- Charlotte Tina

- 21. Mai 2023
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Mai 2023
So wirklich weg wollte ich nicht aus San Francisco, ich suchte mir einen netten Coffee Shop an einer Ecke, setzte mich auf die Stufen (in Japan absolut undenkbar; bin ich froh, da weg zu sein!!!) und schaute Leuten bei ihrem Alltag zu.
Viele Hunde gingen Gassi mit ihren Menschen, Kinder wurden zur Schule gebracht, Schulbusse waren unterwegs, Frauen eilten zum Yoga, schnell ein Kaffee auf dem Weg zur Arbeit. Touristen begannen, auszuströmen. Wie bei uns halt.
Über die Golden Gate Bridge bin ich schließlich raus aus der Stadt gefahren, an Sausalito vorbei, sehr hübsch, sehr gepflegt, sehr viel Kohle.
Zurück auf den Highway 1 und über den Tag kam eine angenehme Entspannung, die Landschaft war wunderschön, das Fahren leicht.
An einer Stelle, an der außer einem Haus mit nicht einsehbarem Hof nichts zu sehen war, standen ungewöhnlich viele Autos. Ich drehte neugierig um, mein Schlemmerradar schlug aus, und es entpuppte sich als Austern-Händler mit kleinem Outdoor-Café. Ich kam nett ins Gespräch mit einer Amerikanerin (Trinkgeld war wieder der Aufhänger.....) und probierte um 11:00 ein halbes Dutzend meiner Lieblingsmuscheln zum Frühstück. Sehr lecker. Mit fein geschnittenen Schalotten und Koriander, die ich aus dem Essig gefischt habe. Super frisch, ich sah ja zu, wie die Morgenernte ausgeladen und gewaschen wurde.
Ich fuhr weit, weil ich nicht 200€ aufwärts für eine Übernachtung zahlen wollte und landete in Mendocino (wo im Juni das dortige Filmfestival stattfindet). Für 108€ hatte ich ein dunkles, muffiges Zimmer ohne Bad, schön war es nicht. Nebenan war eine Kneipe und unter meinem Fenster standen die Raucher. Lautes, betrunkenes Gequatsche und Musik bis spät. Aber das Haus ist von 1872 und diese Tatsache vermittelt ein wenig theoretischen Charme, der ihm, genau wie dem Personal, ansonsten fehlt.
Auf dem Weg habe ich im Supermarkt Brot und Belag gekauft, weil ich an einer Stelle mal sparen wollte. Das bisschen Zeug, Stullen für zwei Tage, hat 33€ gekostet.
Interessant fand ich, dass es hier halbe Flaschen Spirituosen gibt. Ich hab aus Neugier nach Tequila geguckt. Einer, den ich zu Hause schon mal gekauft habe, kostet hier knapp die Hälfte.
Es gab im Supermarkt diese Handpressen, die ich bei uns noch nie gesehen habe. Eine davon reist mit nach Hause. Und da es so kleine Flaschen gab, besorgte ich auch noch Margarita-Zutaten. Sobald ich mal an Eis komme abends, mixe ich mir eine leckere😎
Am Samstag, 20. Mai, zockelte ich sehr langsam weiter und nahm die Mammutbäume ins Visier. Auf dem Weg hielt ich an einem Kaffee/Bäcker Drive Thru und holte mir einen richtig schlechten Kaffee und einen guten Muffin.
Die Natur Kaliforniens ist wirklich sehr schön. Ein erster ernst zu nehmender Rivale für Norwegen, Neuseeland und Irland.
An der Küste hier wachsen diese riesigen und uralten Redwoods. Die Bäume werden, bei einem Durchmesser am Boden von bis zu sieben Metern, bis zu 115m hoch. Wenn man davor steht bzw. durch einen Wald voll fährt kommt es einem ganz unwirklich vor. "Eintritt" zum Baum: 15$.
Alle fuhren durch, aber ich parkte und lief hindurch, ich wollte ihn richtig sehen und anfassen. Und die Spiegel am Mietwagen belassen.
Ich hatte im Souvenirshop Postkarten gekauft, nach Europa braucht es besondere Marken. An der nächsten Post hielt ich, der Tatsache nicht gewahr, dass Samstag war. Eine völlig abgemagerte Frau mit langen grauen, strähnigen Haaren und sehr zerknitterter und nicht optimal gesäuberter Kleidung sprach mich an, ob sie mir helfen könne. Sie entpuppte sich als die Managerin der Filiale und hat mir netterweise am Schließtag geöffnet und welche verkauft. Und ich war so vorurteilsvoll, dass ich misstrauisch war. Wieder mal eine Situation zum schämen. Ein älterer Mann sprach mich an, der gerade seine Post aus seinem Postfach abholte, seine Mutter war Deutsche aus der Nähe von München, sie ist 1938 ausgewandert, er hat aber all sein Deutsch vergessen.
Die Leute hier haben Smalltalk wirklich gut drauf. Es ist immer unverkrampft, ehrlich interessiert, nie zu kurz, um nur ein Spruch, nie zu lang, um lästig zu sein. Sehr freundlich, sehr positiv, ein echter kleiner Austausch. Das macht Spaß.
Dann fuhr ich die Avenue of the Giants. Über viele Kilometer (es waren mindestens 50, aber diese Wälder ziehen sich durch ganz Kalifornien) führt die Straße durch Nationalwälder mit Redwoods. Beeindruckend. Diese Bäume wachsen dort seit bis zu 2.400 Jahren! Unvorstellbar. Ich bin ein Fliegenschiss 🥺
Ihr auch! 😉
In Fortuna checkte ich im Best Western ein. Das bekam ich für 155$, billiger war nichts zu finden. AirBnB ist meist noch teurer.
Es gab keine Unterkunft bislang, in der ich mich wohl gefühlt hätte. Alle dunkel und/oder ungemütlich. Und meistens verwenden sie Raumspray, da könnte ich ja gleich immer erst mal strahlweise....
Aber! sie haben hier einen Eisautomaten. Da ich das in amerikanischen Serien und Filmen immer sehe (und mich frage, wofür man so dringend ständig verfügbar kübelweise Eis benötigt; die Frage ist noch unbeantwortet) dachte ich, die gäbe es überall. Das musste ich gleich probieren, aus diesem Anlass gab es eine winzige Margarita. Ansonsten Blog schreiben und Netflix.
- Charlotte Tina

- 19. Mai 2023
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Aug. 2024
Lausig kalt begann mit 15 Grad und eisigem Wind der Tag in San Francisco. Als erstes machte ich mich auf die Suche nach Kaffee und wurde im Mües Café fündig, wo lauter hippe Menschen mit ihren Apfel-Geräten saßen und sich in dieser Gesellschaft vollauf zu genügen schienen.
Es gibt hier so viele schöne Häuser und die Seeluft tut so gut. Aber leben könnte ich hier nicht, die Steigungen macht meine Hüfte nicht mit.
So gestärkt lief ich zur nächsten Cable Car Station der Powell-Linie und hatte Glück, dass ich einen Platz bekam.
Ich habe die Muni App geladen. Das Tagesticket für alle Verkehrsmittel inkl. Cable Car (da kostet eine Fahrt allein 8€) wird mit nur 13$ in Rechnung gestellt, an Verkaufsständen mit 24$.
Nett, aber in Lissabon und Hongkong war es noch netter, obwohl das hier deutlich mehr Handwerk und Arbeit war.
Am Drehpunkt wanderte ich zu Fuß weiter und als ich müde wurde, suchte ich mir ein Nagelstudio, war dringend nötig. Die Nägel wurden für satte 55$ schön manikürt und in ein saftiges Fuchsia getaucht. Die Dame neben mir wollte Natur, hat sich aber, als sie meine fröhliche Farbe sah, ebenfalls dafür entschieden.
Ich wollte mit Karte bezahlen, sollte es aber in bar tun wegen des Tips. So selbstverständlich hat es bislang noch niemand eingefordert. Meine Karte funktionierte dann seltsamerweise auch wieder nicht. Wie schon in Japan; wenn ich bar zahlen sollte, wurde die Karte nicht vom System akzeptiert, was für ein Zufall.
Ich nahm einen Bus und stieg in Chinatown aus, wo es vier miese Gyoza zum Frühstück gab. Auch sonst konnte mich das Viertel nicht begeistern.
Ich hatte mir zwei "gute" Second Hand Läden rausgesucht, weil ich annahm, in San Francisco müsse es einfach etwas Schönes und Ausgefallenes geben. Ich brauche ja Abendkleidung. Also weiter mit dem Bus.
War aber nicht so. Kleine Größen und Pilling für sehr viel Geld. Im Laden aber eine nette Bekanntschaft:
Ich fragte rum, mir wurden Kaufhäuser empfohlen. Also Richtung Nordstrom mit dem Bus und plötzlich war ich im "falschen" Viertel.
Massenhaft Menschen, die auf der Straße leben; so viele, die schlimm aussahen und rochen, plötzlich und unerwartet war ich umgeben von krasser Armut mitten in der Stadt.
Und 5min später sah ich ein hinreißendes Abendkleid mit plissiertem langem Unterteil in changierendem Grau mit Schimmer in Petrol und trägerlosem Oberteil in Anthrazit. Größte Größe war 42. Es war so schön, ich fand die 258$ dafür eher günstig.
Ich sprach eine ebenfalls üppigere Verkäuferin an, wo man denn Übergrößen bekäme und dass ich in einem Land mit 50% adipöser Bevölkerung angenommen hätte, dass ich mal leicht etwas finden würde. Es ist wie bei uns, die shoppen alle online. Immerhin gibt es schönere Sachen als bei uns. Sie empfahl mir H&M.
Im Sale erstand ich für je unter 10$ ein Kleid, in dem ich schlimm aussehe, das mir aber den Zutritt zum Restaurant sichern wird. Zur Not kann ich es irgendwo liegen lassen für den Preis. Dann ein Oberteil für einen noch zu erstehenden Rock oder eine Hose und eine sehr lange schwarze Leinenbluse, die ich einfach gut finde.
Danach war ich sehr, sehr frustriert. Weil ich schon mein ganzes Leben mit den Kilos kämpfe, weil ich seit Corona ein Höchstgewicht habe, von dem ich einfach nicht runter komme. Weil das für meine Malaisen natürlich grundfalsch ist, so viel Gewicht zu haben. Weil ich mich mies damit fühle. Weil mir Bewegung (und ich liebe Bewegung) so viel schwerer fällt.
Sehr frustriert, sag ich doch.
Bei Nordstrom Rack, dem Outlet, schlug ich zu und kaufte drei Shirts, einen Pulli, Haargummis, Lippenpflege.
Dann fuhr ich wieder nach Fishermans Wharf und aß im Fog Harbor Fish Restaurant, dem Fischrestaurant in San Francisco, eine Meeresfrüchteplatte. Köstlich! Auch wenn mir unklar war, wofür das Ketchup mit dem Klecks Meereettich darin bei den Austern war. Die hausgemachte Limonade war zum reinlegen.
Nachdem diese üppige Angelegenheit getötet war ging es weiter zu Ben&Jerrys, die hier ja zu Hause sind, und kippte noch einen Hot Fudge Sundae drauf.
Und dann kam ich wieder zu mir.
Es werfe diejenige den ersten Stein, die das in individueller Variation nicht kennt.
Hatte ich seit Berlin nicht mehr. Die Klamotten kann ich schon gut gebrauchen, der Rest war natürlich verrückt. Es ist, wie es ist 🤷♀️
Dieses Amerika ist mit Abstand das teuerste Land bislang auf der Reise. Wie machen die das, was haben die für ein Einkommen? Und kein Wunder, dass so viele Menschen auf der Straße leben. Ich habe schon wieder zwei Stunden eine Unterkunft für morgen gesucht. Entweder ich zahle 150$ aufwärts für etwas sehr einfaches mit Gemeinschaftsbad und fragwürdiger Sauberkeit, oder ich fahre 400Km.
Abend schien so schön die Sonne, dass ich doch noch mal die 10min runter zur Bucht lief um den Anblick aufzusaugen und mich zu verabschieden. Ich mag die Stadt. Man kann einen winzigen Rest Hippie-Flair erahnen, die Straßen sind klasse, die Leute sind gut drauf, man kann sehr gut Seafood essen, man schaut oft auf die Bucht, es gibt schöne Häuser. Es ist eine gute Atmosphäre.
- Charlotte Tina

- 18. Mai 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Feb. 2024
Das ist so anders hier. Die Leute sind sooo nett. Gottseidank! Aber ich brauche doch immer noch eine Weile, um mich umzugewöhnen. Ich bin ein bisschen traumatisiert.
Scheise! Aber mal ehrlich! Am Mittwoch musste ich unerwartet 150Km Umweg zusätzlich fahren, fast 400 statt der geplanten lockeren 250Km, der Pacific Highway war auf einer Teilstrecke auf meiner Route in beide Richtungen gesperrt. Und das ist ein Stück, das so wunderschön sein soll. So viel Pech geht doch nicht?!?!?!!! Und die Sperrung wird andauern, weil große Stücke Straße weggebrochen/-gespült sind. Menno!!!!'🤬
Aber ich habe viel gesehen: Eine Frau an einer Tankstelle, die offensichtlich in ihrem Auto lebte. Ölfelder mit Pumpen, wie man es sich klassisch vorstellt, viele. Sehr viel tief hängenden Nebel (schon seit ich gelandet bin). Wunderschöne Hügel wie in Neuseeland und Irland. Sehr viele gut gelaunte und gut erzogene Hunde. Mexikanische Wanderarbeiter, morgens an der Tankstelle, über den Tag verteilt auf den Feldern. Pelikane und Kormorane. Einen Leuchtturm. Kühe. Einige obdachlose Menschen. Einen richtigen Baywatch-Rettungsturm. Fast weißes Treibholz. Möwen. Sehr viele große Pickups. Wunderschöne Buchten und Steilküsten. Ein wenig hübscher, aber super leckerer Möhren-Muffin.
Big Sur, Monterey und Carmel habe ich wegen der Sperrung leider verpasst.
Im Diner fragte ich mal wieder wegen Trinkgeld. Im Diner, mit Selbstbedienung und bei einer Rechnung über 7$. Sie sagte, üblich sei da ein Tip von 5$. Tut mir leid, da bin ich raus, das ist mir einfach zu viel Geld. Finde ich vollkommen unangemessen.
Eine interessante Frage habe ich, die ich gleich mal googeln werde: wie ist das mit der Vorfahrt, wenn man an eine Kreuzung kommt, an der Stop-Schilder in allen vier aufeinandertreffenden Straßen stehen? Davon sind mir heute mindestens zehn untergekommen und ich hatte keine Ahnung. So, wie es schien, die anderen auch nicht.
Uuund: es sind 4-Way stops. Wer zuerst angehalten hat, darf zuerst wieder fahren. Wenn mehrere gleichzeitig angehalten haben, gilt rechts vor links. Ich hatte heute mehrfach die Situation, dass in allen vier Straßen Autos gleichzeitig gehalten haben. Alle guckten ratlos. Meistens bin ich einfach losgefahren, ewiges Hin- und Hergegucke hilft ja nicht weiter.
Nach langer Fahrt fuhr ich endlich in San Francisco ein. Die Straßen sind irre, macht riesig Spaß, die mit dem Auto zu fahren, wie Achterbahn ohne Übelkeit.
Ich fuhr zum Motel, stellte den Wagen ab, orientierte mich und dann lief ich los.
Eigentlich wollte ich mich nur mal etwas umschauen.
Hier sind so viele Deutsche unterwegs, wo kommen die plötzlich alle her?
Ich fotografierte ein schwules Hamburger Paar auf Hochzeitsreise. In meiner Armistead Maupin geprägten Vorstellung der Stadt aus meinen späten Teenagerjahren leben hier fast nur Schwule und Lesben und alles dazwischen, aber so gut wie keine Heteros. Vielleicht nicht ganz, aber ein bisschen schon😂
Natürlich lief ich zuerst durch den Presidio-Park (ich weiß nicht, ob ich auf die Idee käme, einen Kojoten zu füttern. Ich denke, mein erster Impuls wäre eher, ganz schnell auf einen Baum zu klettern), zu Fishermans Wharf, direkt zu Boudin und genoss dort die berühmte und wirklich superbe Clam Chowder im (uninteressanten aber hübschen) Sauerteigbrot (12$).
Und weil das ein Tropfen auf den heißen Stein war, kehrte ich nebenan bei Franciscan ein und bestellte eine halbe Krabbe. Damit ich endlich mal meine Krabbe bekomme. Die war so lecker, ich hätte am liebsten eine ganze bestellt und weiter geknackt und geschlemmt mit diesem wunderbaren Blick.
Ich saß da natürlich mit Plastiklätzchen und Nussknacker und Feuchttüchern, als ich die Sauerei veranstaltete. Aber im Gegensatz zu den Typen drei Tische weiter mussten sie nach mir nicht gleich saugen 😎
Und weil der Tag noch nicht ereignisreich genug war, kaufte ich um 17:25 noch schnell ein Ticket für eine einstündige Bootsfahrt um 17:30, die unter die Golden Gate Bridge führte, um Alcatraz herum und zurück in den Hafen. War ordentlich windig und frisch. Auf dem Rückweg ritt ein geltungssüchtiger Hydrofoil-Surfer die Bugwelle.
Damit hatte ich in gut drei Stunden eigentlich schon erledigt, was ich von SF wollte, außer Cable Car zu fahren. Und Chinatown will ich mir ansehen.
Ich sehe Edda und Karin ob meines Tempos die Augen verdrehen 🤣
Ich krieche jetzt aber auch nur noch unter die Dusche und ins Bett.























































































































































































































































































































