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⛴️ 🇬🇸 🇫🇰 🇦🇷 4.-11.11.25: Südgeorgien, Falklands, Ushuaia, Buenos Aires. Resümee Argentinien

  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 16. Nov.
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Nov.

Dienstag, 4.11.

Der Tag begann mit einem Landgang in Stromness, ebenfalls einer ehemaligen Walfangstation, und einer kleinen Wanderung zu einem Wasserfall.

Das tolle Sonnenaufoderuntergangsfoto ist von Jo.

Bei jedem Landgang transportierte das Team nach dem Erkunden der Gegend und einer geeigneten Stelle zur Anlandung mehrere Tonnen mit Material, um im Fall zB eines Unwetters und einer nicht möglichen Rückkehr zum Schiff vorbereitet zu sein.

Ich habe nie gefragt, was genau da drin ist. Sieht mir gar nicht ähnlich und will ich jetzt wirklich gerne wissen 🤔


Für die Pinguine, zahlreiche waren gerade in der Mauser, ist der Frühling mit 2-3° schon warm, weshalb viele in den Flüssen aus abfließendem Gletscherwasser bzw. aus der Schneeschmelze standen.

Anschließend rafften wir die Segel und probierten es erneut, dieses Mal erfolgreich, in Fortuna Bay, wo John mit einem Pinguin tanzte.

Der kleine Kerl war klasse-er verfolgte abwechselnd John, Bruce, mich, John. Wir konnten ihm nicht aus dem Weg gehen, er war sehr hartnäckig 😅


Mittwoch, 5.11.

Salisbury Plain stand als letzte Station vor der Rückfahrt auf dem Programm.


Die Anlandung war herausfordernd, weil der Kiesstrand sehr steil abfiel, das Zodiac zur Anlandung gedreht werden musste, die Wellen flach aber mit Wumms anbrandeten, der Sog stark war und Aaron zB von den Beinen riss und halb unter das Schlauchboot in das eiskalte Wasser zog.

Die Leute wurden vom Team teilweise eher ins Boot gehoben als geschoben und vorab wurde per Ansage über die Bordlautsprecher darüber informiert, dass im Zodiac oder an Bord bleiben solle, wer sich unsicher fühle; die englische Ansage machte Maggie, die deutsche ich 🙃 Poseidon: ich bin bereit für den Job!

Diese kleinen braunen Schafe denken, sie könnten fliegen

Nach unserem absolut großartigen Landgang gab es ein Schläfchen, Mittagessen, Schläfchen, einen sehr interessanten Vortrag von Maxim über Ernest Shackleton, zur Teestunde ein Eis-Special mit Milos und Tedy und dann ging ich mal wieder auf die Brücke.


Wellenhöhe 2,5-3m, Geschwindigkeit 13 Knoten (über Grund).


Eisberge, auch kleine, werden vom Radar dargestellt, Hindernisse unter Wasser vom Sonar.

Die Brücke ist rund um die Uhr mit mindestens zwei Personen besetzt.


Wir waren 88 Passagiere. Unsere zu dritt belegte Kabine Nummer 331 auf Deck 3 hatte 21qm.


Donnerstag, 6.11.

Seetag, Langeweile, eine Partie Scrabble auf Englisch gegen Marti (die ich gewonnen habe), abends eine Doku über Pinguine.


Freitag, 7.11.

Seetag, weiter bohrende Langeweile, das Wifi fiel immer wieder aus, was es noch schwieriger machte.

In der Nacht und morgens recht hohe Wellen, so dass wir keine Runden laufen konnten wegen der Bewegung und der starken Gischt bis hoch zu Deck 4.

Am Abend wurde wieder eine sehr interessante und putzige Doku über Pinguine gezeigt, aber mir fielen die Augen zu um 21:15.

Etwas später erreichten wir Stanley, unsere Pässe wurden gestempelt so dass einem Landgang am Samstag nichts mehr im Weg stand als das Wetter. Aber das verschlief ich schon.


Samstag, 8.11.

Die See war etwas ruhiger, wir fuhren entlang der Küste der Falklands nach Norden, um schließlich nach Westen abzubiegen.

Wir ankerten inmitten eines starken Gezeitenstroms vor West Point Island, fuhren mit den Zodiacs an Land und marschierten (endlich mal wieder laufen!) ein gutes Stück zu einer Kolonie von Albatrossen und Felsenpinguinen (Rockhopper).

Das war phantastisch. Wir kamen ganz nah an sie heran, die Landschaft war toll: schroff, rau, schön. Ein steil abfallender Hang zum Meer. Die Tiere lebten eng beieinander.

Fast alle Vögel brüteten, ein Albatros ließ sein Ei im Stich, keine zwei Minuten später hatten Felsenpinguine das Nestbaumaterial geklaut und waren mit ihren Patschfüssen über das Ei gelaufen, das beim zweiten Mal zerbrach.

Die Felsenpinguine sehen teuflisch niedlich aus mit ihren roten Augen und den langen gelben Augenbrauen.

Wir verbrachten viel Zeit dort, alle waren ganz gefangen von dieser Nähe zu der unglaublichen Anzahl von Tieren. Ein weiteres berührendes Highlight dieser Reise.


Auf dem Rückweg kehrten wir im Haus einer Einheimischen ein, die frisch gebackenen köstlichen Kuchen und Plätzchen sowie englischen Tee für uns bereitstellte. Am Ende der Welt gab es den besten Karottenkuchen.

Ein wunderbarer Ort, da könnte ich mir vorstellen zu wohnen. Nicht nur wegen des Karottenkuchens. Auch. Aber nicht nur.


Ich saß eine Weile auf der Bank, starrte auf die Bucht und malte mir ein Leben dort aus. Ich nahm in dieser Vision im Zeitraffer 20 Kilo zu.


Natürlich lichtete das Schiff mit vollständiger Belegung den Anker.


Es gab ein spätes Mittagessen, dann begleiteten uns ein paar dieser hübschen kleinen Delfine, die wie mini Orcas aussehen und die Interessenten am Fotowettbewerb konnten ein Foto einreichen.

Das war meins (besser auf einem Monitor ansehen als auf dem Handydisplay):

Diese hatte ich auch in Erwägung gezogen:

Aber es gewann die Frau des berühmten Fotografen mit einer wirklich tollen Nahaufnahme zweier diabolisch zeternder Rockhopper.


Wir wollten einen Umweg in Kauf nehmen, um möglichst nah an der Küste Argentiniens entlang zurück nach Ushuaia bei hoffentlich besseren Bedingungen zu fahren.

Nur noch mal ein paar Pinguine zum Abschied…

Es war schon so starker Wellengang und Wind, dass beim Essen die Töpfe laut durch die Küche schepperten und die Tellerstapel festgehalten werden mussten.


Am Abend fand eine lustige Verabschiedungsshow durch das Hotelteam statt.



Sonntag, 9.11.

Am späteren Vormittag wurden die Außentüren wegen des starken Seegangs aus Sicherheitsgründen geschlossen.


Wir hatten erst 6-7Bft, dann 8 und Spitzen bis 9, also Sturm mit Wellenhöhen über 4m.

Na ja, es geht schlimmer.


Ich wurde leicht seekrank und hatte durchaus etwas Angst. Die Schräglage des Bootes war sehr stark und der Bug tauchte (fast) immer wieder ins Wasser ein.


Das war nicht mehr so lustig und erinnerte mich fatalerweise an meine Fahrt mit Birgit mit der Heide Witzka zum Auskranen in Rahnsdorf, bei der wir hätten absaufen können; ein Trauma.


Ich hielt mich in der Mitte des Schiffs im Sessel auf Deck 4 auf, schwätzte lange und nett mit Bernhard, der mich ablenken wollte (danke!) und eigentlich hielt fast jeder auf ein paar Worte an, der in die Bar ging. Sehr nett.

Ich hatte noch gute US$100 Bordguthaben, das für die Wäscherei und die Bar ausgegeben werden konnte.

Jo hatte noch mehr.

Da wir beide nichts damit anfangen konnten, wurde Martis Wäsche darüber gewaschen und ich arrangierte den teuersten Kauf einer Grand Marnier Flasche ever. Sie enthielt einen Liter und wurde in Shots zu US$5.95 abgerechnet. 22 Shots. So bezahlte ich US$130,90 für diese Flasche.

Aber egal, war ja trotzdem geschenkt.



Montag, 10.11.

Jo weckte uns um 5:45. Die Ausschiffung ging effizient vonstatten, die Abschiede fielen kurz aus.

Um 8:00 war ich am Flughafen. Mein Flug war, typisch Argentinien, schon zweimal, von 14:20 auf 16:35, verschoben worden (später sah ich, dass das noch weiterging und er erst um 18:30 startete).


Ich stellte mich eine lange Stunde in die Warteschlange am Schalter und ergatterte tatsächlich für 25€ Umbuchungsgebühr (wieso musste ich die zahlen aber die Fluggesellschaft nicht?) einen Platz in einer mäßig gefüllten Maschine um 9:50.


Andere Mitreisende bekamen zu hören, es sei kein Platz mehr frei. Das verstehe wer will.


Der Flug landete in Buenos Aires Ezeiza statt in der Stadt, also eine gute halbe Stunde länger ins Zentrum, dafür aber hatte ich einen halben Tag gewonnen.


Am Flughafen ging ich zu den Taxis und fragte nach dem Preis. 58.000, sagte er. Ich fragte, wieso so teuer? Er sei Fahrer der offiziellen Taxigesellschaft und das sei der normale, offizielle Preis von „Taxi Ezeiza“. Na klar.


Ich lief durch das Terminal zum Stand von Taxi Ezeiza und buchte einen Wagen für 45.000.


Stella erwartete mich, es war schön, sie zu sehen. Wie schade, dass sie 12.000Km entfernt wohnt.


Ihr Freund José aus Ushuaia war zu Besuch, über dessen Mutter Stella ein Buch geschrieben hat.

Ich bekam es mit Widmungen von den beiden geschenkt. Ein Projekt für Translate.


Ich bekam ein hübsches, verspieltes Zimmer ganz oben mit Terrasse.


Es waren sonnige 25°, also zog ich Rock, Top und Sandalen an und spazierte los, um Tangoschuhe zu kaufen.

Das war eine lustige Erfahrung mit vielen Frauen verschiedener Nationen in einem kleinen Laden mit unzähligen Schuhkartons und einem Inhaber, der als eine Art durchgeknallter Schuh-Impressario agierte; Schuhe fand ich aber nicht.

Ich ging noch zwei mal los, weil mir bewusst war, dass ich in Deutschland in grauer, dunkler Unfreundlichkeit landen würde und genoss die milde Luft und die Helligkeit und Wärme.


Dienstag, 11.11.

Morgens holte ich mir einen Kaffee und spazierte wieder durch die Straßen.

In einem kleinen Supermarkt sah ich den ersten Rosé, den ich in Carhué gekauft hatte und den ich so lecker fand. Spontan nahm ich ihn mit, er landete in Berlin im Kühlschrank.


Mittags ließ ich ein Sandwich üppig mit Rucola, Pecorino, Schinken und Tomate belegen und überraschte Stella damit. Wir schwätzen eine ganze Weile.


Um 13:00 kam das bestellte Taxi und die Odyssee nach Hause begann.


Mein Resümee?


Wirklich gestört hat mich die mäßige bis schlechte Qualität der Lebensmittel und die geringe Auswahl; das ist etwas, was für mich eine große Wichtigkeit hat und ich bin froh über das so gute Angebot bei uns.


Die Preise sind durch die enorme Inflation in vielen Bereichen so hoch wie bei uns. Günstiger waren in den für mich relevanten Kategorien Benzin, Unterkünfte, Wein, Fleisch.


Die schönsten Orte und Erlebnisse waren:

  • die Iguazú-Wasserfälle

  • das Schnorcheln mit den Robben bei Puerto Madryn

  • Ushuaia und der Nationalpark Tierra del Fuego

  • El Chaltén und meine Wanderungen dort

  • die Gegend um und zwischen Bariloche und San Martin de los Andes

  • die Anden und der Ausritt in der Nähe Mendozas

  • Die Islas Malvinas (Falklandinseln) und South Georgia und natürlich insgesamt die Reise mit dem Schiff


Die schönste Unterkunft war für mich die Maisonette-Hütte in Ushuaia


Genervt hat mich oft die Ausländerfeindlichkeit und die häufig so plumpen Versuche, mich zu bescheissen.


Ein Steak von 360g sollte umgerechnet 28€ kosten, als klar war, dass ich kein Spanisch kann. Ich meldete über Translate neutral an, dass sie sich wohl vertan haben müsse. Ich sah wie sich Zahnräder bewegten, es dauerte eine lange Weile bis ihr klar wurde , dass sie da schlecht rauskommen würde, zumal eine andere Kundin schon interessiert guckte. Dann kostete es nur noch 3,60€.


Eine Unterkunft sollte für zwei Nächte US$180 kosten. Vor Ort wollte er 220 kassieren. Ich sagte über Translate, nein, zum einen habe ich nicht das gebuchte Zimmer, sondern ein günstigeres, dann zahle ich keine Steuer, also sind es maximal 160. Ich bezahlte schließlich umgerechnet 118€.


Anstrengend, diese Diskussion über den Endpreis bei fast jeder Unterkunft.


Das argentinische System verlangt ständig nach einer ID-Nummer. Im Supermarkt, bei Übernachtungen, beim Zahnarzt… Dummerweise hat niemand bedacht, dass diese IDs in anderen Ländern nicht nur aus Zahlen bestehen, sondern auch aus Buchstaben.


Und das führte regelmäßig, je nach Charakter des Fragenden oder der Natur der Angelegenheit, zu teils absurden Situationen und Problemen.


Der Zahnarzt konnte mir keine Rechnung ausstellen. Seine Buchhaltungsfirma musste eine Änderung in der Software vornehmen deswegen. Das hat drei Leute einige Telefonate und Zeit gekostet. Und sie waren so! nett dabei.


Mir wurde im Supermarkt einmal von der Kundin hinter mir unterstellt, ich hätte keinen Pass und sei illegal im Land, weil ich keine ID für die Kasse angab bzw. meine Standardantwort „Zero Zero Zero Zero“ gab.

Ja, so sieht es aus, wenn der Schwachsinn Blüten treibt; ist hier also wie zu Hause.


In Sachen Dienstleistungen: die Abholungen, die unkomplizierte Orga über WhatsApp, die Flexibilität, die gute Laune bei der Arbeit (nicht immer natürlich, aber überwiegend), das war super.


Beim Fliegen interessierte dort niemanden irgendeine Menge an Flüssigkeit. Natürlich muss die Thermoskanne mit heißem Wasser für Mate mit an Bord und natürlich braucht man seine Wasserflasche und bis zu sechs Flaschen Wein kann man sowieso mitnehmen.


Niemand hat transparente 1l-Plastiktüten verlangt. In meinem Handgepäck war das Öl aus Mendoza, Wasser, diverse Kosmetik bzw. Creme, auch groß, hat kein Mensch sich drum geschert.


Ich bin erstaunlich froh, wieder vernünftiges Toilettenpapier zu haben und nicht dieses extrem dünne, das, egal wie man es anstellte, sofort zu feuchten, klebrigen Papierkrümeln zerfiel.


Ein Leben ohne Fruchtfliegen hat mehr Qualität. Wirklich wahr. Das ist eindeutig den Verlust von ein paar Früchten an Bio-Kontrollstellen wert.


Eine bereichernde Reise. Ein paar Menschen die ich getroffen habe hätte ich gerne in meiner Nähe.


Ich hab radeln und schwimmen schon sehr vermisst.


Argentinien als Frau allein zu bereisen ist absolut kein Problem. Die Menschen sind überwiegend sehr freundlich, herzlich und hilfsbereit.


Argentinische Fluggesellschaften sind in erstaunlicher Weise extrem unzuverlässig.


Ein paar Brocken Spanisch schaden nicht. Mit Englisch kommt man nicht so weit.


Pinguine sind mit die putzigsten Tiere.


Wir hatten sehr großes Glück mit dem Wetter auf der gesamten Fahrt mit der Sea Spirit und haben ungewöhnlich viele Anlandungen machen können.


Insgesamt habe ich noch nie eine Reise wie diese gemacht, bei der ich fast täglich mit der Normalität, fast schon Banalität von Leben und Tod konfrontiert war.


Ich war noch nie so nah an und zwischen Tieren, die ich eigentlich nur aus Filmen kenne und ich war auch noch nie so weit „weg“. Ein unbeschreibliches Gefühl, toll!


Die Erde ist so schön, ich will mehr sehen und erleben!!! 😃

Als Nächstes? Ich will schon sooo lange sooo gerne nach Südafrika.




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