birgit war begeistert vom Essen und meinte, das sei das beste ihres Lebens gewesen, so vielfältige und intensive Aromen.


Wir saßen oben, und ginge ich erneut dort hin, würde ich auch lieber wieder oben sitzen.

Nicht, dass ich da noch mal hinginge, aber Ihr vielleicht 😊

 
 
 
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