- Charlotte Tina

- 16. Okt. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Nov. 2025
Sonntag, 12.10.
200Km lang war alles schön und dann begannen wieder 80Km schlimmster Wellblechpiste, die sich immer schön mit tiefem Kies abwechselte, das fühlte sich an wie schwimmen mit dem Wagen. War super.
Aber ich sah erstaunliche Landschaften. Ein Fluss, dessen Wasser seltsamerweise seine Umgebung nicht nährte, sondern dessen Ufer aus feinstem Wüstensand bestanden mit äußerst spärlicher Vegetation.
Ein einsamer Flamingo 20m neben einer einzelnen Kuh in einem Flussbett.
Zwei ältere Radler, die sich in sengender Sonne über diese Strecke quälten und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie sie die 70Km noch schaffen wollten.
Ein Schaf, dessen Kopf zuerst auftauchte, einige Meter danach in der Straßenmitte der Körper, das Skelett umgeben von Fell, innen hohl. Wie lange mochte das dort schon liegen? Alle umfuhren es.
Einen ähnlichen Anblick bot eine Kuh.
Der Bauch ist offensichtlich die Stelle, an der das Fell am dünnsten ist, dort ist immer die Öffnung.
Ich gewöhne mich an diese Bilder, was ich gut finde. Anfangs wollte ich immer direkt in den Graben kotzen, jetzt schaue ich mir das interessiert an.
So sehr mich die Kargheit und Weite auch faszinieren aus der trügerischen Sicherheit des Autos heraus und so schön es ist, es reicht mir jetzt mit Wüste und Steppe.
In Malargüe suchte ich ewig nach einem Steak, in meinem Last Minute-Häuschen für 45€ traf ich auf den extrem netten Vermieter Juan und nutzte seine schönen Grills.
Ich hatte die Tage Kassenbons, Pappverpackungen und trockene Zweige gesammelt, also ging es diesmal flott. Dazu ein Salat, lecker.
Montag, 13.10.
Auf nach Mendoza!
Ich hatte drei Nächte in einer privaten Unterkunft gebucht für 111€. So waren zwei Tage für Unternehmungen möglich, die ich mir vorab überlegt hatte.
Zum einen Reiten in den Anden mit anschließendem Asado und dann noch eine Tour mit Weinverkostung durch drei Bodegas und eine Olivenölfabrik.
Die Fahrt war interessant, weil die Landschaft sich von Kurve zu Kurve ständig veränderte.
Ich fuhr lange am Fuß der Anden entlang.
In einem Ort fiel mir ein Hund auf, der hektisch versuchte, etwas aus einer Mülltonne zu zerren.
Mein erster zu beglückender Hund!
Bremsen und mit der am Vortag erstandenen Trockenfuttertüte zu ihm hin war eins.
Der arme Kerl dachte wohl, ich würde ihn vertreiben aber er guckte nicht nur ängstlich, sondern auch neugierig und stürzte sich dann auf das Futter. Schön. He made my day.
Einfahrt nach Mendoza: über 20Km dichter Verkehr-kenne ich nicht mehr!
Erst war ich schockiert, weil ich auf einer vielspurigen Straße im Stau stand, irrer Lärmpegel, Mopeds, Hupen.
Meine Wohnung hat um die Ecke einen Parkplatz, ich habe vier Schlüssel, alles hier ist gesichert und vergittert wie Fort Knox. So würde ich nicht leben wollen, mit Gittern vor allen Fenstern und Türen.
In allen Behausungen bisher war immer der Duschvorhang zugezogen. Creepy! Haben die nie Hitchcock gesehen? Jedenfalls ist das fast das erste, was ich mache, den Vorhang zur Seite ziehen.
Die zweite Stadt in drei Tagen, die mich positiv überrascht.
Schönes Lebensgefühl hier und wirklich hübsch.
Was mir auffiel waren allerdings viele Menschen, die allein irgendwo saßen und zu einem großen Teil einsam aussahen.
Zwischen allein und einsam sieht man manchmal schon den Unterschied.
Stadtmitte ist Ciudad, die Plätze España, Italia und Independencia sind hübsche Oasen mit netten Details, wie den Schmuckfliesen am Boden.
An jeder Ecke ist ein Weingeschäft, Argentinien ist mit 4,4% Anteil an der weltweiten Produktion auf dem siebten Platz.
Mendoza ist die Weinhauptstadt. 140Km entfernt sah ich die ersten Rebstöcke, die schnell flächendeckend wurden.
Die Region ist insbesondere bekannt für ihren Malbec, die Traube findet hier optimale Bedingungen. Ich habe mal gelesen, in Mendoza könne man keinen schlechten Wein trinken.
Ich habe bislang drei Rosés in Supermärkten gekauft, von 3,50€ bis zum teuersten den sie da hatten für 7,80€. Alle waren sehr gut, der günstigste war mir der leckerste.
Für den Preis gibt es bei uns Nagellackentferner.
Dienstag, 14.10.
Mit dem Veranstalter konnte ich aufgrund meiner Innenstadtwohnung die Abholung vereinbaren.
Ich schlenderte erneut einige Stunden durch die hübsche Stadt. Nur diese furchtbaren Gitter und Stacheldraht…das ist ja wie im Knast sitzen.
Ich verstehe die Preise immer noch nicht. Ein Kilo frischer Spinat 0,32€. Ein gebrauchter Pullover im Second Hand Shop in schon etwas gelebtem Zustand und nicht aus tollem Material 18€.
Ein Kaffee mit Croissant in einer Seitenstraße 0,96€. Auf einer Hauptstraße durchaus 5-6€.
Es gibt hier, neben Tankwarten, auch noch Schuhputzer. So viele Leute, so personalintensives Arbeiten. Und alle wirken so viel entspannter und zufriedener als bei uns, obwohl sie vermutlich wesentlich weniger verdienen.
Der Postbote, der mit seiner Post bei einem Kaffee auf der Straße saß, der Kassierer im Supermarkt, der in aller Ruhe aufstand, um einer Kundin etwas ausführlich zu zeigen und niemand regte sich auf, der ältere Herr, der in seinem für ihn zu großen Auto rangierte und den Verkehr aufhielt und dabei alle Poller in seiner Umgebung mitnahm, keiner moserte. Die Frau im Obstladen, der geschlossen war, die aber, als ich davor stand, öffnete für eine Mango für 0,90€. So viele Leute, die ihren Job mit einem Lächeln machen. Straßenkehrer im entspannten Gespräch mit Fahrradpolizisten.
Um 14:50 bekam ich eine Nachricht, das Auto stehe vor der Tür, ein großer Pickup.
Wir fuhren aus der Stadt (Mendoza liegt auf 746m Höhe) in die Nähe von Villavicencio, allerdings bogen wir vor dem Ort auf einen wirklich üblen Weg ab, der stetig ansteigend und kurvig über mehrere Kilometer direkt an den Fuß der Berge führte. Ich hätte nicht gedacht, dass man so etwas mit einem Auto fahren kann. Kann man. Schön ist anders.
Die Farm ist wirklich abgelegen. Dort standen, es war noch eine Familie aus Brasilien in einem weiteren Wagen gekommen, unsere Pferde schon bereit. Es war ein Paar aus Florida und eine Rumänin dabei.
Die Hunde hielten noch Siesta, die Hühner wuselten durch alles durch, die Kinder der Familie freuten sich, weil zahlende Gäste immer Kekse und Limonade bedeuteten und sie sich ebenfalls schadlos halten konnten.
Die herzliche Mutter und Chefin Stella sprach sehr gut Englisch und berichtete stolz von ihrer angehenden Truthahnzucht. Sind das hässliche Vögel! Ich habe zum ersten Mal welche gesehen.
Diese kleine Farm liegt auf 1.600 Metern.
Sie erklärte die Strecke (wir nahmen die schwierigste der drei möglichen Optionen), fragte, ob wir Helme wollten, was ich, zunächst als einzige, bejahte.
Reiten ist eine durchaus gefährliche Sache. Ich fahre ja auch nicht Motorrad ohne Helm, wieso also in extrem unwegsamem Gelände auf dem Rücken eines Tiers, das so dermaßen schreckhaft ist, auch Fehler machen kann und dass ich nicht kenne?
Es schlossen sich alle an.
Das war, so zeigte sich, auch wegen der brezelnden Sonne eine sehr gute Idee.
Wir ritten los, begleitet von einem jüngeren Hund (die Senioren verlängerten ihr Nickerchen) und vorweg und hinten je ein Gaucho, Juan und den Namen des anderen, älteren weiß ich nicht.
Der Mann trug tatsächlich klirrende Sporen. Für mich hieß er Bilbo.
Das war kein Ausritt, sondern Pferde-Trekking.
Es ging über Sand, Steine und Geröll immer bergan, allerdings so moderat, dass es erst beim Zurückblicken auffiel, dass wir viele Höhenmeter zurücklegten. Und natürlich, weil jemand anderes den anstrengenden Teil übernahm.
Insgesamt waren wir gute drei Stunden unterwegs, die letzten 100 Meter waren sehr steil, auch zu Fuß wäre das so gewesen, und sehr sandig.
Der Pfad war so schmal, dass ich nicht hätte absteigen können.
Eine US-Amerikanerin fing an zu weinen aus Panik und kraxelte schließlich auf zwei Beinen hoch (und auch wieder runter), der Rest vertraute auf die Pferde.
Wir wurden mit einer unglaublichen Aussicht belohnt.
Wir verbrachten dort oben auf 2.100m (ich habe dazu drei verschiedene Zahlen gehört bis 2.400m-keine Ahnung, was nun stimmt) eine halbe Stunde.
Vor dem Abstieg hatte ich dann auch Respekt, die Pferde schlitterten in dem Sand und auf den Steinen teilweise den sehr steilen Hang hinunter und tasteten nach Halt, das brasilianische Mädchen weinte vor Angst, ihr Pferd wollte nicht weiter an einer Stelle und wir standen alle ein wenig unbequem und konnten nicht vor oder zurück oder absteigen, weil es so schmal und an den Seiten abschüssig war.
Aber alles wurde gut, wie ja fast immer.
Bilbo lief bedächtig zurück und zerrte das Tier den Hang runter, wir kamen wohlbehalten und erledigt zurück auf die Farm, wo ein gedeckter Tisch, aufgedrehte Kinder und ein schmackhaftes Asado mit leckerer Limonade und sehr gutem Rotwein in rustikalem Rahmen auf uns warteten.
Der Fahrer hatte die ganze Zeit gewartet und setzte uns nacheinander wieder in Mendoza ab, da war es dann gegen 22:00.
Insgesamt ein tolles Erlebnis mit einem schönen Schuss Adrenalin beim „Abstieg“.
Durch die Kinder war es an vielen Stellen sehr langsam und dadurch auch mal etwas langweiliger. Nichtsdestotrotz, es war sehr schön und ich kann es nur empfehlen. Kosten komplett 103€.
Mittwoch, 15.10.
Der Tag der Weintour. Der Vormittag ging leider durch den nicht funktionierenden Boiler in der Wohnung drauf, so kam ich nicht zur Markthalle, die am anderen Ende der Stadt ist. Aber ich besorgte mir noch frische Salatzutaten und 1,5Kg Orangen für 0,85€, die im Kühlschrank lagern und für die morgige Fahrt gepresst werden 😋
Ich habe durch das ungesunde Zeug, das viele Gebäck und das viele tote Brot aus Weißmehl unangenehm zugenommen, da muss ich jetzt mal wieder gegensteuern.
Ich finde Kuchen zum Frühstück nach wie vor eine bescheuerte Idee.
Wie gestern hatte ich die Abholung vereinbart, zu 14:00 Uhr, das klappte wieder wunderbar mit Benachrichtigung über WhatsApp kurz vorher.
In Argentinien wird alles über WhatsApp geregelt, Buchungen bestätigt und Kommunikation dazu, mit fast allen bislang.
Wir waren eine Gruppe von 18 Leuten in einem nagelneuen Kleinbus, sehr übersichtlich. An den Stopps gab es dann immer eine englische und spanische Führung.
Zuerst besuchten wir die Bodega Cecchi, altmodisches Flair, sehr schön. Ein kurzer Rundgang, der zweite Betrieb im Land, der Bio-zertifiziert wurde.
Wir bekamen fünf Weine zum Probieren.
Ich trank immer einen Schluck, schüttete den Rest weg und spülte mit Wasser nach.
Die meisten tranken alles. Es wurde nicht unbedingt geizig ausgeschenkt. Ich hätte nach der zweiten Station raus getragen werden müssen, aber bemerkenswert viele Menschen sind erstaunlich trinkfest.
Von dort ging es weiter zum Weingut Vistandes, das cleane, moderne Kontrastprogramm.
Wir verkosteten vier Weine.
Es gibt in Argentinien eine einzige heimische Traube, die Torrontés, aus der, zumeist als Spätlese, Weißwein und Spumante produziert werden. Mir zu süß.
Auch wenn die Frau am unterkühltesten war hier, haben wir viel erfahren.
Die erste Fermentation in Stahltanks von Weisswein und Rosé dauert 7-10 Tage, die von Rotwein 20.
Die zweite Fermentation von Rotwein findet in Betontanks statt, sie dauert maximal vier Monate. Dann kommt der Wein (ggf.) in Barriquefässer aus französischer oder amerikanischer Eiche. Bis zu 20 Jahre bleibt er darin. Wenn es weniger als ein Jahr ist, heißt er „Reserva“, ist er länger darin, „Gran Reserva“. Aus dem Fass dann wird er in Flaschen abgefüllt.
Von dort fuhren wir zur Olivenölfabrik Centenario (mittlerweile aber, seit der Namensgebung, sind es 150 Jahre alte Bäume).
Wir probierten uns durch fünf Öle, Oliven und kleine Brotstückchen mit verschiedenen Aufstrichen aus Oliven, Tomaten oder Auberginen.
8kg Oliven ergeben 1l Öl.
Mir schmeckte das grüne Gold aus der gelb etikettierten Flasche am besten, aus der Farga Olive. Das gab es im Verkauf noch unfiltriert, was ich am liebsten mag und somit reisen zwei kleine Flaschen mit mir weiter und nach Berlin.
Ich fand es eher teuer (cash bekam ich 10% Rabatt), aber vergleichbar mit den Preisen bei uns für sehr gutes Öl.
Und ich kenne die Bäume ja nun persönlich😎
Unser letzter Stopp war eine Mischung aus Bodega und Weinmuseum, nett.
Drei Weine wurden uns hier kredenzt, auch ein süßer Malbec als Spätlese, das ist einfach nicht mein Fall, aber als winziger Schluck durchaus interessant und auch ganz lecker.
Das Preis Leistungs-Verhältnis dieser ganzen Unternehmung fand ich erstaunlich gut. Ich habe 31€ bezahlt für die 5,5h.
Das waren erlebnisreiche zweieinhalb Tage in Mendoza.
Mein Wunschzettel für Argentinien ist nun abgehakt. Ich muss noch die gut tausend Kilometer nach Buenos Aires zurück fahren, dafür habe ich (das war mein Puffer) noch sechs Tage Zeit, die ich verdaddeln kann.
Morgen geht es weiter nach Villa Mercedes, nun wieder nach Osten. Von der RN40 verabschiede ich mich hier, nun geht es weiter auf der 7.
In Buenos Aires beginnt dann der zweite Teil der Reise, nachdem ich das Auto abgegeben habe 🤩
- Charlotte Tina

- 12. Okt. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Dez. 2025
Donnerstag, 9.10.
Entspannt machte ich mich auf den Weg und fuhr zunächst die Halbinsel ab, die den Llao Llao Nationalpark beheimatet.
Das Wetter war nicht so toll, aber meistens trocken, also alles gut.
Bariloche sieht nach einer sehr hübschen Stadt aus, aber der Verkehr war mir zu heftig und deshalb fuhr ich direkt zur RN40.
Eine tolle Strecke über 200Km nach San Martín de Los Andes, die Ruta de los Siete Lagos, die Route der sieben Seen.
Kurvenreich, viel auf und ab, abwechslungsreich, wunderbare Landschaft, tolle Aussichtspunkte.
Hat Spaß gemacht, das zu fahren.
Und man kann alle 2 Minuten aussteigen, um den Blick zu genießen und ein Foto zu machen. Ich habe 6,5h gebraucht.
San Martin de los Andes liegt auf 630m Höhe am Lago Lácar, einem Gletschersee. Ort und See sind eingerahmt von den Anden. Malerisch.
In San Martin musste ich steil bergauf über eine eher schmale Schotterstraße zur Unterkunft.
Das Zimmer war sehr schön, der Blick großartig, leider stimmten die Angaben bei booking nicht, von wegen Gemeinschaftsküche, Herd usw., das gab es nicht. Hätte ich so nicht gebucht.
Also Brot und Salami und Käse aus dem Vorrat, auch gut. Das Restaurant war mir zu teuer (zB 10,80€ für ein Stück Kuchen???!):
Allerdings hatte ich mich sehr auf zwei Tage Ruhe gefreut, lecker und gesund kochen, Beine hoch. Das fiel nun ins Wasser.
Auf der Strecke war ich in einem Supermarkt und habe mal die Kamera, ohne Makel besonders zu fokussieren, aufs Gemüse gehalten. Das ist ziemlich normal (im Supermarkt):
Es gibt aber auch Obst- und Gemüseläden (mit besserer Qualität), wie bei uns früher.
Hier gibt es auch (noch) Haushaltswarenläden, Eisenwarenhandlungen, Bäckereien, Patisserien, Kurzwarenläden (in Esquel war so ein unfassbar schöner, altmodischer Laden mit unendlichen Metern Vitrinen/Tresen aus dunklem Holz und Glas, so etwas kannte ich nur aus Filmen; war mir zu peinlich, da wie wild zu fotografieren), all die spezialisierten Geschäfte, die bei uns leider ausgestorben sind.
Ich drücke mir da die Nase oft am Schaufenster platt oder husche hinein, starre verzückt und streiche verstohlen mit den Fingerspitzen über die Oberflächen, um so viel wie möglich von der Atmosphäre aufzunehmen.
Da stehen dann gut und gerne drei, vier oder fünf VerkäuferInnen hinter dem Tresen und sind mit geheimnisvollen Dingen beschäftigt, notieren etwas in großen Kladden, die aussehen wie Kontorbücher.
Die Kunden, die bedient werden, erhalten die volle Aufmerksamkeit und Zeit, die es braucht.
Man hört die Zeit langsamer ticken.
In Esquel war ich auch in einem Laden, der Herde, Backöfen und Grills verkaufte. Ein Traum. Daneben Rasenmäher 🤣
Freitag. 10.10.
Es gab immerhin den Versuch eines Sauerteigbrotes zum Frühstück, keine Butter aber die allgegenwärtige Käsecreme und, ebenso allgegenwärtig, Schinken und Käse.
Oh, und Omelette. Gefüllt mit Schinken und Käse. Und natürlich Kuchen ohne Ende. Die Croissants waren erstmals ausgezeichnet.
Ich schlitterte mit dem Toyota runter nach San Martin und schlenderte durch die Straßen. Kühe liefen über ein Krankenhausgelände.
Nett, aber sehr touristisch und teuer.
Ich fand den Stanley Reisebecher, den ich zu Hause habe, allerdings eine Nummer größer und fragte nach dem Preis. 117.000 Pesos, also 70€ 😳 Der kostet bei uns etwa 40€.
Das liegt daran, erfuhr ich, dass auf eingeführte ausländische Produkte 70% Steuer erhoben werden.
Dann betrat ich die Touristeninformation. Ich wollte mich nach meinem potentiellen neuen Hobby erkundigen, dem Wandern, ich muss ja üben.
Eine Karte gab es nicht, aber ich könne rechts von der Bucht einen Wanderweg hochgehen, nach drei Kilometern käme ich an eine Hütte, wo ich 5.000 Pesos zahlen müsste, 50m weiter wäre dann der Aussichtspunkt, so die graue Maus hinter der großflächigen Glasscheibe und den großen, altmodischen, spiegelnden Brillengläsern, die wegen der großflächigen Glasscheibe kaum zu verstehen war und auch mich kaum verstand.
Bin ich die einzige, die sich bei so einer Ansage verscheissert fühlt?
Alternativ, schlug sie vor, könne ich den Weg am Wasser entlang gehen.
Ich wandte ein, da sei doch nur die RN40 und kein Fußweg, kein breiter Seitenstreifen?
Ja, 4Km die Straße entlang, genau.
Ich beschloss, dieses Thema zu vertagen.
Im Supermarkt erstand ich Äpfel und eine Gurke als Snack für die Fahrt morgen und eine Quiche mit Hähnchen, die unerwartet lecker war, richtig gut.
Dann rumpelte ich im Staub zurück auf den Berg.
Einen Kaffee und ein Stück Quiche später: 🐝 🐝 🐝
Meine Übungsstrecke führte mich die staubige Straße weiter nach oben. Die Aussicht wurde immer besser.
Ich buchte ein Hotel für den nächsten Tag, keine Auswahl mal wieder, und genoss auf der Bank den Blick bei schwindender Sonne.
Samstag, 11.10.
Ein verrückter Tag. 480Km. Fast direkt nach San Martín begann wieder Steppe und auch Wüste. Über fast all die Kilometer. Neben, vor und/oder hinter mir fast immer Berge.
Da ich in den Anden bin, wollte ich natürlich einen Andenkondor sehen.
Am Gletscher Perito Moreno flog ein sehr großer Vogel, die Norweger meinten, das sei einer gewesen. Hm.
Auf meiner Strecke war ein Kondorausguck, da wollte ich hin:
Interessant, sogar mal auf Englisch, kein Kondor. Nur ein kleiner, verkleideter.
Also weiter.
Und dann schwebten den restlichen Tag immer wieder Kondore über mir und ich war immer zu spät mit der Kamera. Das ist halt ein Problem wenn man allein fährt, keinen Seitenstreifen hat und nach oben starren will.
Suchbild:
Da es doch eine Menge waren bin ich zuversichtlich, noch bessere Fotos liefern zu können.
Heute lief Fischer-Z, die habe ich seit vermutlich 30 Jahren oder länger nicht mehr gehört. Einige Songs sind aber einfach klasse.
Kurze Zeit später tauchte ein kleiner See auf mit hellblauer Wasseroberfläche und es sah aus, als seien an den Gewässerrändern dicke Salzkrusten. Und inmitten dieser ohnehin schon unwirklichen Farben in dieser Steppe standen haufenweise grellrosane Flamingos.
Das war ein wirklich schrilles Bild und leider!!! wieder zu weit weg für iPhone. Seufz.
Schon in den ersten Tagen des Roadtrips fielen mir die vielen, vielen Plastikflaschen mit gelber Flüssigkeit an den Straßenrändern auf.
Es hat tatsächlich etwa zwei Tage gebraucht, bis es geklickt hat… Was denken die Typen sich dabei? Die werden buchstäblich ewig dort liegen und es werden täglich mehr🤢
Dann begann der schlimme Teil des Tages. Ich fuhr vor mich hin, vielleicht 40-50Km seit der letzten menschlichen Behausung, da lief im Schotterbankett ein junger großer schwarzer Hund. Ich fuhr langsamer und wunderte mich. Nach ein paar Kilometern dachte ich, bis zur nächsten Behausung sind es auch über 30Km, die Sonne knallte, es gab weit und breit kein Wasser, das würde er nicht überleben.
Also wendete ich, stellte Wasser und Tupperschüssel bereit, kramte nach dem Rest Quiche. Ich sah ihn bald und hielt an.
Er schaute gehetzt und verängstigt und bevor ich etwas sagen konnte raste er davon in die Wildnis.
Ich rief, keine Reaktion.
Dann fand ich ihn wieder, er sah mich und nahm wieder Reißaus. Das arme Tier.
Ich hatte keine Chance, ihm zu helfen. Das wird mich, ich weiß es, ebenso verfolgen wie das todkranke, verhungernde Katzenbaby in Chefchaouen in Marokko.
Extrem bedrückt kam ich in Chos Malal an.
Ich hatte mir nichts erwartet als eine Übernachtung auf dem Weg im üblichen Barackencharme an sandiger Straße, der Ort ist aber wirklich sehr schön, von beeindruckender Landschaft umgeben, entspannte, freundliche Menschen, auch viele junge, die alle miteinander sprachen, auf der Straße, in Geschäften, in Cafés, den Parks.
Obwohl der Ort klein ist wirkt er sehr lebendig.
Das vermittelte den Eindruck einer hohen Lebensqualität.
Nette Geschäfte, Märkte, Restaurants, Grünflächen, Straßen. Sehr hübsch und gepflegt.
Wenn Häuser verputzt oder gestrichen sind sieht es so viel schöner aus.
Am Fluss gab es ein kostenloses und gut frequentiertes Kinderkarussell mit viel Gelächter.
Auch das Hotel ist, entgegen vielen Rezensionen, sehr nett und sauber und hat einen sehr schönen Garten.
Ich hatte den Eindruck, dass sich nicht viele Ausländer hierher verirren.
Eine junge Verkäuferin in einem Bekleidungsladen (ich brauche ein TShirt und finde keins) kicherte einfach nur ununterbrochen ganz aufgelöst, da war eine ziemlich große, anrührende Unsicherheit.
Etwas in der Art passierte mir noch zwei mal auf wenigen Metern, erstaunlich.
Ich machte einen langen Spaziergang, lernte einige Hunde kennen und dachte, ich kann zumindest ein paar von den armen Mäusen mal etwas glücklicher machen, besser als gar nichts und kaufte eine Tüte Futter, die im Fußraum auf Bedürftige wartet.
Am Fluss tauchte ein Hügel auf mit dem Torre Chos Malal darauf. Das nun aktivierte Wander-Gen schnaubte ganz aufgeregt, Hopphopp, rauf da!
Also krabbelte ich folgsam den steilen, sandigen Abhang hinauf um festzustellen, dass auf der anderen Seite eine schöne Behindertenrampe mit ausgesprochen moderater Steigung einen bequemeren Zugang ermöglicht hätte.
Aber das wäre ja langweilig, sagte das frisch erwachte Gen. Richtig. Total langweilig.
- Charlotte Tina

- 9. Okt. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Nov. 2025
Sonntag, 5.10.
Es arbeitete in mir. Ich war ja den „falschen" Trail gelaufen, auch wenn der mir sehr gut gefallen hatte. Ich gebe so ungern auf bzw. lasse Dinge unerledigt, das ist nicht meins.
Ich beschloss also, früh aufzustehen und den Weg zum zumindest ersten Aussichtspunkt des Cerro Torre zu gehen; und den Einstieg machte ich kostenlos dort, wo der Weg früher begann, bevor sie angefangen haben, die argentinische Wirtschaft durch Verarsche von Touristen in Gang setzen zu wollen. Geheimtip meines Vermieters.
Um 8:00 und bei -5° zockelte ich los, die Pfützen und Bächlein waren gefroren, kein Mensch war unterwegs, die Sonne schien.
Ein herrlicher Morgen.
Ich fand den Weg noch schöner als den des Vortages, aber mindestens so anstrengend. Man muss über Felsen und große Steine krabbeln, Wurzeln übersteigen und Überflutungen umschiffen.
Nach vier Kilometern/1,5h erreichte ich mein Ziel. Tolle Aussicht.
An dem Punkt hatte ich Blut geleckt und wäre gern weiter gelaufen, aber: es sollte am späteren Mittag zuziehen und regnen (auch die nächsten Tage), dafür war ich nicht angezogen.
Ich hatte nur einen halben Liter Wasser dabei, einen Apfel und eine Handvoll Nüsse. Wenig für 8h wandern.
Ansonsten hätte ich es gemacht und doch noch eine Nacht dort verbracht.
Ich ging zum Bäcker, holte mir eine Empanada und fuhr los nach Gobernador Gregores.
Würde ich die letzten Tage neu planen können, würde ich nur eine Nacht in El Calafate verbringen, reicht völlig.
Gletscher anschauen und dann direkt nach El Chaltén, dort drei oder auch vier Nächte und wandern, auch die lange Strecke.
Aber los.
Die ersten 200Km lief alles prima, dann begann plötzlich eine Schotterpiste.
Nach 30Km hatte ich jegliche Hoffnung auf ein Leben ohne Rütteln aufgegeben.
Die nächsten 45Km gaben mir recht.
Es gibt so unterschiedliche Arten von Schotter, Kies, sandigem Geröll, man glaubt es kaum bevor man nicht das Vergnügen hat, all diese Untergründe zu befahren.
So wie die Schotten die meisten Wörter für Schnee haben, haben die Argentinier vermutlich die meisten für Schotter.
Meine Zähne sitzen nun spürbar lockerer.
Der Soundtrack dazu: Brazil.
Gobernador Gregores ist ein Beispiel für schwierige Routenplanung. Es gibt 300Km davor und danach nichts. Nichts!
Ich wollte nicht nach 3h wandern noch 600Km fahren, will ich sowieso nicht.
Und es gibt auch in diesem Ort keine einzige schöne Unterkunft, auch nicht für Geld.
Also buchte ich über Check24 das Zimmer über Silvanas Carport.
Als ich dort war, verhandelten wir neu, ich fand 20€ dafür eine Menge, wir einigten uns auf 15€. Immer noch zu viel. Cash natürlich.
Ich war ihre erste Mieterin. Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass jemand gebucht hatte und starrte mich völlig verständnislos an, als ich klopfte.
Ich nutze den Nachmittag/Abend für eine grobe Planung der nächsten Tage bzw.
Wochen, um zu schauen, wie viele Tage ich auch mal länger verbringen kann und wann ich wo sein muss, um rechtzeitig wieder in Buenos Aires anzukommen.
Und was noch auf dem Weg attraktiv ist und auf meinem Wunschzettel steht.
Montag, 6.10.
Um 7:30 war ich unterwegs. 480 langweilige Kilometer, eine wirklich schlechte Straße mit Kratern, zwischen denen man den Asphalt suchen musste, ermüdend.
Dann kam ich in Rio Mayo an, ein wenig ansprechender Flecken.
Das Hotel war noch schlimmer.
Ich war der einzige Gast, der zuständige Typ führte mich vollkommen gelangweilt und desinteressiert zu einem unangenehm riechenden fensterlosen Zimmer mit Stahltür. Knast.
Ich habe sofort keine Luft mehr bekommen, entsetzlich.
Der Typ sprach nur spanisch, das Wifi ging nicht, ich machte ihm klar, dass ich dort nicht schlafen würde. Dass ich da nicht mal reingehen würde.
Der ganze Laden war schrecklich. Abgerockt, kalt, ungemütlich, ungepflegt, fleckig, es roch eklig.
Das war auch nicht, wofür ich bezahlt hatte (30€), das Werbebild und die Realität klafften in einem nicht mehr greifbaren Maße auseinander.
Diskussion darüber, sie wollten mehr Geld.
Ich dachte, „ihr müsstet mich bezahlen dafür, dass ich nicht die Rezension schreibe, die ich schreiben werde". Und die ich schrieb.
Granit also von meiner Seite, ich war schon ordentlich angepisst. Ich bekam ein anderes Zimmer. Von entsetzlich zu ganz schrecklich, immerhin.
Dann musste ich sofort da raus und fand, unglaublich insbesondere zu der Uhrzeit (14:30), ein offenes Restaurant mit einer netten Bedienung und einer Mieze.
Ich fragte, soll ich besser Zitronenhähnchen mit spanischen Kartoffeln oder Hähnchen Supreme mit Kartoffelpüree nehmen?
Supreme war die Empfehlung 🤢
Wenn ich solches Essen sehe, spüre ich unmittelbar sämtliche Symptome von Skorbut, meine Zähne sitzen gleich noch lockerer, Zitronenschnitz hin oder her.
Frittiertes 😝 Ungesalzenes, fast kaltes Pü.
Das Essen in diesem Land schmeckt mir bisher nicht besonders.
Das Lamm in Puerto Madryn war gut.
Und das Steak, das ich mir gegrillt habe.
Aber ansonsten... das Gebäck schmeckt fast immer nach Margarine, sie würzen kaum oder gar nicht, es gibt so wenig Obst und Gemüse/Salat, frisches Essen.
Ich finde keine Chilies, nichts Scharfes, Knoblauch gibt es nur den schon etwas zu trockenen, es war noch nirgendwo eine Limette zu erspähen.
Das getrocknete Chilipulver kann man auch pur löffeln, schmeckt nach nüscht.
Ich habe zwei „pikante" Saucen gekauft-die schmecken fast nur nach Essig.
Das Obst und Gemüse im Supermarkt hat keine gute Qualität, die Auswahl ist meistens überschaubar, sehr oft findet sich Schimmel.
Die Tomaten sind immer wässrig, gammelig, unreif, neutral.
Von sechs Äpfeln hat einer geschmeckt, es gibt zwei Sorten, rot und grün. Mit Birnen kann man Glück haben.
Die Avocados sind sehr gut!
Vieles ist teuer, teurer als bei uns.
Das Brot ist immer pappig.
Joghurt, ich habe bestimmt bald alle Sorten durch, ist immer schleimig und immer zumindest leicht gesüßt.
Kekse haben einen komischen Beigeschmack, Eis ebenfalls.
Nur die Milch ist super.
Käse schmecken fast alle gleich. Ich hatte Provolone, einen Gouda, eine Art Mozzarella, alles der gleiche neutrale Gummi.
Der französische Camembert von Carrefour war klasse, aber das zählt ja nicht.
Empanadas, ich traue mich kaum, das zu schreiben, sind einfach langweilig. Der Teig hat keinen Geschmack, die Füllungen sind Rinderhack, Huhn oder Schinken und Käse. In der Regel ebenfalls geschmacksarm.
Die Salamis (Fuet) waren okay, aber nicht besonders gut. Es gibt übrigens auch Guanako-Salami. Die muss man ja nur von den Zäunen pflücken.
Nach dem „Supreme“ lief ich eine Stunde fast alle Straßen ab. In einem Schreibwarenladen/Schuhgeschäft/Bekleidungsshop/Gemischtwarenladen auf 50qm war auch ein Western Union, da besorgte ich dringend nötiges Bargeld. 100€/ 177.400ARS, die ich kaum in meine Tasche bekam, weil sie mir 177 Scheine zu 1.000ARS gegeben hatte.
Dann saß ich zwei Stunden im Auto vor dem Hotel, habe meine nächsten drei Stationen/vier Tage weiter geplant und teilweise gebucht.
Scheibenwischwasser aufgefüllt. Gechattet über WhatsApp. Schokolade gegessen und Weintrauben.
Alles, um nur nicht in dieses Zimmer zu müssen.
Dienstag, 7.10.
Kurz hinter dem Ort begann die bis dahin schlimmste Strecke. Das, was von der Straße übrig war, war nicht befahrbar.
Hab ich noch nicht gesehen, so etwas.
Jetzt weiß ich was die Leute hier meinen, wenn sie vor der RN40 warnen.
Die LKWs und Autos fuhren auf einer schmalen, miesen Schotterpiste an der Seite, dort kam man immerhin etwas voran.
Ich brauchte für 50Km etwa 2,5h, das war sehr anstrengend.
Und ich fahre nicht zimperlich oder ängstlich, ich habe auch andere überholt.
Ich war wirklich abgegessen, frustriert und deprimiert.
Dann kam ich in einen Ort, der eine Tankstelle hatte. Der Tankwart war entzückend, ein netter Hund schnupperte ein freundliches Hallo.
Ich ging rein, es begrüßte mich eine orangene Mieze.
Hinter dem Tresen eine Espressomaschine. So etwas habe ich seit Ushuaia und davor Buenos Aires nicht mehr gesehen.
Die Tanke war auch ein kleiner Supermarkt mit Produkten aus der Region und es kamen immer wieder Leute rein, kauften eine Kleinigkeit, schwätzten nett, lächelten und gingen wieder.
Und dann noch die sympathisch lächelnde Frau, die bediente.
Ich beschloss, etwas zu bleiben. Es gab ein Leben jenseits staubiger Schotterpisten in der Wüste, abstoßender Unterkünfte und tot über dem Zaun hängender Guanakos, da wollte ich wieder rein.
Es gab einen Milchkaffee für mich, Mieze sprang sofort auf meinen Schoß und war dermaßen ausgehungert nach Zuneigung, sie kroch fast in mich rein, wir haben uns gesucht und gefunden
Danach sah ich aus wie ein Flokati, aber wie ein weitaus zufriedenerer Flokati als beim Betreten des Ladens, und bekam Klebeband, um die halbe Mieze zu entfernen von Jacke und Hose.
Von diesem Punkt an wurde der Tag deutlich besser. Die Landschaft wurde schön, es gab wieder Wasser und Bäume, es klarte auf, die Sonne kam raus.
Dazu gab es das Album 12 Golden Country
Greats von Ween.
Gene und Dean Ween haben zehn Studio-Alben produziert, von denen ich dieses und Chocolate&Cheese am besten finde.
Klasse Musik, super schräge Texte, leider haben sie sich getrennt.
Als fiktive Brüder haben sie sich an verschiedenen Musikrichtungen mit bekannten Musikern des jeweiligen Genres abgearbeitet, ziemlich gelungen, finde ich.
In einem kleinen See sah ich plötzlich viele pinkfarbene Flamingos stehen. Leider für die Handykamera zu weit weg:
Über die Straße trippelte eilig ein kleines Gürteltier, kannte ich bislang nur von Fotos.
In den letzten Tagen gab es immer wieder Abschnitte, auf denen mir über 100Km niemand begegnet ist, kein Auto, kein Mensch.
Nur leere Weite.
Außerdem sind mehrere wilde Strauße wie aufgeregte Hühner kopflos hysterisch im Zickzack über die Straße getänzelt, es war zum Piepen. Einen habe ich erwischt, leider auch wieder etwas unscharf:
Ich sehe hier auch viele Gauchos in ihrer typischen Kleidung samt großer Baskenmütze über die Steppe reiten, fast immer umgeben von einer Meute Hunde.
Es reiht sich eine Estancia an die nächste, die Grundstücksflächen müssen gigantisch sein.
Nach gut 400Km kam ich gegen 15:30 in Esquel an.
Die Stadt ist nicht nur hübsch, sondern auch sehr schön gelegen, umgeben von Bergen ohne bedrückend zu wirken.
Ich fuhr eine sehr enge und steile Straße an einem Hang hoch, um mir das aus einer anderen Perspektive anzuschauen und kam kaum wieder zurück.
Es gab keine Möglichkeit, zu wenden und das war die kniffligste Dreipunktwendung, die ich je gemacht habe. Obwohl , da war noch eine in Irland 🤔
Gottseidank gibt es Servolenkung! Zwischendurch dachte ich, das war's, hier stecke ich endgültig fest.
Aber, mit Geduld und Durchatmen ging es dann natürlich doch.
Sonne, frühlingshafte Brisen, Butterblumen und knospende Bäume. Bürgersteige und Gras. Schön.
Mein Appartement war nett. Ich machte mir zuerst etwas zu essen, hatte bis dahin nur ein paar Kekse, dann duschen und ich war wieder ein Mensch und deutlich besserer Stimmung.
Ich fuhr ins Zentrum, das gab es dort, und es tauchten all die Läden wie von Zauberhand auf, die ich brauchte.
Eine Spezialität von dort sollte Schokolade sein, ich habe ein bisschen probiert und fand sie nicht toll. Okay, eher wie bei uns gute Adventskalenderschoki.
Die Schotterstraßen hatten meinen gesamten Vorrat an Schutzdingsis für die Handykamera durch Abstürze aufgebraucht, alle zersplittert, hier bekam ich ein teures neues.
Ich habe meinen Stanley-Becher zu Hause vergessen und vermisste ihn schmerzlich, besonders an Tagen wie diesem.
Es gab keinen wirklich adäquaten Ersatz, aber in einem Outdoorladen etwas, was dicht ist, ich durfte mit Wasser probieren, und vom Funktionsprinzip und der Größe dem entspricht, was ich wollte. Zudem bezahlbar.
Ich habe es auch noch von 29.400 auf 22.000
(12€) runtergehandelt.
Eigentlich kann man fast alles verhandeln, finde ich raus, auch in Geschäften und bei Dingen, an denen ein Preisschild klebt.
Dann kuschelte ich mich aufs Sofa, guckte, wie es nach der übernächsten Station weitergehen könnte und genoss es, nicht in so einer schauderhaften Umgebung zu sein.
Mittwoch, 8.10.
Heute wurden es nur knappe 300Km, die Landschaft wurde richtig schön, es gab zunehmend Seen, Bäume, grünes Gras und blühende Pflanzen.
Ich sehe deutlich, dass ich mich Richtung Norden wieder in wärmere Gefilde bewege.
Die gut erhaltene Holzhütte, in der Butch Cassidy und Sundance Kid nach ihrer Flucht aus den USA lebten, ließ ich aus.
Auf dem Weg lagen zahlreiche Forellenzuchten und -räuchereien.
Forelle wird hier auch als Dosenfisch verkauft.
In (San Carlos de) Bariloche steuerte ich zunächst die Seilbahn an und gondelte hoch zum Cerro Campanario, für 11€ (20.000ARS. Nach einer Rezension auf Google hat das vor einem Jahr noch 5.000 gekostet).
So einen beeindruckenden, wunderschönen Blick hatte ich selten in meinem Leben.
Meine nächste Unterkunft war nur 5min entfernt, schnell noch in einen Supermarkt und dann Essen gemacht.
Morgen fahre ich die berühmte Route der sieben Seen und bleibe dann mal zwei bis drei Tage an einem Ort.
























































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































