- Charlotte Tina

- 27. Sept. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Dez. 2022
Was soll ich sagen.... ich war ziemlich mies drauf. Portugal war letztlich nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, super schöne Flecken, aber insgesamt betrachtet nicht schön.
Ich hatte Heimweh, hab zu viel Geld ausgegeben, insbesondere für Übernachtungen, und die vielen toten und herrenlosen Katzen und Hunde machen mich fertig. Auf dem Weg lag Jérèz, Heimat des Sherry und aller berühmten Bodegas. Ich versuchte es in dreien. Geschlossen, absolut kein Parkplatz zu finden, geschlossen. Das hat mich eine Stunde gekostet und ja, ich hätte vorher gucken können, aber so ist es eben manchmal, wenn man etwas sehr spontan macht. Immerhin habe ich eine kleine Flasche "Nectar" gekauft, keine Ahnung, was das ist, finden wir in Berlin raus! Und ich konnte Architektur bewundern.
Ich habe wirklich üblen Haarausfall. Ich habe eher zu- als abgenommen. Gestern fand ich mich heulend auf dem Parkplatz einer Autobahnraststätte wieder, trauernd um meine Mutter, meinen Vater, Pepe, Flausemann, meine Miezen, unser Haus und den Garten und all die ehemaligen Freunde und Familie.
Und, und das hört sich an wie Jammern auf sehr hohem Niveau, ich bin ganz schön erschöpft. Ich bin über 18.000Km gefahren, meistens schlafe ich jede Nacht woanders, ich habe seit langer Zeit kein Gespräch mehr in meiner Sprache geführt (gestern dankenswerter Weise eins mit meinem Bruder Thomas), ich muss mich jeden Tag um einige Dinge kümmern (Unterkunft finden, Auto befüllt und ordentlich und sicher halten, vernünftiges Essen organisieren, mich reinlich halten und zusehen, dass ich es nicht übertreibe und die Schmerzen zu heftig werden lasse, mit dem Alleinsein auch in nicht so guten Situationen zurecht kommen, Kleidung waschen und trocknen, Blog schreiben, korrigieren, Fotos hochladen).
Da dachte ich, scheiß der Hund drauf, es muss was wirklich Schönes her! In Tarifa bin ich zum schönsten (für mich) Hotel gefahren und habe für drei Nächte eingecheckt. Ein wunderschönes Zimmer zum Innenhof mit Wasserlauf, Mosaiksteinen und Palmen. Super nettes Personal. Ein Rooftop-Infinity-Pool, total abgefahren, wunderschön! Mit Blick auf Afrika. Unglaublich, wirklich. Eine gemütliche und gute Bar, zwei sehr leckere Cocktails bekam ich zum Empfang. Direkt am
Hafen, Afrika zum Greifen nah.
Nachdem ich zu einem besonders günstigen Angebot eingecheckt hatte, bin ich losgezockelt und hatte innerhalb von 20min für Dienstag eine Whale Watching Tour gebucht (daran "arbeite" ich seit den Lofoten) und für Mittwoch eine Fähre und eine geführte Tour durch Tanger, Marokko.
Dann lief ich die 5min zum südlichsten Punkt Europas, hier treffen Mittelmeer und Atlantik aufeinander in der Straße von Gibraltar. Fühlte sich gut an und ist sehr schön da. Wieder ein Punkt, der von der Bucket-Liste abgehakt ✔️ werden kann.
Abends spazierte ich durch den Ort und seltsamerweise gefällt es mir hier (obwohl recht vieleTouristen hier sind. Ich weiß, ist immer lustig, wenn sich Touristen über zu viele Touristen beschweren...). Ich aß im Hotelrestaurant. Ein Steak (Tenderloin) mit Kartoffelspalten und einer Pilzsauce. Auf dem Steak Salzflocken, lecker. Danach einen Brownie in weißer Schokisauce und Vanilleeis, nett.
Ich bat den Bartender um das Rezept für den tollen Cocktail. Er hat ihn selbst kreiert und gab es mir, wow! Dabei dachte ich an Birgit und Donata und unsere Spieletreffen bei mir, zu denen wir meist Cocktails süffeln.
Im Bett lackierte ich die Nägel neu (die Gel-Geschichte hat zwei Tage gehalten...).

Das war alles sehr schön und entspannend und um 8:00 am Dienstag (da war es noch dunkel!) war mein Termin fürs Frühstück; so eins habe ich noch nicht gesehen. So viele schöne Dinge, frisch gepresster Saft, guter Kaffee, Cava, Eier und so weiter und ein Entsafter! Dann gibt es ein Gerät, mit dem man frische Haselnusscreme macht, Gebäck und Obst und und und. War das toll! Und alles so schön hergerichtet und so viele schöne Details wie die Teekannen. Ich hab Obstsalat gefuttert und mir einen köstlichen Saft gemacht, die Welt wird wieder bunt.
- Charlotte Tina

- 25. Sept. 2022
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Sept. 2022
Der Donnerstag, Tag 82, war ganz gemütlich. Strandspaziergang, in der Brandung sitzen bei der Hitze, baden in großen Wellen. Kilometerweit kein Mensch zu sehen, faszinierend, fühlte sich durchaus mal wieder etwas nach letztem Mensch auf Erden an.
Zum Abendessen erbarmte sich der Koch und ich bekam ein Gericht, das es eigentlich erst ab zwei Essern gibt. Warum auch immer. Reis mit Seeteufel, Muscheln, Oktopus und Garnelen. Sehr nett, nicht mehr. Der Sud hatte ein schönes Aroma. Weshalb sie die Garnelen drei mal töten, bis sie wirklich richtig trocken und zäh sind, bleibt ein portugiesisches Rätsel. Das Tiramisu hätte ich nicht ordern sollen, ging größtenteils zurück. Und den halben kleinen Wein verschenkte ich an den Nachbartisch.
Das Frühstück ist wirklich toll mit dem vielen frischen Obst. Und es gibt in Portugal auch immer Kuchen und/oder Pastel de Neitas zum Frühstück. Im B&B tauchte ein Berliner Paar auf und sie empfahlen mir das Restaurant Os Americano's in Peniche. Hat super Bewertungen, da spricht einer von einem verdienten Michelin Stern. Ooookay?! Testen!
Nett sind hier die vielen Mosaike und Fliesen, manche Häuserfront ist vollständig gefliest.
In der Nacht wachte ich auf, weil mir speiübel war, im Zimmer stank es bestialisch. Hinter Leirosa liegt eine sehr große Zellstofffabrik, der Wind war ausnahmsweise mal ablandig und so wehte die Abluft zum Meer. Das war so widerlich, dass ich den Gestank noch drei Tage später in der Nase habe.
Am Freitag verließ ich also Leirosa und fuhr weiter gen Süden an einer schönen Küste entlang und streckenweise auch durchs trockene, langweilige Hinterland. Ich sah viele herrenlose Hunde und wäre fast schwach geworden. Ich könnte schon eine ganze Menagerie herumfahren, all die armen Mäuse.
In Peniche kam ich um 13:30 an, checkte im Hotel (61€) ein, buchte für 14:45 eine Bootsfahrt nach Berlengas, reservierte telefonisch im Restaurant und flitzte dann los zum Hafen. Mit einem Speedboot ging es in 30min zur Insel. Es war ganz ordentlich Seegang, trotz Südwester wurde ich patschnass. Das Boot schlug immer wieder hart auf, wenn es von einem 2m/2,20m-Wellenkamm runter krachte. Das hier war bei der Ausfahrt aus dem Hafen, auf dem Meer konnte ich nicht mehr filmen, einfach weil ich das Handy nicht mehr hätte festhalten können und mich gleichzeitig. Gut, dass ich so kurzfristig gebucht habe, Samstag und Sonntag wurden abgesagt, weil 6Bft und Schietwetter angesagt sind.
Jetzt tut mein Rücken richtig weh, so kurz vor Hexenschuss, super. Auch, weil ich auf der Insel hoch und runter gekraxelt bin.
Die Insel ist schön, erinnerte mich sehr an die vor Marseille, Calanques, und das Château d'If.
Ich habe noch nie so viele Fische gesehen. Zuerst nahm ich ein kurzes Bad in der Bucht, dabei schwammen die Fische um mich herum, völlig entspannt. Dann wanderte ich den steilen Weg zum Forte de São João Baptista, das sehr hübsch ist und einmalig gelegen.
Die letzten 100m habe ich gekniffen, Hüfte und Knie wollten nicht mehr.
Zurück im Hafen der Insel, legte gerade ein Glasboodenboot ab, da habe ich mich noch schnell eingekauft, gute Idee:
Zurück musste ich hetzen, um es ins Restaurant zu schaffen. Es war sehr nett eingerichtet, bemerkenswert freundliche Bedienung. Ich wollte einen Rosé, der angebotene gefiel mir nicht, dann kam er mit drei weiteren und einem weißen, ich fand sie alle flach und nichtssagend. Schließlich ein grüner Wein, der war recht okay. Vorweg entschied ich mich für Oktopussalat, der wiederum war sensationell. Mit Olivenöl, ganz fein gehackten Schalotten, Knoblauch und thailändischem Koriander, eine unglaubliche Kombination.

Weil es so sehr lecker war, wagte ich mich an ein Filet Mignon. Medium/well done. Das war ebenfalls asiatisch angehaucht mit zwar einer Pfeffersauce, aber auch etwas Zitronengras. Es war eher raw/medium und nett, aber kein großes Kino. Die wieder sehr toten Garnelen sollten noch einen dritten Aspekt einbringen, Surf 'n Turf, das war etwas zu viel des Guten, das KaPü und die zwei Stangen grünen Spargels waren nicht wirklich gut. Dazu noch Erbsen, Tomate, Schluppen und Radieschen-ein bissel überladen und nicht mehr stimmig.

Der New York Cheesecake war gut, den gibt es in Berlin aber an fast jeder Ecke doch noch besser (Barcomi's, Kuchenladen Kantstr.....). Also von Michelin weit entfernt für mein Empfinden.

Samstag, Tag 84
Morgens zockelte ich weiter, zuerst hielt ich in Lissabon, zumindest mit der Tram 28 wollte ich fahren. Also zur einen Endhaltestelle und für 3€ eingekauft in den nostalgischen Charme. Leider war es morgens um 10:00 schon so voller Touris, dass ich 30min stehen musste. Und da es sehr steil und holprig ist, krallt man sich 30min lang irgendwo fest. Und erneut nicht rücken-, knie-, hüftfreundlich. Fix und alle stürzte ich mich auf Kaffee und Zucker. Die Schlange für die Rückfahrt war etwa 100m lang, Zweierreihe. Ich wartete eine halbe Stunde, 20m, dann rechnete ich: noch ca. 160 Leute vor mir, 20 passen in eine Tram, die fährt alle zehn Minuten. Ja, laufe ich denn noch ganz rund?! Ich stehe doch keine zwei Stunden doof rum?! Bus gegoogelt und losgelaufen. 3Km wurden es, einer fiel offensichtlich aus.
Lissabon ist eine sehr reizvolle Stadt, aber so überlaufen stelle ich mir Venedig vor; eine sich wälzende Masse Touristen und eine verschwindende Handvoll einheimischen Personals, dass die Sache am Laufen hält.
Das war genug Stadt.
Ich kam noch bis Sines. Leider fand ich nur ein teures Hotel (120€) mit schlechtem Frühstück und Nescafé aus der Drückkanne. Brrrrrrr. Das Zimmer war ganz nett und hatte einen interessanten Ausblick.
Mir wurde ein Restaurant empfohlen, das der totale Reinfall war. Ich habe gegrillten Schwertfisch bestellt mit Kartoffeln und einem mittelgroßen Salat. Das kam:

Der Fisch war völlig versalzen. Den Großteil haben die elf hungrigen Miezen bekommen, die auf der Straße saßen.
Als ich anmerkte, wie schlecht es war, bekam ich ein Dessert, das war seeeehr lecker. Eine portugiesische Eiercreme, eine Lage Kekse, Chantilly-Sahne.
Nach dem ebenfalls denkwürdig miesen Frühstück ging es weiter, ich hatte keine Lust und kürzte mein "Programm"; ich habe jetzt wirklich enorm viele tolle Küstenformationen gesehen, es muss nicht jede in Europa sein. An den südwestlichsten Zipfel Europas aber wollte ich, nahe Sagres.
Es war rappelvoll mit Reisebussen, die ganze Algarve ist VOLL. Und dabei ist Nachsaison, wie schrecklich muss es im Sommer sein?!
Hier sind mal ein paar Bilder, wahllos aus dem Sattel geschossen, nix Besonderes, so sieht Portugal aus abseits der Insta-Spots.
Ich will hier unten auf jeden Fall noch zum südlichsten Punkt Europas, in Tarifa. Und die Alhambra möchte ich sehen, mehr reizt mich nicht; außer die Fähre nach Marokko.
Also weiter und am Nachmittag war ich in Spanien im Hotel (57€). Ein riesengroßer Kasten, aber günstiger als alles andere; die Preise verstehe wer will. Der Pool ist unbrauchbar, der dient der Vorführung von Bademode und deren Inhalt, der Wasserstand ist zu niedrig zum Ertrinken, geschweige denn schwimmen.
Wirklich bemerkenswert aber war das Abendessen. Mir wurde gesagt, im Hotel gebe es ein Buffet für 22€. Mir schwante Übles und ich klapperte drei Alternativen ab, die Google ausspuckte. Alle zu. Mist. Also ins Hotel und ich versichere, das war eine der miesesten Essenserfahrungen meiner Reise. Ich könnte das jetzt alles im Detail auseinandernehmen, aber so viel Zeit und Lust hat keiner.... ich beschränke mich auf ein paar Impressionen:
Falls sich jemand fragt, warum das so viel ist: ich hab's nicht runter bekommen und es mit dem nächsten Gericht probiert. Sogar der Saft war ungenießbar. Und es war alles kalt oder sehr lau 😝
- Charlotte Tina

- 21. Sept. 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Sept. 2022
Gutes Frühstück hier, mit frischem Ricotta, viel reifem Obst, Tomatenmarmelade und sehr guten frischen warmen Croissants. Ausgezeichneter Kaffee, liebevoll extra dazu aufgeschäumte Mich.


Ich habe den ganzen Vormittag verplempert mit Unterkunft suchen in Lissabon und war nach fast drei Stunden richtig, richtig schlecht gelaunt. Auf zum Strand, raus aus den Plünnen und in die Brandung gesetzt, das war super. Hinter mir am Strand fuhr plötzlich ein Boot entlang.

Dann tauchten immer mehr Leute und Traktoren auf. Es begann eine Art Choreografie. Das Boot fuhr weit hinaus, ein Netz an Bord und zwei seeehr lange Taue.
Sie kamen zurück, die Winden der beiden Traktoren, die etwa 100m auseinander standen, holten parallel langsam ein, nachdem das Boot wieder am Ufer war. Sehr langsam verringerten sie dabei den Abstand zueinander, bis sie, als das Netz fast an Land war, nur wenige Meter voneinander entfernt standen.

Frauen in Schürzen standen bereit, große Plastikbehältnisse, das halbe Dorf war da. Alles eingespielt, jeder Handgriff saß offensichtlich. Die Möwen drehten durch, die Hunde fanden, dass das ein ganz tolles Spiel ist. Das ganze war energiegeladen und aufregend und schön. Die Brandung rauschte, die Möwen schrien, die Sonne tanzte auf den Wellen, der Sand unter den nackten Füßen war warm und feucht, es war ruhig und voller Energie zugleich.
Das Netz war voller silbriger Sardinen, ein paar Krebsen und einem kleinen Kabeljau (?). Die Möwen bekamen ihren Teil ab.
Ich flitzte natürlich hoch zum Koch und fragte ihn, er spricht sehr gut französisch, ob es heute Sardinen gibt. Leider nicht. Schluchz. Die beste Art, sie zuzubereiten, ist im Ofen auf dem Blech. Dörthe weiß ein Lied davon zu singen, was für ein übler Gestank dann durch alles zieht. Das wollen sie den Logier-Gästen nicht zumuten.

Der Koch, ich schätze ihn auf knapp 60, wuchs hier auf. Seit seiner Kindheit kennt er es so, dass das Dorf gemeinsam und nur für sich Sardinen fischt, ausnimmt und aufteilt, ist das nicht schön?! Das hat nicht nur meinen Tag gerettet, sondern mir auch bei meiner Entscheidung geholfen. Ich bleibe hier noch eine Nacht und dann bekomme ich in Lissabon auch ein Zimmer.




































































































































































































































































































































































































