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Autorenbild: Charlotte Tina
Charlotte Tina
20. Sept.
1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Sept.


Hier noch ein paar schöne Fotos von Florian Grieger, Bordfotograf aus München, und unsere Stationen im Scorebysund:


Dieses Ostgrönland ist schon eine sehr menschenfeindliche Umgebung.

Ostgrönland, das ist Wasser, Eis, Schnee, Hagel, Gletscher, das sind Felsen und Geröll, aber auch Sonne. Karge Weite, einfachste Gewächse, die es gerade schaffen, dort zu überleben. Und ein paar wenige Tiere; sehr viel weniger, als ich erwartet und erhofft hatte.

Stände ich erneut vor der Wahl dorthin zu reisen, mit meinen jetzigen Eindrücken, ich würde es nicht unbedingt tun.

Die Landschaft ist beeindruckend, diese Fjorde sind gigantisch, aber es gab keinen wirklichen wow!-Moment, etwas emotional Faszinierendes, mir fehlte das (sichtbare) Leben; und auch mehr Landgänge.

Von acht Tagen auf dem Schiff (Ein- und Ausschiffungstage nicht gezählt) waren wir drei komplett auf See, insgesamt haben wir 1.203 Seemeilen zurückgelegt. Ich habe mich erstaunlich viel gelangweilt.


 
 
 
Autorenbild: Charlotte Tina
Charlotte Tina
14. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Sept.

Samstag, 12.9.2026

Wir wachten am Sydkap auf,

es ging bereits gegen 8:30 an Land. Eine kleine Schutzhütte war zu besichtigen, die verwitterten Schädel zweier Moschusochsen waren zu bewundern und es galt, eine kleine Anhöhe zu erklimmen.

Auf dem Weg wuchsen winzige, aber saftig-süße Beeren (die wir nicht hätten probieren dürfen).

Der Ausblick war hübsch, überall trieben mehr oder weniger große Eisberge, die Sonne zeigte sich endlich mal zaghaft.

Auch hier wurde behauptet, es gäbe ganz hinten in diesem talartigen Einschnitt in der Landschaft einen Schneehasen (arctic hare auf Englisch). Ich glaube langsam, dass war ein Trick um uns in Bewegung zu bringen 🤣

Während des Mittagessens waren wir schon unterwegs nach Jytte Havn. Dort ankerten wir zwischen riesigen Eisbergen. Das sieht man auf den Fotos schlecht, aber angenommen das Schiff ist ab der Wasserlinie 20m hoch, dann waren diese Kathedralen aus Eis mindestens 100m hoch. Die umliegenden Berge sollen 2.000-3.000m hoch gewesen sein.

Wie üblich wurden wir mit den Zodiacs an Land kutschiert und durften in einem begrenzten und mit Gewehren bewachten Radius auf die Anhöhen kraxeln und die unglaubliche Landschaft genießen. Keine Tiere. Nix. Langsam wird mir das unheimlich.


Ich lerne viele schöne neue englische Vokabeln: party pooper=Spielverderber. Überhaupt ist das hier eine sehr internationale Gruppe. Ich habe sehr viel mit Chinesen zu tun, besonders aus Singapur, mit Engländern und Amerikanern (die sich immer wieder zerknirscht und voller Scham für den *** entschuldigen, der auf dem Präsidentensessel sitzt). Dann sind einige Schweizer an Bord, Inder, und noch einzelne andere Nationen. Obwohl die Deutschen um die Hälfte ausmachen habe ich mit denen eher weniger zu tun.


Sonntag, 13.9.2026

Ich wachte bei strahlend schönem Wetter und blauem Himmel auf. Das Wasser war ruhig, wir lagen im Rypefjord vor einem Gletscher, eine Traumkulisse.


In der Nacht zuvor kam gegen Mitternacht eine Schiffsdurchsage, es seien Nordlichter zu sehen. Also noch mal raus aus dem Bett:

Nach dem Frühstück ging es an Land und zu einer anstrengenden Besteigung einer Fjordflanke. Die Ausblicke entlohnten aber jeglichen Covid-Herzgalopp.


Auf dem Weg nach unten sahen wir einen toten Moschusochsen, an dem sich Polarfüchse gütlich taten.


Was ist denn das?! Ich habe von dem Tier gegessen, ich habe seine ausgebleichten Schädelknochen gesehen, seinen noch frischen Kadaver betrachtet, aber kein lebendes Exemplar gesehen 🤔

Zurück auf dem Schiff gab es auf Deck 5 das übliche Barbecue, das auf jeder Reise bei entsprechendem Wetter veranstaltet wird.

Eigentlich toll, aber es läuft immer laute Musik und das passt so gar nicht zu der friedlichen Stille und der majestätischen Landschaft, die einen umgeben.

Dann ging es mit 5 Knoten (Geschwindigkeitsbegrenzung in weiten Bereichen des Sunds) zur nächsten Anlegestelle; in diesem weiten Fjord bei Sonnenschein war das einfach herrlich.

Wir ankerten und setzten zu einer erneuten Kraxelei an. Auf einem felsigen Plateau sahen wir in einiger Entfernung tatsächlich drei sich bewegende braune Punkte, lebendige Rindviecher! Zu weit entfernt, ich hoffe, Florian hat es mit seinem Equipment geschafft, Fotos zu machen. Der Blick in alle Richtungen war allerdings großartig. Die Dimensionen dieser Landschaft sind auf Fotos schwer zu erahnen; ich habe das Schiff häufiger als Vergleichsgrösse integriert.


Montag, 14.9.2026

Nachts gab es wieder die Aurora Borealis.

Im Harefjord fanden wir Leben. Wir sahen (leider weit entfernt) mehrere Moschusochsen, ein paar Gänse und zwei kleine Robben.

Der Gletscher war schon recht weit abgestorben, wie man auf dem Bildern erkennen kann. Das war eine sehr schöne, eiskalte zweistündige Zodiactour.

Zurück an Bord ging es gleich ans Umziehen für den Polar Plunge. Diesmal waren es eher wenige, die gesprungen sind.

Angeblich hatte das Wasser +4°, aber das bezweifle ich, da schon viele gefrorene Salzwasserstücke auf der Oberfläche trieben und dafür muss es mindestens -1° haben. Fühlte sich jedenfalls seeehr kalt an, toll.

An der Stelle, an der ich auf den Info-Monitor geschaut habe, war der Fjord 1.003m tief.


Die Luft hier ist extrem trocken. Die Dimensionen sind so schwer zu erfassen, selbst wenn man sich mittendrin bewegt. Alles ist enorm weit, hoch und tief.

Am Nachmittag saß ich dick eingemummelt drei Stunden auf Deck 5, die Szenerie war einfach spektakulär. Es gab viele Titanic-Momente, wenn wir dicht an Eisbergen vorbei fuhren, die doppelt so hoch wie das Schiff waren.

In diesen hier beispielsweise würde die Sea Spirit vermutlich locker 4x reinpassen:

Wir fuhren die Strecke zurück, die wir nachts hingefahren sind und da fragten sich einige, wie gefährlich das wohl realistisch betrachtet gewesen ist 🤣

Der Foto-Contest wurde eingeläutet. Ich nehme nun zum dritten Mal teil 😁Mit diesem Bild:

Peter aus Singapur spielte mit mir Scrabble, derweil wir weiter durch den enorm weiten Fjord fuhren.

Ein paar Bilder muss ich nachliefern. Meine Kamera spricht nicht mehr mit dem Smartphone, obwohl zu Hause alles funktionierte, deshalb gibt es nur Handyfotos.


Morgen beginnt die Rückreise, die aufgrund erneut angekündigten Sturms in der Dänemarkstraße unangenehm werden wird und früher losgehen muss, als geplant, damit wir rechtzeitig für alle Flüge zurück in Reykjavik sind 🤢




 
 
 
Autorenbild: Charlotte Tina
Charlotte Tina
12. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Sept.


Mittwoch, 9.9.26

Seetag. Die Wellen waren am Vormittag lang und hoch, das Schiff war in einer beständigen dreidimensionalen Kreiselbewegung, die das Innenohr anstänkerte und einigen Mitreisenden mit den Folgen zusetzte.

Schlimmer werden sollte es ab 16:00 und erneut kam die Ansage, dass die Drakepassage wegen der längeren Wellen, auch wenn sie höher sind, deutlich weniger herausfordernd ist.

Auf dieser Fahrt sind wir 91 Gäste an Bord und 69 Arbeitende.


Nach dem Frühstück durfte ich umziehen, ich war sehr dankbar. Eine Dreierkabine kann knifflig sein, wenn gleich die erste Begegnung eine wenig entspannte Zeit vermuten lässt.

Nun bin ich das erste Mal auf Deck 2 und ich liebe es.

Es fand eine Einweisung zu Grönland statt. Eisbär? Lauf!

Nichts einschleppen, nichts verändern oder mitnehmen.

So einfach.


Running Gag der Amis an Bord: Du musst Dir überhaupt keine Sorgen machen, solange Du den letzten Rennenden Dich nicht überholen lässt.


Der Tag verging mit Spaziergängen auf Deck 4, einem kurzen Eintauchen in den Whirlpool auf Deck 5, dem Beginn eines neuen Buches, Vorträgen von Marta (über Grönland) und Florian (Fotografie) und natürlich essen. Viel Essen 🙄

Die Offiziere auf der Brücke gaben richtig Gas, damit wir spätestens nachts gegen 2:00 im Scoresbysund sein würden, um dem Schlimmsten aus dem Weg zu gehen. Da uns das Unwetter von Norden entgegen kam, war das eine Herausforderung.

Wir wurden mehrfach ausführlich gewarnt, dass das sehr ungemütlich werden könnte. Seufz.


Donnerstag, 10.9.26

Wir lebten noch, war gar nicht schlimm.

Die Uhr wurde eine Stunde zurückgestellt, Deutschland ist uns jetzt drei Stunden voraus.

Ich war um 6:00 auf Deck unterwegs, wir befanden uns in einem Seitenarm des Sundes.


Nach dem Frühstück wurde angekündigt, dass die Bedingungen für den ersten Landgang passen würden, um 9:00 saß ich im ersten Zodiac und betrat erstmals grönländischen Boden.

Wenig spektakulär, ehrlich gesagt.

Sehr karger Permafrostboden, etwas Geröll, die einzigen Bäume die hier überleben sind Weiden und Birken und als solche kaum zu erkennen, weil sie wie Bodenkriecher wachsen und aussehen.

Ansonsten viele sehr kleine Pflanzen, Moose und Flechten. Das war eine extrem karge Leere, die ich nicht sehr ansprechend finde. Und es war nicht ein Tier zu sehen.

Wir machten einen Spaziergang, immer umgeben von unseren Guides mit Gewehren, für den Fall, dass ein Eisbär auftauchen würde. Die Luft war herrlich, es schneite bzw. hagelte leicht, das war schön.

Auf den Fotos sind zwei sterbende Gletscher zu sehen, der eine der Hans Glacier. Das habe ich in den letzten Jahren nun wirklich sehr häufig gesehen an verschiedenen Orten der Erde und verstehe die Leugner des Klimawandels nicht; man sieht es, was gibt es da zu leugnen?

Wir hören hier viel darüber (und sehen es eben auch), wie durch die steigenden Temperaturen das Leben grundlegend (nicht zum Besseren) verändert wird und Menschen ihren Lebensunterhalt verlieren.


Zurück auf der Sea Spirit gab es Mittagessen, das Schiff war derweil schon unterwegs nach Ittoqqortoormiit, kurz Ito. Dies ist die mit 328 Einwohnern kleinste Stadt des Landes. Durch die abgeschiedene Lage ist der Genpool klein, das könnte sicher mal problematisch werden.

Zum 40Km entfernten Flughafen der Stadt am Ende des Fjords verkehrt ein Helikopter-Taxi, das uns mehrfach überflog.

Die nächstgelegene Stadt ist auf Island, die nächste grönländische Ansiedlung ist 800Km südlich gelegen.

Am Nachmittag landeten wir mit den Zodiacs in Ito an und schauten uns um.

Etwa so trostlos und hässlich wie Longyearbyen.

Wir durften in ein Zuhause einkehren zum Kaffemik. Das ist eine alte grönländische Tradition zu wichtigen Lebensereignissen. Ein Tag der offenen Tür für Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn, bei dem Kuchen, Kaffee, Tee und ggf. Fleisch von selbst gefangenen Tieren serviert wird.


Ein sehr freundliches älteres Paar servierte in ihrem sehr kleinen Wohnzimmer dünnen Tee, Kaffee und trockenes Rosinenbrot. Sie sprachen so gut wie kein Englisch, mit Händen und Füßen ging es ein wenig.

Der Mann war Jäger und zeigte mir auf seinem Smartphone Fotos von einem Walross und einem Eisbären, die er getötet hatte.

Sie hatten auch winzige Häppchen vom Moschusochsen auf einem Teller angerichtet. Unspektakulär, schmeckte wie Tafelspitz.


Ein Versorgungsschiff mit Lebensmitteln und notwendigen Gütern kommt 1-3x/Jahr. Das ist ein Ereignis.

Wir wurden mehrfach angehalten, keine Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen (den ich überraschend gut sortiert fand für die Gegebenheiten).

Mit Jennyfer aus Indiannapolis spazierte ich weiter, wir sahen einen riesigen Schneehasen einen Hang empor hoppeln, schauten uns im Supermarkt um (ich kaufte mir eine Zahnbürste für 4€, subventioniert wie alles in dem Laden) und im kleinen Museum.

Ich knuddelte vier sehr süße Hundebabies (die von hier sind die gefragtesten Schlittenhunde der Welt und die erste Rasse, die dokumentiert ist; seit 1.000 Jahren unverfälscht), die alles an mir zu fressen versuchten; Smartphone, Hände, Handschuhe…


Freitag, 11.9.26

Über Nacht waren wir bis Helgenæs gefahren. Es schneite morgens stark, die Sicht war eingeschränkt, das Wasser kabbelig.

Der Plan war eigentlich, sowohl an dieser Stelle als auch tiefer in der Vikingebukt beim Gletscher einen längeren Ausflug mit den Zodiacs zu machen.

Leider habe ich bislang außer ein paar kleinen Walen in der Ferne und einem Schneehasen noch keine typischen Tiere sehen können.

Einen Moschusochsen, einen Eisbären und einen Polarfuchs bekäme ich so gerne zu Gesicht.


Da das Wetter sich nicht änderte, fuhren wir zum Gletscher.

Der Sund ist 14Km lang und am Gletscher 6Km breit. Wir bestiegen alle die Zodiacs und machten eine Fahrt von 2h20. Nett. Besonders schön sehen die frischen Bruchkanten von Eis aus, weil sie noch nicht korrodiert sind und deshalb die tolle hellblaue Farbe haben. Während wir dort unterwegs waren, ankerte auch ein Segelschiff.

Auf einem Hang schlief ein Eisbär im Schnee. Ich sah ihn nicht, alle waren ganz wild darauf, ihn zu sehen, allein eine Mitreisende mit super Kamera und riesigem Objektiv hat ihn, so geht das Gerücht, abgelichtet.


Wegen des Wetters fiel die zweite Runde aus, die Sea Spirit nahm Kurs auf ihr nächstes Ziel, weiter nördlich.

Der Nachmittag war etwas langweilig, aber wir fuhren immerhin beständig an recht großen Eisbergen vorbei und es schneite stark, also war zumindest die Atmosphäre schön.

 
 
 
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