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  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 25. Juli 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Juli 2022

Am Sonntag habe ich mich gemütlich auf den Weg gemacht nach einem Kaffee auf der Terrasse meiner Hütte. Seltsamerweise waren alle Supermärkte zu, weiter südlich war das anders am Sonntag.

Morgens hatte ich nach einer Unterkunft auf halbem Weg geguckt und es gab reichlich. Dann bin ich aber immer weiter gefahren und als ich mittags schaute, gab es im weiteren Umkreis (200Km) vom Nordkap nix mehr unter 200€ außer einem letzten Zimmer (106€) in einem Hotel, 30Km vom Kap entfernt im Ort Honningsvåg. Habe ich kurz entschlossen gebucht und musste dann natürlich auch dort hin. Insgesamt waren es 472Km, ich bin richtig knülle, habe aber dafür wirklich viele Rentiere gesehen, auch ganz nah, und tolle große Regenbögen. Ich will nix hören! Ja, Rentiere und Regenbögen.


Die Landschaft ist karger geworden, felsiger, aber sehr schön. Und überall am Straßenrand Rentiere. Die sind süß, die Schnauzen sehen lustig aus und ganz weich, das Geweih ist überproportioniert für die eher zierlichen Tiere.


Nach dem Tag im Auto musste ich erst mal etwas spazieren und dabei fand ich das Restaurant Nor, wo ich den Fisch des Tages bestellt habe, was, Überraschung, Kabeljau war. War lecker, mit schön bissfest geröstetem Gemüse. 35€ mit Wasser und Cappuccino. Überhaupt schön da und eine sagenhaft nette Bedienung, zufällig aus Finnland und erst seit drei Wochen in Norwegen, die mir Tipps für ihr Heimatland gab, prima. Ist das jetzt so, am Ende des Regenbogens?

Das Zimmer ist sehr schlicht. Na ja, zweckmäßig. 105€ sind trotzdem ein stolzer Preis.

Morgen gibt es mal ein Frühstück im Hotel und dann noch 35Km, bin gespannt.


Tag 23, Montag

Strahlender Sonnenschein ☀️ Stulle geschmiert, Kaffee runter und gegen 8:00 los, um 9:00 war ich da und es war noch recht leer.

Da das Nordkap auf einer Insel liegt, muss man durch einen fast 7Km langen Unterwassertunnel fahren.


5.026Km, sagt mein Tacho, seit ich von Zuhause los bin.

Die Fahrt zum Kap machte schon Spaß, diese Passstraßen sind toll. Ich habe viiiiiele Rentiere gesehen, auch mit Jungen, die sind alle grundentspannt mit Autos.


Und dann an dieser Weltkugel und vor dem tiefen Abgrund zu stehen, vor einem die Barentsee und irgendwo dann Spitzbergen, diese unglaublich klare Luft atmend, das ist schon besonders.

Dieses Ende der Welt mag ich schon mal.


Ich hab Fotos gemacht, bin rumspaziert, war (30€) im unspektakulären Museum mit recht netten Dioramen und einem ziemlich coolen Kino in dem ein stimmungsvoller Zusammenschnitt bewegter Bilder gezeigt wurde.

Eigentlich wollte ich gar nicht weg, aber da es keine Unterkunft gibt 🤷‍♀️



Auf dem Rückweg musste ich baden gehen, eine so schöne Bucht, glasklares Wasser, zu verlockend. Der mürrisch-wortkarge Norweger, der an seinem Boot etwas an den Dollen reparierte, hatte nichts gegen Nacktbaden einzuwenden und als ich ihn nach der Wassertemperatur fragte, presste er „7-8 degree“ raus.



Ich verrate Euch den Trick, wie das schön wird, wenn es so frisch ist: ein Mal schnell, ohne Zögern (und vor allem nicht im kalten Wasser stehen) eintauchen bis zum Kinn. Wieder raus, ins Handtuch wickeln, 2-3 Minuten warten und nun mit Genuss rein. Ausprobieren! Danach ist einem auch nicht kalt, die Haut prickelt und der Körper heizt schon ordentlich.



In einem dieser schrecklichen Tunnel (einer von den engen, dunklen, ohne vernünftige Fahrbahnmarkierung, in denen das Wasser von der Decke tropft und sich Pfützen bilden und die Wände immer näher kommen-ein Albtraum) blinkten plötzlich rote Warnlichter ohne Ende und der Bordcomputer mit ebenfalls viel rotem Licht für die Trottel die nicht begreife, dass das jetzt wirklich eine Warnung ist. Der Bordcomputer behauptete, alle Reifen seien defekt. Ich also in diesem Tunnel, in der Mitte von 4 Kilometer Grusel, 80Km/h schnell und glaube natürlich, dass etwas sein muss. Miaou. Glücklicherweise war niemand hinter mir, ich bin langsam raus, habe aber nichts feststellen können. Am nächsten Parkplatz klärte mich ein netter Tübinger auf, dass die Sensoren manchmal spinnen. Ah ja, klasse. Ich bin zur Tanke, hab den Reifendruck geringfügig korrigiert und weiter, nun wieder auf der E6 Richtung Finnland.

Und dann, ich hatte gerade vor einem 60er-Schild runtergebremst, tauchte eine Polizistin aus dem Gebüsch auf und hielt mich an. Ich war 70 gefahren laut Messung vor dem Schild. Da war aber auch schon 60, muss ich übersehen haben. Das kostet mich 230€. Sind die noch ganz bei Trost?! Wäre ich mit 71 gestoppt worden, hätte ich 450€ zahlen müssen. Dann musste ich noch Röhrchen pusten (erstmals in meinem Leben), natürlich nix.

Das hat mich ziemlich frustriert, ich meine, soooo viel Geld und ich bin diese 5.000Km echt vorschriftsmäßig gefahren und hab aufgepasst.

Zu allem Überfluss fing er wieder an zu schütten. Nase voll. Der Tag hatte doch so fabelhaft begonnen?!


Ich reservierte eine Hütte, noch in Norwegen (67€), da sitze ich jetzt und schmolle mit dem Leben. Bis heute Abend wahrscheinlich, mal sehen. Zum Schmollen gab es eine Erbsensuppe mit Würstchen und eine kleine Packung After Eight danach. Schon besser.


Hier der aktuelle Stand der Reiseroute:



 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 23. Juli 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Juli 2022

Spät ging es los an Tag 20, weil die Webseite wieder zickte. Regen, Nebel, war nicht so schön. Adieu, Lofoten, ihr seid wunderschön, aber etwas besseres Wetter wäre fein gewesen.

Vor Narvik gab es das - unfassbar! - erste Softeis. Ich war im Himmel.

Dann wieder auf die E6 und im meist platternden Regen (ich sah den größten Regenbogen in meinem Leben, auf dem Foto 2. Reihe von unten, rechts , schwer zu erkennen, einfach alles was in der Mitte zart bunt ist) immer weiter bis 17:00, dann gegoogelt und eine Hütte reserviert.

Die liegt landschaftlich wunderschön direkt an einem tollen Fluss, dem Ivgojohka, inmitten der Berge, die Hütte ist sehr schön, aber obwohl der Platz auch noch klein ist, sieht man zu viele Caravane und Wohnwagen vor der tollen Kulisse, schade. Kosten für die Nacht: 74,07€.

Zum Abendessen gab es festfleischigen, grätenfreien, saftigen Fisch, in Butter mit frischen Zwiebeln gebraten.

Es tauchen an den Straßen immer wieder vegekirken auf, Straßenkirchen. Was ist das, so etwas wie Pray-ins?


Ich bin schon losgefahren an Tag 21, da tauchte 30 Meter hinter dem Eingang zum Campingplatz eine schöne Holzbrücke auf. In meiner (oftmals ungesunden) Neugier musste ich da rauf. Wow! Dahinter ist ein Naturschutzgebiet und ein Wanderweg, den vielleicht sogar ich schaffe…. Also umgedreht und die Hütte für eine weitere Nacht gemietet, wieder ausgepackt.

Und das war dann für mich doch kein Schlendern durch den Wald, sondern eine kleine Wanderung von 11-12Km, entlang am reißenden Fluss, gurgelnden Bächen und den Wasserfällen; durch den Wald mit riesigen Pilzen, die Hüte größer als mein Kopf. Wildnis pur! Die neuen Schuhe…. links super, rechts habe ich nach 4Km ein Loch in der Socke gehabt und eine geplatzte Blase. Ich hatte glücklicherweise Sandalen im Rucksack (kenne ja meine Füße) und konnte wechseln, sexy mit kaputten Socken in den Sandalen. Aber ich bin in 3h nur einem Menschen begegnet, also zulässig. Bei einer Tankstelle kaufte ich mein Frokost und genoss es an einem idyllischen Rastplatz am Fluss.





Und bei all diesem schwellenden Wasser und um mich abzulenken von meinem Überlebenskampf (ich weiß nicht, weshalb mein Bruder so tut, als wäre das hier alles ein Spaziergang) kam mir eines meiner Lieblingsgedichte von Goethe in den Sinn, Der Fischer:


Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,

ein Fischer saß daran,

sah nach dem Angel ruhevoll,

kühl bis ans Herz hinan.

Und wie er sitzt und wie er lauscht,

teilt sich die Flut empor;

aus dem bewegten Wasser

rauscht

ein feuchtes Weib hervor.


Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:

Was lockst du meine Brut

mit Menschenwitz und Menschenlist

hinauf in Todesglut?

Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist

so wohlig auf dem Grund,

du stiegst herunter, wie du bist,

und würdest erst gesund.


Labt sich die liebe Sonne nicht,

der Mond sich nicht im Meer?

Kehrt wellenatmend ihr Gesicht

nicht doppelt schöner her?

Lockt dich der tiefe Himmel nicht,

das feuchtverklärte Blau?

Lockt dich dein eigen Angesicht

nicht her in ew'gen Tau?


Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,

netzt' ihm den nackten Fuß;

sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,

wie bei der Liebsten Gruß.

Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;

da war's um ihn geschehn:

Halb zog sie ihn, halb sank er hin

und ward nicht mehr gesehn.


Isses nicht schön?!


Dörthe fragte mich, was ich für Musik höre bei der Fahrt. Nun, häufig keine, weil ich die Landschaft anstarre.

Aber ich habe gute 100GB dabei und einige olle Kamellen rausgekramt, Musik, die ich teils seit Jahren nicht mehr gehört habe: Cat Stevens (Soundtrack von Harold and Maude), Beatles, T.Rex, CCR, Curtis Mayfield, US3, Annett Louisan, Robbie Williams, Shakira, Ben l'onle soul, Johnny Guitar Watson, Amy Winehouse, Judy Garland, Them Crooked Vultures, Pink, Lady Gaga, Kelis, Adia Victoria, Aloe Blacc, Baden Powell, Buena Vista Social Club, Rocky Horror Picture Show, Gossip, Mattafix, Feist und einige mehr, quer durch den Gemüsegarten.

Ich dachte ich würde, gerade in Norwegen, Edvard Grieg hören und mich tragisch beschwingt fühlen; habe ich aber gar keine Lust drauf.

Kennt Ihr denn eigentlich diese Perle?


Den Nachmittag verbrachte ich mit Wäsche, auf der Terrasse angestrengt in der Sonne lümmeln und dabei diesen Blog fertig zu machen und meine schmerzenden Hüftgelenke zu besänftigen. Und ein Eis gab es auch noch.

Ah, und Dagmar und Donata sind in Berlin beim CSD auf einem Wagen und ganz begeistert, da gucke ich regelmäßig Fotos und Videos 🌈

Noch 500Km bis zum Nordkap.



 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 22. Juli 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Dez. 2022

Hier ist es die ganze Nacht richtig hell, etwa 23h am Tag, ich kann nicht gut schlafen. Die Vorhänge sind immer zu dünn.

Ich dachte ja bislang, Bäcker Hacker im Prenzlberg macht die besten Hefeteilchen. Nun, hier findet er seinen Meister. Mit einem Hauch Zimt, außen zart knusprig, innen extrem luftig, fluffig, trotzdem saftig. Köstlich! Und zudem bildhübsch.

Ich bin bis zum südlichsten Zipfel gefahren, nach Å (heißt wirklich so). Dort ist endlich mal ein Fischladen aufgetaucht, ich habe über hunderte Kilometer Ausschau gehalten. Erstaunlich, weil die Lofoten so reiche Fischgründe haben, aber das ist mittlerweile ein hauptsächlich auf See stattfindender, industrialisierter Prozess.

Auf den Fotos sieht man auf den Holzgestellen tatsächlich recht große Fischköpfe (Skrei/Kabeljau). Eine Spezialität der Lofoten ist Trockenfisch. Für mein Empfinden absolut ekelhaft und ein olfaktorischer Super-Gau. Wenn meine Nase sich übergeben könnte......

Auf dem Weg habe ich in der spektakulär schönen Bucht Rørvik zwei mal gebadet. Das Wasser hatte ca. 12 Grad und war einfach herrlich.

Auf meine Unterkunft war ich sehr gespannt, ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt so viel Geld ausgegeben habe. Und dann das🙄Es ist eine teilweise renovierte alte Fischerhütte im Nusfjord, theoretisch originell. Aus einem Fenster sieht man eine kleine Ecke Meer. Kein Wasser drinnen, draußen ein Hahn. Das aller notwendigste ansonsten. Die Anfahrt eine Katastrophe über eine Schotterstraße mit wassergefüllten Schlaglöchern wie Kraterseen. Der Spaß kostet 160€. Wofür? Um die 250Km heute.





Tag 19 führte mich über ca. 300Km wieder nach Norden, nach Nykesund. In Leknes habe ich angehalten und im Lofotensenteret Trekkinkschuhe erstanden (lucky me! Gore Tex, ein Einzelpaar in 42 im Sale. Auch Schuhe sind seeehr teuer, Normalpreise lagen bei 250-300€, Ich habe 100€ bezahlt mit zusätzlichen Sohlen und Imprägnierung), weil ich ständig im Matsch ausrutsche und das auch für 7 Stunden Schifffahrt sinnvoll fand. Und ein Kissen habe ich gekauft in Vorfreude darauf (ja, wirklich, das ist so bequem) wieder im Auto schlafen zu können.



In einem Trödelladen (Loppis) an der Strecke habe ich zwei schöne Becher für je 1€ erstanden.


Auch Nykesund ist ein altes Fischerdorf, aber deutlich sympathischer und anscheinend betrieben von einer Ansammlung von Einzelpersonen. Ich habe den schönst möglichen Blick vom Bett aus dem Fenster in einem B&B direkt aufs Meer, das unter diesem Fenster auf die Felsen trifft. Super.

Das hier ist Freitagmorgen:

Toll!

Im Café meiner Gastgeberin aß ich eine sehr gute Fischsuppe (18€), dazu gab es ein lokales Bier (9€) und zum Dessert eine köstliche Creme Brulee-Torte (6€).

Die schlechte Nachricht des Tages kam per Mail. Wegen angesagter rauer See wurde die Wal-Tour gecancelt. Es sollen 5Bft werden und das vermutlich auch bis nächste Woche Samstag, also scheint Abwarten keine so gute Idee zu sein. Ich konnte die zweite Nacht hier kostenfrei stornieren und fahre dann morgen weiter Richtung Nordkap. Wie schade.

Ich habe ein Problem mit der Campingbox. Beide Schubladen halten nicht in der Arretierung und krachen bei jedem Anfahren, Bremsen, Bergfahren usw. wahlweise mit Karacho in die Heckklappe oder ihre Rückwand und damit auch meinen Rücken. Die WhatsApp-Ferndiagnose hat nicht geholfen; Marcel hatte zwar einige Ideen, aber da war nix bei. Ich habe eine Anti-Rutschmatte zerschnitten und klemme die jeweils seitlich ein, das geht gut, solange ich keine Lade öffnen will, das ist im Zweifel mit Kraftaufwand verbunden. Lästig. Schade.


Hier der aktuelle Stand meiner Route:





 
 
 
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