- Charlotte Tina

- 17. Aug. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Aug. 2022
Auf dem Platz gab es einen guten Cappuccino und selbst gebackene Scones (von der Frau der "harten Schale", der morgens reizend zu mr war) zum Frühstück.

Ich fahre durch eine Landschaft die so schön ist, dass ich ganz oft anhalte und nur starre. Schade, dass Fotos/Videos das nicht einfangen können. Das Surren und Schwirren der Insekten, die schöne warme Sonne, die Tiefe, Weite und Größe der Szenerie, das Zwitschern der Vögel, das Muhen der karamellfarbenen Kühe, das Schreien der Möwen, das Blöken der Schafe und das Meckern ihrer Lämmer. Die Ruhe, die über all dem liegt. Hier ist wirklich alles grün. Wo in Norwegen aus jeder Ritze Wasser quillt, sprießt hier Grün aus jeder Ecke. In den Gärten stehen häufig Palmen, denen es in dem Klima prächtig zu gehen scheint. Die Hecken sind nicht einfach grün, sondern darin wachsen oft rote Beeren oder andere Blumen in Magenta, Gelb, Rot und anderen knallig-schönen Farben. Ich hatte eine etwas andere Vorstellung von Irland. Dieses Land hat auch etwas Mediterranes, wieso fliegen die Leute nach Mallorca? Das ist hier das Mallorca des Nordens?!
Jeder grüßt, Bauarbeiter, Spaziergänger, einfach alle, die einem begegnen. Und fast alle machen eine Bemerkung über das Wetter oder brüllen einem, auch gern aus einiger Entfernung, etwas zu, wie LOVELY WEATHER, ISN’T IT?!
Als ich den Campingplatz verließ, sagte mir ein netter Mann "Hallo" und wünschte mir weiterhin einen schönen Urlaub. Ich wunderte mich, kannte ich ihn doch nicht. Er hätte mich und meinen Van gestern schon gesehen, meinte er.
Mein erstes Bad des Tages nahm ich an einem dieser einsamen, wilden Traumstrände (dem mit dem unaussprechlichen gälischen Namen).
Quallen finde ich bekanntermaßen schauderhaft, aber diese sahen aus wie Kunstwerke in Bernsteintönen.
Das zweite, dritte und vierte Bad genoss ich, als ich diese Bucht erspähte und einfach da rein musste. Ich weiß nicht, was das ist mit (klarem) Wasser und mir, es hat eine geradezu magische Anziehungskraft auf mich.
Dort blieb ich auch zwei Stunden, weil es so unglaublich schön war, und sah zu, was der Mond so mit dem Wasser anstellte. Es war ziemlich frisch. Alle anderen trugen Neoprenanzüge. Warmduscher, diese Iren 😉
Mittags war ich schon über 80 Km gefahren. Auf direktem Weg wären es ca. 30 Km gewesen.
Weil immer noch diese Irritationen auf mir sind und weil ich B&Bs klasse finde (weil ich einen Einblick in das Leben eines Menschen bekomme, Englisch sprechen muss und eine Dusche habe), habe ich in Glenties gebucht (60€). Sehr nette Gastgeberin, sehr sauber, tolle Dusche. Im ersten Zimmer funzte das Wifi mal wieder nicht, auf Nachfrage bekam ich das, wo der Router installiert ist = allererste Sahne. Einen Massagesessel gibt es zudem im Flur. Nice.
Außerdem habe ich Sudocrem gekauft. Ähnlich wie Penaten, weniger fest und antibakteriell. Das habe ich auf die wunden, schorfigen Stellen geschmiert und es hilft hervorragend.
Warum Glenties, abgesehen vom B&B? Weil ich mein Seafood haben will, leckeres! In Glenties gibt es das Thatch und das hat sehr gute Bewertungen. Teste ich mal. Hab für 18:30 reserviert.
Wow!
Der Laden: leer. Der Tisch: schmuddelig. Die Bedienung: fünf unbeschäftigte sehr junge Menschen, giggelnd. Die Speisekarte: äußerst verlockend.
Vorweg bestellte ich fünf irische Austern. Wahnsinn. So leckere Austern hatte ich noch nie. Groß, festfleischig (richtig was zum Kauen), ganz zart im Geschmack, also würzig, aber nicht zu „meerig“, und cremig. Ich hatte zuvor schon mal gelesen, dass es welche gibt, die cremig sind, konnte mir bislang aber nichts darunter vorstellen. Jetzt weiß ich, was gemeint ist. Köstlich!

Als Hauptgang wählte ich mutig die Seafood-Platte und wurde belohnt. Filets von verschiedenen Fischen, Garnelen, ein Scampo, Muscheln, eine Krabbenschere, Kartoffeln. Jedes für sich perfekt auf den Punkt gegart, saftig und fest ohne jegliche Zähigkeit. Keine Gewürze außer einem Hauch Salz und wenig glatte Petersilie im buttrigen Sud. Die Kresse war etwas irritierend, weil sie keinerlei Geschmack hatte. Seltsam, aber nicht störend. Und genau das machte es so großartig, dass alles seinen Eigengeschmack behielt, ja dieser ideal unterstrichen wurde. Puristische Fischküche. Superbe Qualität.
Dann haderte ich mit mir und bestellte noch mal fünf Austern. Das waren die besten, die ich bislang gegessen habe, wie doof wäre es denn, das nicht auszukosten?! Ein Genuss. Dann folgte eine Crème Brulée, die gut war, aber nicht hervorragend. Das Himbeerkompott dazu war aber ein Knaller; wieder ganz schlicht, ein voller fruchtiger, säuerlicher Eigengeschmack.

Ein richtig guter Espresso rundete das ab.

64€, die sich gelohnt haben (plus Tip natürlich). Nun liege ich im B&B kugelrund und zufrieden auf dem Bett. Vielleicht sollte ich morgen in Donegal bei dem Austernhändler halt machen und dort noch mal welche futtern. Das ist ein Hundesprung und liegt sowieso auf der Route des WAW. Hm. Hmmmmmmmm.
- Charlotte Tina

- 16. Aug. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Aug. 2022
Eigentlich beginnt der Wild Atlantic Way in Londonderry. Aber Moville ist nicht weit entfernt und dazwischen liegt nichts Tolles, also passte das. Der WAW hat eine Länge von 2.600Km. Das kommt daher, dass er sich eng an der Westküste entlang schlängelt, durch alle großen und kleinen Buchten. Er ist sehr gut ausgeschildert sowohl in Nord- als auch in Südrichtung, man folgt diesen gut zu erkennenden Zeichen, die in ausreichender Zahl vorhanden sind (in meinem Fall mit dem (S), weil es nach unten bis Cork geht):

Entlang der Route liegen spektakuläre Ausblicke und wunderschöne Strände. Die Straßen sind meist einspurig, viele abenteuerlich.
Ich wollte zum Frühstück wieder nur ein Ei und wie in Schottland kam eine Portion, die mich an meiner Vorstellung von Hühnern zweifeln lässt. Wie in Schottland hieß es: das sah so wenig aus. Sehe ich aus, als müsste ich aufgepäppelt werden? Nein! Dazu gab es French Toast und Tomate. Die Hälfte habe ich geschafft.
Meine erste Station war Malin Head, der nördlichste Punkt Irlands.
Die Landschaft am Nordzipfel ist unglaublich schön, ich war hin und weg. Hier werden sehr viele Häuser zum Kauf angeboten. Hmmmmmm.
Ich hab es ja mit den Superlativen, gern immer das -ste…..😉 Bei Berlitz hatten wir mal eine Lektion nur Superlative im Englischen, das habe ich geliebt! Amazing, stunning, awesome, great, marvellous, outstanding, gorgeous.…super. Und das ist hier Alltagssprache.
In der Pollan Bay nahm ich mein erstes Bad im Nordatlantik, es gab eine sehr starke Strömung schon nah am Ufer. Ich musste mich etwas zurück kämpfen und selbst bei etwa 1m Tiefe und vielleicht 5m vom Strand war es ein kleine Anstrengung, an Ort und Stelle zu bleiben. Aber wundervoll, glasklar, feinster Sand, erfrischend.
Ich hatte vorab einen Iren zum Thema Nacktbaden gefragt. Der ist nur wegen der Frage schon fast im Boden versunken. Verboten sei es wohl nicht, würde aber nicht gemacht. Allein wegen der Kinder. Was ich ein erstaunliches Argument finde, die haben sicher das geringste Problem damit.
Ich stand also an diesem riesigen, fantastischen, fast menschenleeren Strand und dachte mir, scheiß der Hund drauf, kennt mich ja keiner, hab mich ausgezogen und bin ins Wasser.
Anschließend graste ich weitere schöne Orte ab.
Seit der Zeckengeschichte habe ich juckende Pusteln, da waren in der Nacht ja auch noch diese kleinen Fliegen. Und ich war in tiefem Gebüsch. Jedenfalls quält mich das sehr. An Armen, Beinen, Füßen, Hals und Kopf. Und immer an neuen Stellen, ich dachte schon an Flöhe. An den Füßen habe ich mich schon fies wund gekratzt. Dörthe schlug vor, mal in eine Apotheke zu gehen. Gar keine so schlechte Idee…. 🤔
Der Pharmacist in Carndonagh war sehr nett, meinte, keine Flöhe, das sähe anders aus, und tippte auf eine Allergie. Ich hab ein Antihistamin dabei, das nehme ich, und er hat mir eine Cortisonsalbe mitgegeben. Hilft bislang leider nicht.

Dann kam ich an einem Handy-Shop vorbei und da mein Panzerglas vorn und hinten gebrochen war, gab es neue Plastikplatten. 20€. Alter Schwede. Ich sah irgendwann am Nachmittag nach einer Übernachtungsmöglichkeit und es gab: nichts. Alles dicht, egal, welche Preisklasse. Ich wollte unbedingt eine Dusche haben, um meine juckenden Pusteln weiter zu besänftigen. Zunächst jedoch war mir bei der Suche ein Restaurant mit sehr guten Bewertungen über den Weg gelaufen, das Seafood anbot. Also bin ich 13Km weg vom WAW und bestellte eine Seafood-Platte für 28,50€. Sie enttäuschend zu nennen wäre ein Euphemismus. Eiskalt, in ekligen Saucen ertränkt, ein fetter Klacks purer Mayonnaise. Irks. Wirklich lecker war das Brot. Dazu wie überall lieblos hingelegte Portionspackungen Butter und eine völlig desinteressierte Bedienung, also ein echter Volltreffer.

Die Campingbox machte immer mehr Probleme. Sie ist seltsamerweise nach vorn gerutscht, etwa 10cm. Das hört sich wenig an, ist aber viel und hat doofe Auswirkungen: die Tragestreben drücken in die Sitze und damit unangenehm in den Rücken, das Bett ist nicht mehr einfach aufzubauen, weil die Sitze zusätzlich gekippt werden müssen, damit das Kopfteil plan geklappt werden kann, die Stau-Kisten lassen sich nicht mehr rausziehen, ich komme also nur sehr schwer an meine Sachen. Und der Notfall-Fluchtplan funktioniert so nicht mehr. Alles doof. Also war klar, dass ich den Wagen mal würde ausräumen müssen und die Box auseinander nehmen und irgendwie wieder nach hinten schieben müsste. Als ich ein Schild zu einem Campingplatz sah, bog ich kurz entschlossen ab; das ist keine Aktion für den Straßenrand und eine Dusche gäbe es da auch. Der Besitzer war von der „harte Schale“-Sorte. 30€, duschen extra. Seine Frau kocht Marmelade ein, Stachelbeere! Was soll ich sagen? Die Mitbringsel-Kiste ist voll, langsam ein Luxusproblem.
Das war ein ziemlicher Akt mit der Box. Ich habe mich in den Fußraum hinten gesetzt, an der Mittelkonsole mit dem Rücken abgestützt und mit den Füßen die Box nach vorn geschoben. 1,5h dauerte das insgesamt, hat aber geklappt und natürlich bin ich froh, dass alles wieder funzt.
Die Sache mit dem Schämen hat sich erledigt. Ich habe nur die Schotten nicht verstanden und deshalb gedacht…na und so weiter. Die Iren verstehe ich ziemlich gut und plötzlich führe ich Unterhaltungen und seltsame Wörter kommen angeflogen, wie itchy (juckend). Gut isses trotzdem nicht, aber lange nicht so mies, wie ich 60Km weiter östlich dachte, uff. Ich kann mich unterhalten über mehr als nur das Wetter.
Morgen wage ich einen neuen Seafood-Versuch!
- Charlotte Tina

- 16. Aug. 2022
- 1 Min. Lesezeit
Ich war früh wach und ging im Ort spazieren. Nett, etwas vernachlässigt, hübscher kleiner Hafen.
Zurück gab es für mich ein kleines Porridge zum Frühstück, da hatte ich schon bessere.
Ich fuhr zur Fähre, so eine Kontrolle habe ich noch nie erlebt. Ich wurde gescannt, musste die Motorhaube öffnen, wurde nach Schusswaffen gefragt. 67,5Km und 2h später war ich in Larne in Nordirland. Es war wieder sehr windig.
Ich fuhr Richtung Norden, ging frohlockend in einen sehr großen Tesco Supermarkt und fand endlich die lange gesuchte Scone-Backmischung.
Es ging durch saftiges Grün und irgendwann tauchte völlig unvermittelt der erste Strand auf.
In Schottland hatte ich noch eine Irn Bru Limo geholt, musste ich mal probieren, nachdem sie immer wieder in Büchern auftauchte. Schmeckt wie flüssiger Kaugummi. Außerdem habe ich noch Clotted Cream geholt, der ultimative Genuss zu Scones. Das ist eingedickte Sahne, also der dicke Rahm auf der Sahne, eine Mischung aus Sahne und Butter geschmacklich.
Mit einer kleinen Fähre setzte ich nach Moville über, das liegt in der Republik Irland, war damit wieder im Euro- und Km-Land und fuhr zu meinem B&B (45€). Es war okay für den Preis, der Betreiber war ein entzückender älterer Herr, der das 200 Jahre alte Haus vor 28 Jahren gekauft und darin seine drei Kinder groß gezogen hat.
Die Einrichtung war speziell aber nach meinen Erfahrungen eher typisch.





























































































































































































































