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  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 4. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Okt. 2025

Freitag, 3.10.

Los bei tollem Licht:

Von El Calafate zum Nationalpark sind es knappe 50Km, im Park selbst noch mal 27Km bis zum Gletscher Perito Moreno, das dauerte circa 1,5h.


Dieser ist wohl der einzige Gletscher weltweit, der kontinuierlich wächst. Kein Mensch weiß, weshalb.


Er erstreckt sich über 30Km (😳), seine Kalbungsfront (die 2,3Km breit ist), also die Eisfront über der Wasserlinie, ist bis zu 77m hoch.

Wahnsinn.


Es soll hier in der Region um die 50 Gletscher geben, aber dieser ist besonders gut zugänglich.

Eintritt zum Nationalpark waren 27,43€.


Die Strecke im Park ist sehr schön, ich musste besonders vorsichtig fahren, weil so viele Hasen munter über die Straße hoppelten.

Es waren kaum Autos unterwegs oder Menschen, mein Wagen war der einzige auf dem Parkplatz.

Ein Kleinbus bringt einen im 15min-Takt weiter nach oben zum Zugang zu den sogenannten Walkways; metallene Laufwege, die in vier Schwierigkeitsgrade unterteilt sind.


Ich entschied mich für den roten, den längsten, mit den meisten zurück zu legenden Höhenmetern.


Diese Wege führen streckenweise durch waldiges Gebiet und ab und an findet sich eine Aussichtsplattform samt Bank.

Man pirscht sich immer weiter nach vorne und unten vor.


Ich begegnete während meiner 2,5h dort vielleicht 25-30 Menschen, es war wirklich leer, was für ein Glück, wie meistens, wenn ich reise 🙂

Vier dieser wenigen Menschen waren junge Norweger, von den Lofoten. So nett! Wir haben uns ziemlich lange und angeregt unterhalten und währenddessen kalbte ein Stück des Gletschers.

Nun habe ich nur das Ende auf Video, tut mir leid. Es sah erstaunlich aus, nur das Handy war nicht so schnell einsatzbereit 🙈Man hört entzücktes lofotisches Lachen, in der Bildmitte sortiert sich das Eis im Wasser. Unspektakulär, aber alles, was ich zu bieten habe.


Danach lief ich noch zu einem anderen Stück Ufer des Lago Argentino, bevor ich mich auf den Rückweg machte.

Ich fuhr ohne Navi, bog spontan ab nach Puerto Bandera, einem winzigen Ort am See, an dessen Ende auch die Straße aufhörte.

Die Landschaft war traumhaft schön, mir begegnete kein Mensch, kein Auto.


Kühe grasten auf pastellkreidegelben Wiesen, der Lago Argentino hatte die unwirkliche Farbe von kalkigem Türkis, die Hänge der Berge unterhalb der Schneegrenze waren rostbraun-grün.


Ich wollte eigentlich weiter nach Norden fahren am Samstag, aber Dirk setzte über WhatsApp Energie in seine Überzeugungsarbeit, dass El Chaltén und sein Berg, der Fitz Roy, zu den schönsten Flecken der Erde gehören. So habe ich es zumindest (falsch) verstanden.


Später stellte sich raus, dass er vom Cerro Torre sprach, andere Seite, erster Abzweig. Lange, aber leichte Wanderung.

Aber das ist dann, wie es ist 🤷‍♀️


El Chaltén ist 230Km entfernt, davon 80Km Sackgasse. Es ist das argentinische Eldorado des Trekkings.


Ich bin absolut unerfahren im Wandern, habe eine miese Kondition, Arthrose und Corona-Nachwehen, also mir ist klar, dass es völlig unrealistisch ist, eine anspruchsvolle Wanderung über 22,5Km über 7-9h zu machen.


Das wäre die bekannteste Strecke des Landes zur Laguna del Tores, die unglaublich schön sein soll.


Ich habe mich also anfixen lassen, eine Unterkunft gebucht und, da vom Ort aus zahlreiche Wanderwege losgehen, einen eher passenden ins Auge gefasst.


Das schrecklich pappige Brot hier nervt mich, also habe ich, es gibt im Supermarkt ausschließlich Weizenmehl, zumindest Vollkornmehl gekauft, Soda und einen Naturjoghurt um eine Variante des irischen Sodabrotes zu backen. Buttermilch war bei La Anonima nicht aufzutreiben, also Joghurt und Milch mischen und einen kleinen Teelöffel Essig an den Teig.

Den rührte ich schnell nachts an, weil ich wieder mal nicht schlafen konnte.

Das Ergebnis war super, knusprig, innen dicht, aber saftig und fluffig.

Leider schmeckt Sodabrot nur am ersten Tag wirklich gut, dann kann man es aber noch gut toasten.


Samstag, 4.10.

Raus aus den Federn, Kaffee angesetzt und das Brot für eine halbe Stunde in den Ofen geschoben, derweil zusammengepackt und dabei den Duft genossen, der durch das kleine Appartement zog.


Dann ging es los nach El Chaltén. Eigentlich ein winziges Nest, das fast nur aus Unterkünften für Touristen besteht und wo überall gebaut wird, um noch mehr von uns unterbringen zu können.

Mein Appartement, wieder ein Last Minute-Schnäppchen über booking, war um 11:00 schon fertig, sehr schön und gemütlich, ich unterhielt mich nett mit dem Betreiber und entschied mich dann doch um, für eine für meine Voraussetzungen anspruchsvollere Wanderroute, Richtung Fitz Roy.

Ich fuhr zum Beginn des Pfades, dort wartete ein Kassenhäuschen.

45.000ARS, also 27€, sollte das Betreten der Wanderwege kosten.


Weil ich gestern im Nationalpark der Gletscher war, musste ich „nur“ 50% zahlen.


Im Nachhinein muss ich sagen, dass das unverschämte Abzocke ist.


Es gibt keine Bänke, Toiletten, Mülleimer, Geländer, Schutzhütten, jar nüscht. Nur den Trampelpfad, den Generationen von Touristen ausgetreten haben, auf großen Teilen quasi geflutet von Bächlein und Rinnsalen und nicht begehbar, Matschfelder.

Meine Schuhe sind erstaunlich eingesaut.

Aber ungefähr zehn alte hölzerne Schilder gibt es.


Am Perito Moreno gab es eine Infrastruktur, da war es nachvollziehbar. Hier sitzt nur jemand und kassiert für Nichts.

Auch die enorme Differenz im Preis von Einheimischen zu Touristen empfinde ich als unverschämt.


Ich hatte mich für die Laguna Capri als Ziel entschieden, 4Km einfache Strecke, der Beginn des Weges zum Fitz Roy.

Das war anstrengend!!!

Es ging wirklich steil bergauf über Stock und Stein, durch den fiesen Matsch, ich habe Dirk mehrfach verflucht, völlig zu Unrecht 🤣 und mich natürlich.


Die Norweger begegneten mir gegen 12:30 wieder.

Sie waren nachts um 2:30 aufgebrochen, hatten insgesamt 2,5h Pausen gemacht und waren zu diesem Zeitpunkt 1/2h vom Parkplatz entfernt und fix und alle.


Und das sind 25jährige, die topfit sind und regelmäßig wandern.

Gottseidank habe ich mir nicht die lange Strecke vorgenommen.

Aber es gab unglaubliche Panoramen und als ich meine Stulle am See futterte, war ich doch ganz zufrieden mit mir und der Welt und dem Blick auf den Berg, den See mit der kleinen Insel in der Mitte und der Spiegelung all der Schönheit im Wasser.

Das war auf knapp 800 Höhenmetern.

Im Boden dort waren stäbchenförmig gefrorene Eisstücke, so etwas habe ich noch nie gesehen.

Ich lief noch etwas weiter, aber der Weg war geflutet, das machte keinen Spaß.

Also die 4Km zurück.

Ich saß noch eine ganze Weile in der Sonne und starrte in dieses gigantische Tal mit dem in der Sonne glitzernden Fluss.

Ich war ausnahmsweise mal ziemlich unterzuckert, also stürmte ich den örtlichen Bäcker. Hier gibt es Alfajores mit Fruchtfüllung als lokale Variante, sehr nett.

Und ein weiteres schönes Etikett lief mir über den Weg.

Dann zur Tankstelle, es hatte nur eine geöffnet, eine Containertanke, und die soll angeblich Sonntags geschlossen sein. Also vorsichtshalber voll getankt.

Und dann: Kaffee, süsse Teilchen, Sofa, Blog schreiben…

Und einen einfachen Salat; Tomaten, Zwiebeln, Mais. Hand ist noch dran.


Morgen geht es weiter in den Norden.

 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 3. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Jan.

Dienstag, 30.9.

Ich war etwas traurig, Ushuaia zu verlassen; aber es wartete noch die Westseite des Landes auf mich entlang den Anden und einige tausend Kilometer Strecke.

Ich trödelte bei immer schöner werdendem Wetter, pfeifend kalt aber sonnig, über den Pass, frühstückte mit Panoramablick ein Müsli, alles wunderbar.

Ich sah nach Tolhuin wieder viele Guanakos in verschiedenen Zuständen.


Ungefähr 500m vor dem Ortsschild Rio Grande, gegen 12:00, fuhr ein LKW an mir vorbei, ich sah den Stein fliegen und dann krachte er mit lautem Wumms in meine Windschutzscheibe und durchschlug sie fast.

Auf meiner Seite innen fielen Glassplitter. Was für ein Schreck!

Und was für ein Glück, dass ich superPremium versichert bin… Auch wenn ein Versicherungsfall immer bedeutet, dass die versuchen, sich rauszuwinden und es nervig und langwierig wird.


Der Vermieter verwies natürlich als erstes darauf, dass ich über sie hätte versichern sollen, die gleichen Punkte (Reifen, Unterboden, Glas) ein zweites Mal. Na sicher🙄


Aber er gab mir auch schnell Adressen durch von Werkstätten, die solche Schäden bearbeiten, immerhin. Obwohl ich geschrieben hatte, wo ich sei, zunächst für Ushuaia, nachdem ich erneut schrieb, Rio Grande, dann tatsächlich für den richtigen Ort.


Ich suchte mir einen nach Entfernung aus, Dr. Resin, und traf dort auf Hugo, 33, ein Schatz.


Er hatte die Scheibe nicht da, fragte aber bei mehreren Kollegen an in der Stadt und nach 1,5h kam eine Antwort, einer hatte sie.


Wenn nicht, hätte ich einen weiteren Tag in Rio Grande verbringen müssen. Das will man nicht, glaubt mir.


Wir fuhren mit seinem Pickup los, luden die Scheibe auf und dann machte er sich daran, sie auszutauschen.

Ich spazierte in eisig tosendem Wind umher, aber dort ist es wirklich trostlos. Die Kälte ist hier kälter als bei uns. Wie auch immer das geht.

Ein Mädchen lief im TShirt rum 🥶Ich kam an einem Geschäft mit festlicher Kleidung vorbei und fragte mich, zu welchem Anlass hier ein solches Kleid getragen werden mag.

Ich kaufte eine Flasche Wein für Hugo, weil er mir so nett, schnell und engagiert half.


Zu 19:00, nach umständlichen Änderungen (wer glaubt, die deutsche Bürokratie sei schlimm, hat die argentinische noch nicht erlebt) an der Rechnung (sie werden jede Kleinigkeit nutzen, um sich vor der Zahlung zu drücken, also muss man antizipieren, was das für Punkte sein könnten) waren wir fertig.


Der Endbetrag waren 295€. Keine Ahnung, was so etwas sonst kostet, fand ich eher günstig. Hugo hatte auch einen Preis bei Toyota angefragt, die hätten das Vierfache haben wollen.


Die Scheibe wird mit einem Kleber eingesetzt, der aushärten muss über mehrere Stunden.


Also fuhr ich sehr vorsichtig und langsam einen Umweg zur Unterkunft, mit möglichst wenigen Erschütterungen (Bodenschwellen und Schlaglöcher, von denen es nun schon einige gibt). Merke: auch argentinische Autofahrer hupen aggressiv, wenn sie genervt sind 😎


Dort nahmen mich Liliana und Pedro in Empfang und waren entzückend. Ich bekam sogar vier Eier geschenkt und wurde morgens mit Küsschen verabschiedet, dafür standen sie extra früher auf.

Die beiden haben mich berührt, so liebe Menschen.


Was für ein Tag! 7 Stunden hatte mich der kleine Stein gekostet, aber es lief ja alles gut.


Ich musste noch eine Unterkunft in Rio Gallegos finden und buchen, hatte auch Glück mit einem Haus für 21€.

Bin gespannt. Ich rechnete damit, dass ich nach knapp 400Km, vier Grenzkontrollen und einer Fährfahrt nur ins Bett kippen wollen würde.


Mittwoch, 1.10.

Nicht viel zu berichten. Der Wind war so stark, dass ich zwei Mal nicht aus dem Auto kam (ich habe die Tür nicht geöffnet bekommen, wollte aber nur für ein Foto nicht rangieren) und die Fortbewegung auf zwei Beinen sehr problematisch wurde.


Ich kramte in meiner Mediathek und kam, old fashioned, auf den Soundtrack von Harold

& Maude (ich liebe den Film) von Cat Stevens.

Klassische Roadtrip-Musik, finde ich.

Ich musste zwei Stunden auf die Fähre warten, vermutlich durch den Wind waren sie in Verzug. Da dort nichts ist außer einem seltsamen leeren Gebäude mit, immerhin, Toiletten, saßen alle im Auto bzw. LKW.

Der Wind beutelte die Fahrzeuge.


Ich stelle es mir problematisch vor, wenn die Fähren den Betrieb einstellen. Sturm, Maschinenschaden, was auch immer, dann müsste man ja 160Km zur nächsten möglichen Unterkunft zurück fahren und durch die beiden Grenzkontrollen 🥺🤔


Theoretisch fährt alle 30min ein Schiff auf jeder Seite, Punta Delgada und Bahia Azul.

Für diese Tour habe ich 19,53€ bezahlt.

Auf der anderen Seite war der Wind genauso heftig.

Vier Grenzstationen später war ich dann zurück in Argentinien, ging einen Einkauf machen (jetzt darf ich mein Obst und Gemüse ja wieder behalten) und fuhr zum Haus. Tageskurs 18€.

Musste man mögen. Ich mochte es nicht. Eine Nacht🤷‍♀️

Den Abend verbrachte ich mit dem braten eines Lammsteaks und der Suche nach einer netten Unterkunft in El Calafate.


Donnerstag, 2.10.

Obwohl ich mich in dem Haus nicht wohl fühlte, habe ich auf der festen Matratze erstaunlich gut geschlafen.

7:00 Kaffee und schnell weg da.

Über Nacht waren im vorderen und im rückwärtigen Garten Flutlichtscheinwerfer an, kuschelig.


Aber das ist ein typisches Haus, wie ich es immer von der Straße aus sehe und einen ersten Eindruck hatte ich in Las Grutas, als ich eine Tasche suchte und in dem Haus einer Familie war.

Ich brach auf nach Nordwesten und bei Esperanza kam ich auf die RN40, der ich nun etwa 2.700Km folgen werde.


Um mich herum nichts als Steppe, wie fast überall übersät mit Plastiktüten, sehr hellblauer Himmel, Sonne, 7-8°, irgendwann vor mir plötzlich eine Nebelwand.

Ich dachte mir zunächst nichts Böses, dann hatte sie mich plötzlich verschluckt.

Innerhalb von Minuten sank die Temperatur auf 0- -1°, um mich herum Schnee, die Straße voller Schneematsch, schlechte Sicht.

WTF?!

Das war mal ein schneller Wetterwechsel!

Ich schaltete die Warnblinker an, weil ich mit diesen Reifen langsam fuhr und nicht wollte, dass mir ein Pickup reinrauscht.


Andere, entgegenkommende Fahrer, handhabten das teilweise genauso.


Die Strecke war gefühlt lang, tatsächlich etwa eine Dreiviertelstunde, die ich mit mit 20-40Km/h fuhr.


Dann zog jemand den Vorhang auf, Straße trocken, Sonne, blauer Himmel, 6°.

Das war schräg.


Wie üblich hielt die Gendarmerie mich an, fragte nach meiner Herkunft und meinem Ziel, dann war ich in El Calafate.


Der Ort lebt vom Gletscher Perito Moreno und ist extrem touristisch.


Viele Souvenirläden mit allerdings hübschen Dingen, völlig überteuert, auch bei uns wären die Dinge zu hoch bepreist.

Eine Hauptstraße voller Restaurants und Läden, in der Mitte der Straße Bäume. So habe ich das im Land bislang noch nicht gesehen.


Zur Abwechslung hatte das mal was und erinnerte eher an Europa.


Eigentlich wollte ich essen gehen, Angebot und Preise sagten mir aber nicht zu, also kaufte ich ein für Bolognese und fuhr zu meiner Unterkunft, die ich nach dem Haus sehr sorgfältig ausgesucht hatte, mit einem großen Bedürfnis nach Gemütlichkeit und einem hohen Wohlfühlfaktor. Bietet sie.


43€ für El Calafate und den Standard finde ich völlig okay.

Eigentlich wollte ich faul sein, aber nach dem Essen hatte ich schon wieder Hummeln im Hintern.


Nicht weit entfernt war ein kleines Vogelreservat, die Reserva Laguna Nimez.


Was Vögel angeht, bin ich weniger auf der ornithologischen, als vielmehr auf der Disney-Seite angesiedelt.

Groß, rosa, steht auf einem Bein und ist nicht aus Stoff? Nett.

Auf diesem Areal kostete ein ausgeschilderter Spaziergang über drei Kilometer 12.000ARS/7€, was schon sehr üppig ist.

Aber El Calafate ist eine der meistbesuchten Städte des Landes wegen der Gletscher, klar, sie können, also tun sie es.

Am Strand des Lago Argentino und in einem Teil der Lagune waren, tadaaaa, Flamingos unterwegs. Ich pirschte mich an, aber meine indianischen Fähigkeiten sind ausbaufähig.

Ich habe gelernt, dass Jungtiere weiß sind, wie die hier fischende Teenagerhorde.

Ich sah auch wieder das Vogelpaar, welches (nicht genau dieses natürlich) mich seit vielleicht 2.000Km oder mehr begleitet.

Die treten ausschließlich als Paar auf, seltenst in einer Gruppe, wenn, dann mit reichlich Abstand zwischen den Paaren.


Wenn ich diese beiden Vögel sehe, dann muss ich immer an eins meiner Lieblingsgedichte von Mascha Kaléko denken, Ich und Du


Morgen geht es zum Perito Moreno Gletscher!


 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 29. Sept. 2025
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Dez. 2025


Samstag, 27.9.

Um 6:30 fiel rotgoldenes Licht auf mich. Ich sprang in Jeans und T-Shirt und auf die Straße und sah, schlotternd vor Kälte, die Sonne explodieren.

Gegen 8:00 schon linste ich, in unerfüllter Hoffnung auf einen kräftigen Kaffee, an der Fähre über die Magellanstraße durch die Fenster des dortigen Restaurants.


18,33€ kostete die 20minütige Überfahrt, man zahlt nur für das Fahrzeug.

Und dann war ich auf Feuerland!

Die Landschaft sah ähnlich aus wie vorher, Wüste, aber als hätte jemand noch mehr Farbe rausgewaschen.

Bis Rio Grande war es ein Stück, dazwischen die Grenzprozedur auf beiden Seiten, die lange argentinische Straße dazwischen war das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe.


In der chilenischen Station lebt eine Katze, die sehr offensichtlich die Chefin aller Grenzbeamten dort ist.


Obwohl Fotografieren streng verboten war, wurde für mich und die Dame des Hauses eine Ausnahme gemacht.

Die hat ihr Team im Griff. Zusehen und lernen.

Ich erreichte die weniger attraktive Stadt Rio Grande erst gegen 12:30. Auf dem ganzen Weg hatte ich eine Tankstelle gesehen, in Chile, ansonsten nichts, überhaupt nichts. Ich hatte kein Frühstück und keinen vernünftigen Kaffee/Tee.


Ich war ausgehungert und etwas miesepetrig.

An der ersten Tanke erstand ich Benzin und ein Tostado, das mich nicht zufrieden machte, aber satt.

Ich suchte mir einen sehr großen Carrefour-Supermarkt, davon ausgehend, dass es noch weiter südlich auch noch teurer würde und die Auswahl magerer.


Dort kaufte ich alles ein für ein indisches Kürbisgericht für den Folgetag (Kürbis, Kartoffel, Kichererbsen, Knoblauch, Zwiebel), das am wenigsten pappige Brot mit einem Hauch Vollkornanteil, etwas Schweinelende als Aufschnitt, einen Camembert, Butter, Apfel, Birne, ein Fanta Orange light, weil dieses künstliche kräftige Orange im Ausland so toll ist. 22€.

Ähnlich wie bei uns? Vielleicht etwas günstiger.


Und dann wurde die Umgebung noch mal gänzlich anders die nächsten 120Km.

Viele Bäume, die meiner küchenpsychologischen Meinung nach wenig glücklich aussehen.

Aber was weiß ich, ich bin kein Baum.

Meine erste Unterkunft liegt sehr schön, erhöht über einem See, dem Lago Fagnano.

Das Zimmer ist extern, sehr einfach ausgestattet, aber gemütlich, mit tollstem Blick.

Abendessen gab es dort erst um 20:30, da war ich raus, es gab Obst und eine Stulle. Schauderhaft. Das Brot war gesüßt. Wie in den USA, dort war es unmöglich, ein ungesüßtes Brot zu bekommen.


Lesend, mit einem Schluck von meinem Rosé in der Sonne auf der Treppe sitzend, genoss ich den Blick.


Obwohl ich geschimpft worden bin an der Grenze von den beiden, die das Auto durchgesehen haben; der chilenische Wein sei viel besser


Sonntag, 28.9.

Im Hotelgebäude gab es Frühstück. Also ein Kuchenbuffet, aber mit etwas mehr, die beste Auswahl bislang und richtiger Kaffee und ein Tisch am Fenster mit umwerfendem Blick, knisterndes Feuer im Kamin, sehr schön und gemütlich. Das habe ich eine Weile genossen.

Als ich zum Nordkap fuhr, folgte ich über viele Kilometer einem Regenbogen, der direkt in der Nordrichtung erschien. Das war magisch.

Wie schön, dass hier etwas Ähnliches, wenngleich etwas einfacher und ohne Magie, geschah:

Es gibt übrigens drei Arten, hierher zu kommen: mit dem Schiff, dem Flugzeug oder auf dem Weg über Chile mit Auto und Fähre.


Durch Chile, weil dieser südlichste Zipfel Argentinien vollkommen abgetrennt ist durch die Grenze.


Nicht weit hinter Tolhuin begann ein schöner Pass, den ich nicht bei Schnee und oder Eis fahren möchte.


Davor lief plötzlich ein völlig kopfloses, ängstliches Jungpferd die Straße entlang, knallte ständig gegen die Leitplanke, hatte offenbar große Angst.

Ich schaltete Warnblinker ein, der nach mir fuhr etwas langsamer, überholte aber.

Das Tier sprang über die Leitplanke, knallte mit dem Bein dagegen und raste in den Wald. Ich fuhr um die Kurve und wollte anhalten, da standen ein Auto, ein Pferd, ein Mann.


Hm. Wie kam der eine Mann mit vermutlich zwei Pferden, eines davon gesattelt, das andere ohne jegliches Zaumzeug, und einem Kleinwagen dort hin?


Ich machte ihm mit Zeichensprache klar, dass um die Ecke ein Pferd sei, er nickte gelassen und ging los.

Okay 🤷‍♀️

Die Panoramen waren wunderschön.

Ich hatte mich gewundert, dass Waze für 90Km 2h15 angab.

Als ich Ushuaia erreichte war mir klar, weshalb.


Die südlichste Stadt der Welt liegt am berühmten Beagle-Kanal.

Ich fuhr direkt durch die Stadt und folgte der Panamericana, also der RN3, bis zu ihrem Ende im Nationalpark Tierra del Fuego, für den ich 18€ Eintritt bezahlte.


Ausnahmsweise wurde nur mein Herkunftsland erfragt, dann beriet mich ein Parkranger ausführlich und sehr gut, das war nett und hilfreich.

Am Bahía Lapataia ist der Endpunkt.

Weshalb eigentlich heißt es „Ende der Welt" und nicht Anfang? Ist der Beginn der Welt dann am Nordpol?🤔 Oder ist der Globus eine Wurst?

Muss ein tolles Gefühl sein, wenn man den ganzen Weg von Prudhoe Bay in Alaska bis hier gereist ist und ankommt.

Würde ich auch rasend gern machen.


Die Strecke von Buenos Aires habe ich ja nun schon.


Ich bin bis zu diesem Punkt 3.852 Km gefahren (der Rückweg wird etwas länger).


Ich habe die letzten Tage mal beim Tanken Verbrauch und Preis notiert. Im Durchschnitt kostete ein Liter Super 0,75€.

Feine Sache für einen Roadtrip.


Es gibt zahlreiche gut beschilderte Wanderwege unterschiedlichster Länge und Schwierigkeit.

Ich lief einen einfachen und Teile von drei weiteren.

Dann fuhr ich zum Lago Roca, der für mich aussah wie der schöne Lake Louise im Banff Nationalpark. Dort pfiff der Wind ordentlich, der See hätte auch Meer sein können, so überzeugend brandete er ans Ufer.

Derart durchgepustet wurde ich eine Stunde später im Supermarkt belehrt, dass ich falsch gedacht hatte.

Es war nicht der größte, aber der am besten sortierte, der mir bislang über den Weg gelaufen ist und auch nicht teuer.

Süße, saftige frische 🍊 gab es und Pekannüsse in der Schale, habe ich bei uns noch nie gesehen.

Dann fuhr ich in den Wald oberhalb der Stadt, dort hatte ich für zwei Nächte Last Minute für fast 50% weniger eine traumhaft putzige Maisonette-Hütte gemietet, die Nacht à 60€.

Ich wollte dort eigentlich nie wieder weg.

Mit Lichtkuppel im Schlafgeschoss und drei Meter hohen Fenstern über beide (offene) Etagen.

Zum Abend gab es den indischen Kürbis mit Zwiebel, Kartoffel und Kichererbsen; und Orangenschnitze 😋 Hier die Anleitung in Bildern.


Flüssigkeit ist Wasser, nicht zu viel und etwas eindicken lassen (erst 7-10 Minuten je nach Größe der Gemüsestücke im geschlossenen Topf garen, dann die gleiche Zeit, vielleicht etwas länger eher heiß kochen und abdampfen).


Das braucht sehr viel Salz und die anderen Gewürze ebenfalls großzügig verwenden: Kurkuma, Garam Masala, Koriander, Chili oder Cayenne, Kumin. Reichlich Knoblauch. Zum Schluss noch mal sehr kräftig Garam Masala drüber. Das Rezept verlangt eigentlich eine Prise Zucker, passt für meinen Geschmack nicht. Die Konsistenz sollte eher etwas weicher sein, aber nicht matschig.

Einfach, lecker, schnell.

Die heizen auf Feuerland mit Gas, sehr warm und dies 365 Tage im Jahr. Nachts kühlt es empfindlich ab, das spürt man auch im Bett deutlich.

Es wird gebeten, die Heizung nicht auf kleinste Stufe zu stellen oder sie auszumachen, sondern ggf. Fenster zu öffnen um runter zu kühlen, auch länger, das wäre einfacher, um eine halbwegs konstante Wärme zu halten.

Umweltfreundlich gedacht.


Montag, 29.9.

Was für ein schönes Aufwachen. Muss ich hier wirklich weg? 🥺

Kleines Frühstück aus Müsli, dann los zu meinem Termin um 9:30 im südlichsten Nagelstudio der Welt.


Einerseits lästig, dass alle drei Wochen machen zu müssen, andererseits kann man mit diesen Nägel halt den Garten umgraben, da reisst und splittert nix, enorm praktisch und egal was man anstellt, es sieht gepflegt aus.


In Ushuaia gibt es faszinierend viele Studios, weitaus mehr als in Berlin in meiner etwas weiteren Umgebung.

Und erst beim vierten hatte ich das Glück, noch einen Termin zu bekommen.


Die Feuerländerin ist mir spontan nicht durch ihre tipptopp Gelnägel oder überhaupt besonders gepflegte Hände und oder Nägel aufgefallen. Vielleicht lassen die sich nur die Füße machen?


Hm. Ich behalte das im Auge.


Vorher/nachher:


Dann schlenderte ich durch den Ort und sah mich um.

Und brauchte einen Moment um zu kapieren, dass Feiertag war und die Geschäfte deshalb fast alle geschlossen.


Dennoch lief ich hoch und runter und zurück und mag das da sehr.

Es ist nicht sehr gemütlich, es ist sehr touristisch, die Straßen sind teilweise unglaublich steil, aber es hat einen großen, eigenen Charme, einer der seltenen Orte, der magisch ist.


Es gibt auffällig viele (Nagelstudios), Friseure, Outdoorläden, Souvenirshops, Cafés, Schokoladenläden.

Dirk hatte mir das Buch Berserk von David Mercy empfohlen, einen spannenden und interessanten Reisebericht über zwei (anfangs drei) junge Männer, die in einem vollkommen ungeeigneten kleinen Segelboot ohne adäquate Ausrüstung von Ushuaia aus zu einem Abenteuer in die Antarktis aufbrechen.


Ich sah die Abfahrt nun vor mir.

In dreieinhalb Wochen bin ich wieder hier (leider nur für einen Nachmittag und eine Nacht), darauf freue ich mich schon.

Meine Schiffsreise wird etwas sicherer und komfortabler als die der beiden. Hoffe ich.


Meine Idee, hier einen neuen und günstigen Rucksack von Patagonia zu erstehen, bekam einen herben Dämpfer. Die sind genauso teuer wie bei uns.

Dies ist vermutlich der Pier, an dem in 3,5 Wochen die Sea Spirit liegen und wo ich an Bord gehen werde, um durch den Beagle-Kanal und zu weiteren Abenteuern zu fahren:

Ich bin ins Museum gegangen, definitiv das mieseste in dem ich seit Jahrzehnten war. Touristen zahlen mehr, dafür sind alle Beschreibungen und Beschrifungen der verstaubten, stinklangweiligen Exponate fast ausschließlich auf Spanisch.

Ausländerfeindlichkeit begegnet mir im Süden übrigens gar nicht mehr, die Menschen, mit denen hier kommuniziere, sind im Gegenteil neugierig und zugewandt, hilfsbereit und extrem freundlich und lachen eher nett oder verlegen (weil ihnen ihr Englisch, das ja nur besser sein kann als mein Spanisch, peinlich ist) wenn ich sage, dass ich kein Spanisch kann.


Seit Jahren, ach, Jahrzehnten will ich so gerne mal Schnee- oder Königskrabbe essen.

Eine invasive Art von beachtlichen Ausmaßen, die als Delikatesse gilt und hier Centolla heißt.


Googelt die mal und da seht Ihr einen weiteren Grund, warum ich nur in Wasser gehe, in dem ich den Grund sehe 😂


Bereits zu Hause hatte ich geguckt, wo man die hier gut essen kann.


Es gibt einen sehr bekannten, sehr touristischen Laden in der Stadt und ein kleines Restaurant, 80Km außerhalb, knappe 2h Fahrt einfach.

Den Laden im Ort sah ich mir an und war entsetzt über den Preis, das fiel aus. Der andere hatte nicht auf meine Anfrage reagiert, Feiertag, wer weiß, fiel auch aus.


Also Plan B. Ich liiiiiebe grillen. Neben Pilze sammeln und picknicken und schwimmen und radeln eine der schönsten Beschäftigungen auf der Welt für mich.

Da bin ich hier genau richtig.

In jedem, wirklich jedem Laden gibt es Holzkohle, in fast all meinen Unterkünften gab es Grillstellen.


Also klapperte ich die Stadt nach offenen Läden und Zutaten ab und hatte nach einer halben Stunde einen Sack Kohle, eine Zitrone, ein frisch geschnittenes Steak (360g/~3,50€), eine (angeblich) pikante Sauce.


In meiner Hütte machte ich mir schnell eine Knoblauchbutter (den Knoblauch müsste ich sonst sowieso wieder entsorgen an der Grenze)

Das Feuer in Gang zu bringen war nicht so einfach ohne Papier, aber ich hab’s hinbekommen mit ein paar Schnipseln vom Kohlensack und kleinen Zweiglein und Rinde (qualmte natürlich erst mal kräftig).


Dann das Steak rauf und Brot von gestern mit der Butter-ein Träumchen 😋

Eins der leckersten Essen, das ich hier bislang hatte.


Das vom Fleischer und einer Kundin nach einer Diskussion auf Spanisch empfohlene Steak war hervorragend.


Meine Jacke roch wie geräuchert und hing erst mal eine Weile draußen.

Die restliche Kohle ist im Auto für die nächste Gelegenheit.


Ich hatte mir die Gegend um Ushuaia deutlich karger vorgestellt und bin entzückt, wie schön es hier ist.

Ich bin eine abenteuerliche Schotterstraße gefahren, von der ich irgendwann diesen sagenhaften Blick hatte:

Nach dem Grillen war es schon späterer Nachmittag und damit Zeit, die Rückfahrt zu planen bzw. für den nächsten Tag eine Unterkunft zu buchen.


Das Verrückte ist, dass nach Rio Grande bis hinter die Magellanstraße keine einzige Unterkunft zu finden ist.

Die in San Gregorio kommt als nächstes, das fand ich wenig attraktiv für eine weitere Übernachtung.


Ich hatte überlegt, über Chile in Richtung Norden zu fahren, wenn ich schon mal dort bin und die Grenze hinter mir habe; das scheitert vermutlich einzig und allein daran, dass ich keinen Schlafplatz finde in angemessener Entfernung. Ich kann und will nicht 700-800Km fahren an einem Tag.

Dazu kommt die Fähre und mindestens ein aufwändiger Grenzübertritt.


Morgen fahre ich zunächst ganz entspannt nach Rio Grande, vielleicht fällt mir auf dem Weg noch etwas ein 🤷‍♀️ Oder einer/m von Euch?


Der Kürbisrest von gestern wird noch verputzt nach einem kleinen Spaziergang durch den Wald…












 
 
 
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