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  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 11. Sept. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Sept. 2025

Am Dienstag, 9. September, brach meine Selbstbeherrschung schon am Hauptbahnhof bei brammibal‘s Donuts zusammen, nur um bestätigt zu finden, dass die meisten gehypten Foodspots nicht den Speicherplatz wert sind, den sie einnehmen.

Zu teuer, sehr viel zu süss, zu fettig, eine hübsche aber lachhaft anti-nachhaltige Verpackung.


Ich hatte nach leidvollen Erfahrungen in den letzten Wochen mit der Bahn fünf Stunden Puffer zum Flughafen Frankfurt eingeplant. Wer war ausnahmsweise fast pünktlich?


Ich hab meinen Trolley bei der Lufthansa abgeworfen, mir ein Bolt (Alternative zu Uber/Taxi) bestellt und im nächsten Schwimmbad meine Bahnen gezogen.

Sodann suchte ich mir ein nettes Plätzchen hinter allen Kontrollen und Durchleuchtungen und las.


Eine interessante Neuerung gab es: ich musste meine Wasserflasche nicht wegwerfen um mir zehn Meter weiter eine neue für den 20fachen Ladenpreis zu kaufen, weil sie eine neue Durchleuchtungsmaschine haben.

Auch elektronisches Gerät musste nicht ausgepackt werden.


Trotzdem wurde ich rausgefischt, meine Wasserflasche in ein extra Gerät zur Prüfung gestellt, der Inhalt meiner Tasche kritischst beäugt, die Frage „ist das Ihre Tasche?“ löste naturgemäß Schweißausbrüche aus.

Alles anders und trotzdem alles gleich, das muss man erst mal hinbekommen.

Meine Tablette nahm ich gleich am Gate, als ich das doppelstöckige Ding sah, mit dem es 11.500Km weit in die Luft ging. Ein Albtraum. Riesig. Dankenswerterweise war der Sitz neben mir frei.


Nach dem Gläschen Rosé, übrigens nicht verkehrt, von Markus Schneider, war ich dann doch leidlich entspannt. Ein anschauliches Anwendungsbeispiel der verantwortungsvoll gehandhabten Kombi Betäubungsmittel und Alkohol.


Das Kalbsfrikassee mit Spätzle um Mitternacht war erstaunlich lecker und butterzart.

Über das „Rührei“ mit Süßkartoffelragout zum Frühstück will ich kein Wort verschwenden.

Am Mittwoch, 10. September um 5:56 landeten wir in Buenos Aires, die Schlange zur Einreise war lang und langsam.


Ich hatte ein Taxi vorbestellt und wurde vom Stand in der Ankunftshalle nach draußen begleitet.

Am Auto sagte der gute Mann fordernd zu mir „what about a tip? Dollars are okay, Euro also.“


Da fällt bei mir die Klappe. Ich wollte mal schauen, wie weit er es treiben würde und fragte ihn, was denn üblich sei. Er meinte, US$4-5. Ich gab ihm 1.500Pesos, was etwa 90 Cents entspricht 😈


Die Stadtautobahn hätte auch in Berlin sein können, nur der Sonnenaufgang war schöner.


Mein Appartement ist mitten im Zentrum, nah am Teatro Colón und in der Mitte der interessanten Bezirke.

Und meine Vermieterin Stella ist ein richtiger Schatz.

Im Kühlschrank waren liebevoll vorbereitet einige Kleinigkeiten.

Ich war um 8:00 dort, um 9:00 waren wir schon gemeinsam mit ihrem Hund Bobby unterwegs Gassi gehen und sie erzählte mir so viel Interessantes über Architektur, Politik und Menschen.

Die Häuser, Balkone, Türmchen, Türen, Treppenhäuser, Pflaster, Bepflanzungen sind hier oft wunderschön. Auch viele Bars, Restaurants und Cafés sind ganz besonders charmant.

Das Baumaterial alter Gebäude ist äußerst aufwändig und kostspielig auf dem Seeweg ins Land geschafft worden, die Kopien europäischer Bauten sollten so schick wie möglich sein.


Das Licht ist anders als bei uns und das Blau des Himmels heller. Die Palmen zaubern eine entspannte Atmosphäre, oft dachte ich, so müsste es auf Havanna aussehen.

In den Bäumen der Parks leben viele bunte Sittiche, das ist ein schönes Bild und auch eine nette Geräuschkulisse.

Nachdem Stella und Bobby umgedreht sind lief ich nach San Telmo, wo ich in die bekannte Markthalle wollte. Erneut ein Fall von unglaublich überbewertet. Da gibt es einen Fleischer und einen Gemüseladen, ansonsten nur überteuerte Touri-Nepp Restaurants.


Bei einem hübschen Teigladen um die Ecke kaufte ich eine nicht durchgebackene Empanada.


Die Straßen sind dicht besetzt mit Läden, die Dulce de Leche verkaufen und alles, was man daraus machen kann. Was eine Menge ist. Karamellen, Sauce, Aufstrich, Füllungen und und und.

Das ist die Nationalsüßigkeit, die buchstäblich überall Verwendung findet. Alfajores sind damit gefüllte und mit Schoki überzogene weiche Doppelkekse und wirklich sehr gut.

Das Thema Fußball begegnet einem ebenfalls alle paar Meter in Form von Wandbildern, Werbung, Fotos, Fußballläden, Trikots usw.


Geld zu tauschen ist herausfordernd. Die galoppierende Inflation (bis zu 250%) hat Argentinien zum aktuell teuersten Land Südamerikas gemacht, es ist aber immer noch günstiger als bei uns.

Im Vorfeld wurde allerorten dazu geraten, Bargeld, vornehmlich US-Dollar mitzunehmen.

Aber wie soll man denn viel Bargeld sicher bei sich haben? Ich zahle sonst überall und fast ausschließlich kontaktlos über das Smartphone.

Unterkünfte bitten um Barzahlung, manche akzeptieren nur US-Dollar, oder auch Überweisung auf ein europäisches Konto.


Es gibt inoffizielle Wechselstuben auf den Straßen mit sehr unterschiedlichen Kursen, das heißt „blauer Dollar“.

Mir wurden für einen Euro zwischen 1.360 und 1.580 Pesos angeboten. Der offizielle Kurs lag bei 1.660.


Dann kann man sich selbst online über Western Union an eine beliebige Filiale Geld anweisen und bar auszahlen lassen. Das soll immer noch günstiger sein als die Gebühren eines Geldautomaten.


Insbesondere in Buenos Aires sollte man wegen zahlreicher Taschendiebe gut aufpassen, auch auf sein Handy.


Ich lief in Höfe, offene Durchgänge, Treppen hoch und runter, durch Parks, enge Gassen; eine hübsche Innenstadt.

Bei einem vielgerühmten Imbiss wollte ich Chori(pan) probieren. Das ist eine aufgeschnittene und wie ein Schmetterling aufgeklappte Wurst (Chorizo) vom Grill, die in ein Brötchen (pane) bugsiert wird und traditionell mit Chimichurri (gehackte Petersilie, getrockneter Thymian und Oregano, Lorbeer, Knoblauch, Chiliflocken, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Öl, Essig) gegessen wird. Als weitere Beilage bekommt man ganz klein geschnittene Tomaten, rote Zwiebeln, Paprika, Gurke. Der Nationalimbiss, wenn man so will.


Fand ich eigentlich sehr lecker, weil es auch extra eingelegte Jalapeños dazu gab und es so schön würzig war, hier allerdings war die Wurst nicht durch und deshalb nicht so toll.

Der Umgang mit dieser Kritik war durchaus verbesserungsbedürftig.

Ich lief zum Rio Darsena Sur, der eigentlich ein sehr großer Kanal ist, und an dessen Ufer zurück in Richtung Appartement.

Nett am Wasser, aber nicht der Kracher. Irgendwie ein bisschen steril.

Nach einer kleinen Pause mit Kaffee auf meinem Balkon lief ich noch in eine andere Richtung, zum Buchladen El Ateneo, der in einem ehemaligen Theater untergebracht ist, sehr hübsch.

Auf den Straßen versuchen fliegende Händler, einem alles mögliche anzudrehen, oft auch Tickets für Tango-Shows.

Auf dem Weg fiel mir auf, dass es hier sehr viele enorm alte und große Bäume gibt. Das, was für mich wie ein gigantischer Oleander aussieht, hat die Dimensionen eines Hauses.


Die großen Straßen sind teilweise sehr groß. In beide Richtungen sieben Spuren, dazu Busspuren, sehr breite Mittelstreifen.


Was ich so extrem nicht erwartet habe ist, dass fast niemand hier Englisch spricht oder versteht, auch nicht Französisch oder Deutsch.

Spanisch, Ende.

Und das in der größten Stadt des Landes, ich freue mich schon auf ländliche Gebiete und Kommunikation über Wochen nur mit Händen und Füßen und Translate, anstrengend.


Wenn ich Menschen anlächle, grüßen sie sofort freundlich, sehr nett.

Ein zwei Sätze-Plausch ist hier erfreulich normal, Stella hält alle 10m an, um mit jemandem einige Worte zu wechseln, auch ganz fremden Leuten.


Ich habe vor ein paar Wochen angefangen etwas Spanisch zu lernen, aber was die hier sprechen ist anders. Stella sagt, das ist ein ganz anderer Dialekt.


Dann sehe ich viele sehr arme Menschen, etwas, was auch hier schnell schlimmer wird, wie Stella bestätigt. Ein Bild wie in so vielen Großstädten, in denen ich in den letzten Jahren war.


Nach 14,4 gelaufenen Kilometern, 5h Zeitumstellung, einem fetten Schnupfen, der sich in Stunde Zehn im Flugzeug aus dem Nichts manifestiert hatte und so vielen Eindrücken war ich erledigt und fiel um 19:00 Ortszeit ins Bett.


Etwas, was ich besonders daran mag alleine und in weiter Ferne zu reisen, ist das Gefühl von Freiheit, das ich so zu Hause nie habe, und die Freude daran, beständig Neues zu sehen und zu erleben. Und immer herausgefordert zu werden, das finde ich auch spannend.


Hier ist nun Donnerstag, der 11. September, 8:30, gleich holen Bobby und Stella mich ab zur Morgenrunde und dann habe ich etwas Programm.

Mehr im nächsten Blog…












































 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 5. Juni 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Feb. 2023

Küche und Bett in einem, hier meine Skizze, die nach reiflichen Überlegungen und dem Durchspielen verschiedener (auch Flucht-) Szenarien mit Birgit & Donata Form angenommen hat:



Die ließ ich, ebenfalls nach laaaanger Suche, bauen von einem sehr netten, engagierten und handwerklich begnadeten (Neid) Tischler in der Nähe von Leipzig. Marcel. Natürlich, nachdem er auch noch einige kluge Änderungen vorgeschlagen hat. Es war ein reger Austausch über WhatsApp bis zur Fertigstellung, hat Spaß gemacht.

Fertige Boxen, und da gibt es zahlreiche Anbieter, rangieren im Mittelfeld bei etwa 1.700€ und keine bot genau das, was ich wollte. Diese, entsprechend dem Platzangebot, schon; und sie hat 1.200€ gekostet, nach meinen Vorstellungen gebaut. Leider ohne Tisch, das gibt dieser Berlingo im Gegensatz zum Caddy nicht her, aber heuer sind Kompromisse gefragt.

Gemeinsam mit Donata habe ich die Box abgeholt Anfang Juni:



Schon beim Einsetzen wurde uns klar, dass wir ein paar Dinge hätten besser lösen können; außerdem rächten sich zwei, drei Mess- bzw. Schätzungenauigkeiten, so dass Marcel vor Ort nachbessern musste. Aber im Großen und Ganzen ist sie prima. Sehr schön gearbeitet, stabil, gute Aufteilung. Ich habe nicht erwartet, dass die Liegefläche sich so dicht unter dem Wagendach anfühlen würde und hoffe, die Dachfenster relativieren das (Update: tun sie).


In Leipzig waren wir noch essen am Augustplatz, es war ein strahlend schöner Tag, das Essen sah bedauerlicherweise wesentlich besser aus, als es schmeckte.


Dann habe ich in Berlin einen Futon erstanden, Schafschurwolle mit Latexkern; schön fest, aber leicht nachgebend. Auch nicht ganz preiswert (374€), aber nur 100/150€ mehr als eine sehr einfache Klappmatratze. Der kommt auf die Liegefläche, die tagsüber durch einfaches Hochklappen und Anlehnen des Kopfteils ein Liegesofa ist.


"Anprobe" durch Birgit und Donata am 19. Juni 22:

Der Wagen ist natürlich so nicht ganz fertig, aber er wurde für durchdacht, praktisch, schön und gemütlich befunden. Lästerliche Zungen behaupten (drei von drei Leuten, die es bis dahin gesehen und begutachtet haben), dass ich eine fahrende Küche mit Bett gebaut habe. Mag sein.... *lach*.


Aber mal im Ernst: sollte man auf einen Mörser verzichten? Auf zwei Gasflammen? Auf zumindest drei gute Öle (das Walnussöl lasse ich doch schon zu Hause; bis auf eine winzige abgefüllte Menge)? Auf ein bisschen vernünftigen Wein? Ein paar kleine Flaschen mit Soja-, Austern- und Fischsauce? Dijon-Senf? Angenehmes Besteck und brauchbares Werkzeug? Die wichtigsten Gewürze und einen Hauch köstlicher Extravaganz wie Piment d´Espelette und grünen Tee? Eine kleine Pfeffermühle? Na also.

Dieses Auto ist ja nun mein Ersatz-Zuhause für eine gewisse Zeit und ist entsprechend mein Mesokosmos ;-)







 
 
 
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