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  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 30. Mai 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Vor 7:30 war ich auf der Straße, 180 Km vor mir. Um 9:15 war ich in Seattle, brachte das Gepäck zum Hotel und dann den Wagen zu Avis, das ging alles sehr flott. 2.231 Km bin ich an der US-Westküste gefahren.


In Seattle lief ich zum Wasser, der berühmte (warum eigentlich?) Markt am Pier war so extrem voll, dass man nicht laufen konnte sondern nur geschoben wurde. Das habe ich keine 5 Minuten ausgehalten.


Seattle ist eine seltsame Mischung aus Hochhäusern und ein paar schönen alten Gebäuden. Sehr viele Geschäfte Downtown stehen leer, es gibt viele Baustellen. Es ist wenig belebt insgesamt und nicht sonderlich attraktiv durch all diese Umstände. Die touristischen Hotspots sind überlaufen.

Mein Frühstück/Mittag war eine kleine Clam Chowder und kleine Fish&Chips (Pommes für die Möwen), 27€.

Ich sagte der Möwe, die sehr professionell und routiniert bettelte, dass sie lieber ihren Job machen und Fische fangen soll. Davon hielt sie nicht viel, sie bevorzugt Pommes. Mecker, mecker, mecker....

Hier ist alles noch teurer. Nur das Hotel, das ich klasse finde, ist günstiger als das Grauen der letzten Nacht. Ich bin im zehnten Stock mit Blick aus dem Bett auf den Hafen und die Stadt, irre! Gefällt mir so gut, ich bleibe zwei Tage in dem Bett! (das auch noch fest ist). Uuund das Zimmer wird über ein iPad gesteuert und ich kann mit meinem Netflix-Account auf dem Monitor schauen. Cooool, ich liebe solche technischen Spielereien. Und mit Apple geht das so leicht, es funktioniert einfach. Ich könnte Werbung für die machen 🤔

Aber, da ich aussehe wie Lumpi, war ich bei einer gut bewerteten Friseurin und habe einen Termin vereinbart für den Nachmittag, muss also wieder raus.


In einem Café ruhte ich aus, nachdem ich viel gelaufen bin. Die Macarons waren ein Traum 😋Apricot/honey, lemon, wild strawberry.

Erinnerte mich sehr an das Schwarze Café, das Café Berio und die Berliner Subkultur in den 80ern. Ich kann nicht genau festmachen, weshalb; das Klo, die Discokugel, die Atmosphäre 🤷‍♀️Nur war es damals lange nicht so kommerziell ausgerichtet. Hat sich jedenfalls nicht so angefühlt.

Es gibt auch hier erschreckend viele obdachlose Menschen. Überall. Lager und Zelte auf den Gehsteigen, beim Durchwühlen der Mülltonnen, sie gehören zum Stadtbild.


Die Friseurin hieß Grace, war aus der Region Kanton in China und eine emsige Biene. Sie erzählte, dass die Drogen die USA so zerrütten würden. Und dass ich eine sehr starke Persönlichkeit sei. Wer hört das nicht gern von seiner kantonesischen Coiffeurin?! Sie war wie ein lebender Glückskeks; hatte mich 30min in der Mache und kannte mich in- und auswendig.

Es kam viel ab, war auch nötig, dann spazierte ich wieder.


Ich habe Leute mit abscheulichen Wunden gesehen, die sich offensichtlich dort etwas spritzten und die Haut schälte sich ab, das sah aus wie Würstchen, die man über Kreuz anschneidet und dann erhitzt, gruselig, ich musste wegschauen. Extrem viele Leute riechen nach Cannabis oder sehen total zugedröhnt aus, teilnahmslos und sehr vernachlässigt.


In einer Drogerie kaufte ich etwas zu trinken und sah mich um. In der Zeit waren vier "Kunden" im Laden, drei davon gingen durch die Regale, steckten sich ganz ungeniert Sachen in die Jacke/das Hoodie und spazierten wieder raus. So etwas habe ich noch nie gesehen. Die Security-Tante war sehr intensiv ins Gespräch vertieft mit einer Verkäuferin. Klassisches Einklauen leicht gemacht.


Ich suchte 1h gezielt nach einem Laden mit Obst, ohne Erfolg. In einem gab es Bananen. Nichts Frisches, nur verarbeiteter Mist-wie kann das sein?!


Hochhäuser dominieren das Bild der Stadt, daneben architektonisch völlig unmotivierte Bauten und einige wenige schöne alte Häuser. Das alles macht die Stadt nicht attraktiver. Schön sind die Strassen, in denen viele Bäume stehen.

Dann wollte ich eine Bootsfahrt machen, 1h. Ich fragte den "Marktschreier" an einem Pier, er sagte, 37$. Alter Schwede. Na gut. Schönes Wetter, sonst gibt Seattle nicht so viel her. Also beschloss ich, ein Ticket zu kaufen und es sollte nun 49$ kosten. Steuern. Ha ha. Beim nächsten Anbieter kostete es netto 32$, der zahlt aber nur 5$ Steuern. Faszinierend. Da kaufte ich mich ein.


Und dann bekam ich bei mexikanischen Straßenhändlern eine große Portion Mango, Melonen und Gurke, mit frisch gepresstem Limettensaft beträufelt. Ganz großes Tennis. Sollte $10 kosten. Habe ich auf $8 runter handeln können. Das habe ich so genossen!

Sie konnten überhaupt nicht glauben, dass ich keine scharfe Sauce dazu wollte, kein Tahin, keine Gewürzmischung....

Die Amerikaner ertragen es anscheinend nicht, etwas zu essen, was sie vorher nicht ausgiebig zu Tode gefoltert und postmortal bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt haben.


Die Fahrt ging gemächlich von einer Seite der Elliott Bay zur anderen, damit eine Stunde voll wird. War trotzdem sehr schön auf dem Wasser in der Abendsonne.


Montag, Memorial Day, ein Feiertag, an dem der armen Schweine gedacht werden soll, die in Kriege geschickt wurden, um abgeschlachtet oder traumatisiert zu werden.


Ich googelte nach einem Café und einem kleinen Frühstück. Sandwiches kosten hier um die 15€. Das ist dann nix Tolles mit Salatbeilage auf einem hübschen Teller, sondern eine eingepackte Stulle. Bei 7Eleven kostet ein abgepacktes Pappbrötchen schon 7-8$.


Ich nahm einen Bus zu Nordstrom, noch auf der Suche nach Hose oder Rock für das Schiff. Bei Saks wurde ich dann fündig, eine Hose. Und eine tolle kitschige Haarklammer.

Dann nahm ich die Monorail (Einschienenbahn) zum Connect Center an der Space Needle (was für ein blöder Name😂), dort fand ein Fest zum Feiertag statt. Auf der Bühne gute Musik und die Leute gingen richtig ab. Jung und vor allem Älter tanzten auf der Wiese und vor der Bühne richtig ausgelassen.

Es ging zwischen den Stücken bedauerlich viel um Gott, aber das ist natürlich auch der Musikrichtung geschuldet.

Ich schaute mir alle Stände an und ließ mich schließlich mit einem kenianischen Piripiri auf der Wiese nieder und sah mir das an. Nett.


Dann lief ich wieder runter zum Wasser, auf dem Weg war noch mehr zu sehen und zu hören (auch die indigene Bevölkerung war vertreten)


und mit vielen Päuschen zurück zum Hotel.

Was soll ich sagen? Gefällt mir nicht, die Stadt. Sie ist nicht schön, hat auch nur wenige schöne Seiten, das Essen ist schlimm (den Falafel-Laden habe ich von einer Webseite, die die besten kleinen Lokale und Imbisse vorstellen will), sie ist langweilig und die Armut und das Elend vieler Menschen ist allgegenwärtig und bedrückend.

Nach einem Stopover spazierte ich erneut los. An einer Kreuzung sah ich in alle vier Richtungen und in dreien bot sich mir dieses Bild:

Ich wurde von einem Einheimischen mit Hund überholt, an seiner Leine baumelte eine Dose Pfefferspray. Am hellichten Tag inmitten von massig Touristen. Was soll man nun davon halten?

Mein Abendessen ein schlechtes Falafel für $11. Die weiße Sauce nicht etwa Tahin, sondern Mayo.

Morgen hole ich um 9:30 das Auto ab und ich habe nicht die geringste Idee, wo ich hin soll. Ich hab einfach gar keine Lust mehr im Moment.

Ideen? Aufmunterung?!? Seufz.


Nachtrag: ich habe ein Tiny House in Kanada für die erste Nacht gebucht. Ich fahre erstmal auf den kanadischen Highway 1, der ja durch das Land führt. Vancouver Island war mir zu anstrengend und zu teuer, nachdem ich recherchiert hab.






 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 28. Mai 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Der Donnerstag, 25. Mai, begann trüb und wurde dann strahlend schön. Bei Sonnenschein, 17 Grad und wenig Wind ging es auf See. Im Hafen aber waren erst einmal Robbenbabies zu bewundern.

Ich wurde ein bisschen seekrank, mir war zumindest sehr übel. Die Wellen waren schon beachtlich in unserer Gummi-Nussschale.

Kaum waren wir aus dem Hafen raus, war der erste Grauwal zu sehen. Man hält Ausschau nach den Fontänen. So schöne Tiere. Wir sahen auch zwei, die nebeneinander schwammen, was selten sein soll. Ich werde langsam walsüchtig. Das war ein sehr schönes Erlebnis. Der Skipper Gary war etwas schräg. Aber nett. Er guckte immer ziemlich gehetzt um sich.

Wale haben übrigens allerübelsten Maulgestank. Man riecht sie auf dem Meer selbst bei Wind.

Was natürlich nicht schön ist, ist, dass die Tiere so verfolgt werden. Zwei kleine und ein etwas größeres Boot änderten beständig den Kurs dorthin, wo sie auftauchten. Unser Skipper hat zumindest immer bei der Annäherung den Motor in den Leerlauf geschaltet und hielt Abstand. Trotzdem erinnert das an eine Jagd. Was für ein Stress fast den ganzen Tag.

Im letzten Video immerhin eine halbe Schwanzflosse😉

Nach dem klug von Julia bereit gehaltenen und notwendigen Pfefferminztee lief ich zur Straße. Der Ort besteht im wesentlichen aus dem Highway 101. Dort bummelte ich, fotografierte diesen absurden Truck und kam darauf mit zwei Männern ins Gespräch.

Der Truck diene der Kompensation männlicher Probleme, benötigen würde er so ein Auto nicht. Nett, Humor. Dann waren wir schnell bei der Armut, Krankenversicherung, der Inflation (vor zwei Jahren hätte alles die Hälfte gekostet) und der Obdachlosigkeit.

Der ältere vertraute auf Gott, der würde ihn holen, wenn es soweit sei, er brauche keine Krankenversicherung. Der jüngere war auch pensioniert (hat bei der Polizei gearbeitet, wo man mit 50 in Pension gehen kann), er fuhr auch das Monster. San Francisco und Obdachlosigkeit sei schlimm, sagte er verächtlich, aber die meisten dieser Menschen würden so leben wollen. Das wäre in den letzten Jahren extremer geworden.


Habe ich da etwas ganz falsch verstanden mit der möglichen Koinzidenz?


Vor zwei Jahren war alles halb so teuer.

Seit wenigen Jahren steigende Obdachlosigkeit.

Die Leute wollen so leben.

Aha.


Dann folgte die auf solch eine Aussage weiter zu erwartende Argumentation eines Menschen mit guter Rente und Versicherung der ausgesorgt hat und sich langweilt (mein Vorurteil 😎😉). Allerdings sagte er zwischendrin auch, dass es natürlich viele Menschen gebe, die ein schlimmes Schicksal hätten. Die Natur solcher Straßengespräche lässt nur einen Einblick zu und gerade, wenn eine Fremdsprache im Spiel ist, rüttelt das nochmal ordentlich das Sender Empfänger-Konzept durch. Aber wenn jemand sagt, die meisten Obdachlosen wollten so leben und sein Kumpel meint, man müsse ja nicht gleich die Ambulanz rufen, Gott würde das regeln........

Jeder wie er mag 🤷‍♀️ Zumindest interessant.


In einer Seitenstraße war ein Seafood-Restaurant und dort bestellte ich eine ganze Krabbe. Die wurde vor meinen Augen gewogen, 1,65ib machten $17. Zu meiner Überraschung wurde sie kalt serviert, trotzdem lecker. Dazu geschmolzene Butter. Die geriebene Muskatnuss darin irritierte mich. Ich fand nicht, dass es passt, hat aber auch nicht weh getan. Am Meer auf einer Bank kam eine Möwe immer näher, ein bisschen wie ein Hund der sich anschleicht, witzig.

Den restlichen Tag daddelte ich auf der Terrasse des Hotels und meinem Balkon rum, immer den Hafen im Blick und von der Nachmittagssonne geküsst. Ist das mal schön!


Freitag, 26. Mai

Begann mit einem wunderbaren Obstsalat mit zimtigem Müsli. Mein Organismus schlug Purzelbäume vor Freude.

Ich verbrachte eine Stunde mit der Grobplanung der restlichen Reise. Das Flixbus-Ticket nach Vancouver habe ich storniert. Nach Portland fahre ich nicht, die Unterkunftspreise sind absurd.

Es folgt eine Nacht in einem Motel, dann nach Seattle, Auto (früher) abgeben, zwei Nächte Downtown Seattle, neues Auto, mit dem ich nach Kanada fahre und das ich in NY City um die Ecke vom Hotel am 3. Juli abgebe (in NY Auto fahren....😬).

So habe ich mehr Zeit für die Durchquerung von Kanada, muss nicht zweimal Einwegmietenzuschlag zahlen und den Wagen wechseln und bin flexibler.

So, ein Plan, ha!


Ich ging auf mein Zimmer und da lag ein Vogelbaby tot auf meinem Balkon.

Ich holte Julia, sie kam mit Handschuhen und Kehrblech. Dann saß ich einen Moment und plötzlich plumpste noch ein Vogel auf meinen Balkon, der lebte aber noch. Erneut holte ich Julia. Sie versuchte, ihn zu greifen, aber er flüchtete laut schimpfend auf den anderen Balkon. Ihr Versuch war aber auch sehr zaghaft. Wir beide ins andere Zimmer, das leer stand. Da war noch ein Junges😂

Ebenfalls laut schimpfend. Es stellte sich heraus, dass Julia Angst vor Vögeln hat. Also nahm ich mir Handschuhe und ein Herz, fing einen und krabbelte auf meinem Balkon auf den Hochstuhl um ihn zurück ins Nest zu heben. Allein, er wollte nicht durch das Loch, da half auch kein Schieben und Stopfen, er hat sich buchstäblich mit seinen Krallen gegen das Holz gestemmt. Julia rief einen Freund an, der erstaunlich schnell mit dem Auto kam, er schnappte sich beide, sie kamen in einen Karton und er fuhr sie zur "bird lady"; was immer das genau bedeutet, aber gut. Und ich flüchtete, da Mama Vogel völlig durchdrehte, weil ihre gesamte Brut plötzlich weg war. Das war sehr traurig. Aber hey, zwei überleben!


Auf dem Weg hatte ich wieder einen netten Schwatz mit vielen weiteren Frauen am Gemeindehaus, die an den Sachen für ihren Gedenktag arbeiteten. Die kamen aus allen Teilen der USA, hier wird viel umgezogen im Land. Sie schätzen das Kleinstadtleben, weil alle füreinander da sind.


Essen... Es war wieder eine Clam Chowder dran. War ganz okay. Die besten hier bislang waren die in San Francisco und die fertige aus dem Supermarkt.

Und dann habe ich den Kamin angemacht in meinem Zimmer und den Nachmittag genossen. Draußen war es diesig und feucht, perfekt.


Am Samstag, 27. Mai, musste ich dann leider mal weiter, trank meinen Morgentee aber mit einem reizenden Frauen-Paar aus Portland (ursprünglich aus NY bzw. Florida), die auch sagten, dass vor zwei Jahren alles die Hälfte gekostet hätte. Sie haben Quittungen aufbewahrt, auch von Unterkünften.


Es standen 300Km an, ich fuhr gemächlich die Küste hoch, hielt kurz an einem riesigen Hangar (dem größten aus Holz gebauten auf der Welt), in dem ein Luftfahrtmuseum ist und ein BBQ-Restaurant mit bestem Ruf, da hatte ich etwas Brisket (das Fett kam natürlich in den Müll) und Coleslaw zum Frühstück.

Spätes Mittag-/Abendessen war dann wieder eine frische Dungeon Krabbe. Wie soll mein restliches Leben ohne Krabbe aussehen?🤔Das war die beste. Der Koch hat auf die Schale eine geröstete Gewürzmischung mit Chili gestreut und durch das Knacken hatte ich sie an den Fingern und dann am Fleisch. Super gut. Auf die Beilage grilled cheese sandwich habe ich verzichtet.

Noch in Oregon kam ich an einem Einkaufszentrum vorbei mit zwei Schuhläden. Auswahl und Qualität äußerst bescheiden, obwohl beide Shops groß waren. Weil ich Einkaufen nicht leiden kann und ich vermutlich eh nichts Besseres finde, habe ich ein Paar Abendschuhe erstanden. Die kann ich auch auf dem Schiff lassen nach der Woche...

Ich fuhr über die Astoria Brücke, die 6,55Km lang ist und damit die längste nordamerikanische Brücke; auf der anderen Seite war ich im Bundesland Washington und hatte den Columbia River überquert.

Je nördlicher ich komme, desto mehr Nadelbäume sehe ich, sehr hohe.


Langsam erschließt sich mir das Konzept der Unterkunft Motel. Das ist ein Ort, an dem man (hoffentlich) erschlagen spät ankommt, wenn es dunkel ist und man nicht so genau sieht, wie es ausschaut. Man ist so erledigt, dass man eh nichts anfassen oder sitzen möchte, nur noch ins Bett. Der penetrante Geruch nach Raumsprays dient dazu, den penetranten Geruch der Jahrzehnte der Ungepflegtheit zu übertünchen. Man will die Socken nicht ausziehen, um nicht mit dem Teppich in Kontakt zu kommen. Auf einen Sessel legt man ein Handtuch, bevor man sich setzt.

Wie auch immer, ich kam in Aberdeen an, einem schrecklich hässlichen Ort. Das Motel war ebenfalls abschreckend, der Typ am Empfang ist offensichtlich dafür gebacken worden, dem ganzen das i-Tüpfelchen zu verleihen, das Zimmer ist furchtbar. Das war das einzige, was ich unter 180$ bekommen habe 😖.

Also schreibe ich zur Ablenkung Blog und habe vorher versucht, meine Sachen in den Trolley zu bekommen. Aussichtslos, obwohl ich die Salatschüssel schon Julia geschenkt habe. Ich muss jetzt zusätzlich eine Tasche tragen. 🫤

Bin gespannt auf Seattle morgen und mal schauen, ob ich nach Vancouver Island komme, da soll es besonders schön sein.


Wenn ich jetzt noch eine Wahl hätte (habe ich nicht, weil ich die Schiffspassage nicht mehr stornieren kann), würde ich nach Europa reisen und dort noch etwas herumgondeln, z. B. nach Island. Dieses Land ist das viele Geld, das ich hier lassen muss, nicht wert für mein Empfinden. Das war jetzt spannend, Fiktion und Realität abzugleichen, reicht aber eigentlich schon. Es gibt hier wunderbare Natur, aber das langt nicht. Ich habe jeden Tag Sorge vor der nächsten Unterkunft. In Kanada habe ich geguckt, da gibt es Gegenden, wo es bei 400€ beginnt und es gibt einige Kilometer weit keine Alternative. Das ist zu stressig.

Aber🤷‍♀️nun muss ich das beste daraus machen.


 
 
 
  • Autorenbild: Charlotte Tina
    Charlotte Tina
  • 25. Mai 2023
  • 7 Min. Lesezeit

Sonntag, 22. Mai

Nachdem ich morgens ziemlich viel gewhatsappt habe im Bett, bin ich los zu einem Redwood Skywalk mit Kleinkinder-Zoo, 25$. Das war sehr nett, aber wirklich unglaublich überteuert. Am interessantesten fand ich den Roten Panda und am meisten leid getan haben mir die sehr großen Weißkopfseeadler, die kaum Platz hatten und nicht fliegen konnten.

Wusstet Ihr, dass wir ein Paar des amerikanischen Wappenvogels in Berlin haben? Als ich mit unserer Mutter auf der Pfaueninsel war zu einem Spaziergang (einer meiner Lieblingsorte in Berlin), da lernten wir einen Ornithologen kennen, der für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten arbeitete, welcher ja auch die Insel gehört. Der zeigte uns gegenüber an der Havel den Horst des Paares, zu erkennen an den weißen Kackspuren am Baum unter dem Nest. Die haben einen Zweitwohnsitz, ich glaube in Köpenick 🤔Weiß nicht mehr so genau. So ein Nest kann bis zu 2,50m Durchmesser haben.



Weshalb eigentlich stochern die amerikanischen Schauspielerinnen immer in ihrem Essen und dem Magnum-Behälter Eis rum? Warum nehmen sie die große Packung mit aufs Sofa? Es schmilzt und wenn man es wieder einfriert, bilden sich Eiskristalle. Das macht man ein mal und dann nicht mehr? Amerikanische Mysterien, nächster Teil. Nachdem ich jetzt also 2x Pancakes probiert habe, sie für ungenießbar befand und dezent in den Müll habe gleiten lassen, war nun also das Eis dran. Ich hatte weder vor, zu stochern, noch, es schmelzen zu lassen. Muss ich auch nicht, ich sehe ja nicht aus wie Meg Ryan oder Cameron Díaz und dazu wird es auch nicht mehr kommen. In den Supermärkten nimmt das ordentlich Platz ein, die Auswahl war nicht leicht und ich holte das, weil ich zwei Tage in einer Unterkunft war und eine Küche hatte mit Eisfach. Es gab keine kleinere Packung als 1,4l. Kostet aber auch "nur" 7.80$.

Und ich muss sagen, es ist wirklich gut. Und ich bin sehr kritisch bei Eis.

Ja, na ja, vielleicht nicht nur mit Eis, was Lebensmittel angeht, schon gut.

Aber man kann einen Waffelteig einfach nicht mit Wasser anrühren und in einer Maschine so farb-, geschmack- und lieblos produzieren!

Auf die Frage, warum eigentlich alles überdimensioniert ist hier, habe ich sinngemäß zwei fast identische Antworten erhalten: weil wir es können. Es sei so viel Platz da, den könne man doch nutzen. Joa. Kann man. Aber warum einen Pickup fahren, den man nicht braucht und der 20 Liter auf 60 Meilen verbraucht, wenn es auch 6l sein können?

Ich glaube nicht, dass diese Leute freiwillig auf etwas Umweltfreundlicheres umsteigen würden.


Nun, jedenfalls habe ich im Supermarkt eingekauft für zwei Tage, endlich mal wieder kochen (zu den Maccaroni Cheese-ich will nur wissen, ob die besser sind als die englischen. Aber in was für einer Welt leben wir, in der auf einer Packung Käsemakkaroni steht, "echter Käse"?! Jesusmariaundjosef!), 70€.

Es war aber noch einiges an Obst und Gemüse dabei, das ich nicht fotografiert habe. Zum Abendessen gab es leckeres Steak mit frischer Guacamole und viel Tomate.

Provolone ist übrigens stinklangweilig, fast geschmacksneutral.

Auf dem Weg:

Zum Einkommen (weil die Preise mich so umtreiben): mein Bruder Tom hat geguckt. Amis haben in 1/23 durchschnittlich 4.585$ verdient. Deutsche 4.105€. Was kein großer Unterschied ist, aber für den Durchschnitt schon üppig.


Ich bewohnte übrigens das Maisonette-Erdgeschoss eines Hauses und das kostete nur 10€ mehr als das dunkle, muffige Motelzimmer der Vornacht.


Am Montag, 23.5., genoss ich den Vorgarten mit Kaffee und Sandwich, anschließend machte ich mich wandernd auf zum Elch-Parkplatz. Kein Elch. Also zum Trillium Wasserfall durch einen Redwood-Wald. Beeindruckend, kann man gar nicht oft genug sagen. Diese Bäume sind so gigantisch und es ist unglaublich, dass die großen 40-50x so alt sind wie ich es bin. Ich kam mir vor wie Gulliver inmitten dieser Riesen.

Um die Dimensionen noch mal zu verdeutlichen, habe ich auf dem letzten Bild, das den Wurzelballenrest eines umgefallenen Baums zeigt, ein rotes Strich-Ich eingefügt, das war etwa Augenhöhe.

Inzwischen war es wunderschön und sonnig und ich beschloss, die Unterkunft zu nutzen, da sie schon so nett war. Allerdings gab es viele kleine schwarze Spinnen und Spinnen machen mich neuerdings nervös. War dennoch ein formidabler Nachmittag.


Mittags gab es eine leckere Clam Chowder, ich daddelte auf der Bank vor dem Haus vor mich hin, buchte zwei Unterkünfte für die folgenden drei Nächte und eine Walbeobachtung mit dem Boot. Kleines Boot, niedrige Bordwand, maximal sechs Leute, Grauwale. Klingt gut für mich. Und nach Tequila und Eis die dritte Sache, für die ich den Preis okay finde, 55$.


Dann war der nächste Tag, Dienstag, schon wieder da und ich fuhr gleich ab in einen State Park. Und plötzlich links und rechts von mir amerikanische Elche ohne Ende, die in der Sonne faulenzten. Pure Idylle.

Zu den heiligen Gralen des hiesigen "Essens" (konnte ich mir nicht verkneifen🤭) gehören Rippchen und Brisket. Letzteres ist das gleiche Fleisch wie wir es für Tafelspitz verwenden, ein Stück der Hüfte, von dort, wo sie in den Schwanz übergeht. Es wird 5-20 Stunden sehr langsam im Smoker oder auf dem geschlossenen Grill gegart.

Ich hatte mir auf dem Weg den Laden mit den besten Bewertungen rausgesucht und war sehr gespannt.

Auf dem Weg wechselte ich eine Staatsgrenze und war in Oregon.

Die Speisekarte beinhaltete sogar mal einen Salat! Das sieht man hier nicht oft. Kostet auch entsprechend 😆Eigentlich wird immer fettes, kohlenhydratreiches Essen ohne Nährwert angeboten.

Ich bestellte dazu Maismehlbrot, hatte ich auch noch nicht.

Das Essen kam in einem Blechnapf, das ist schon mal nicht so schön. Kein Firlefanz wie eine Scheibe Tomate. Das Brisket war super, zart, aromatisch und saftig, das Cornbread süßlich und fluffig, lecker. Die Rippchen waren nicht meins. Viel zu fettig, gingen zurück.


Nächste Anlaufstelle war eine Tanke. Sofort stand ein Tankwart da. Der erklärte mir, dass es ein State Law ist, dass man nicht selbst tanken darf. Dieses Gesetz stammt von 1947, als Tanken anscheinend noch etwas Herausforderndes war und man hat es noch nicht abgeschafft. Auch sonst stehen plötzlich weitaus mehr Verbotsschilder als in Kalifornien und die Atmosphäre ist anders. An den Straßen stehen oft Wagen der State Trooper oder Sheriffs. Und die Pickups sind zumindest gefühlt noch größer. Es gibt viele Cannabis-Shops. An der Grenze zu Kalifornien werden die Wagen kontrolliert.

Ich ging in einen Walmart, musste ich auch mal sehen. Dann landete ich im Motel, das war ziemlich gruselig. Für 81$ finde ich das, was geboten wird, schon sehr sehr teuer. Auf den Fotos sieht es gar nicht so schlimm aus, aber es roch unangenehm und atmete Trostlosigkeit und Schäbigkeit.

Ich flüchtete und verbrachte Zeit damit, mir den Umpqua Leuchtturm anzusehen (dessen Reflektorfläche innen rot ist, ich sah ihn leider nur von außen), im Ort erfolglos Restaurants abzuklappern nach einer Krabbe und endete schließlich in einem Kleinstadttanteemmaladen. Und da probierte ich die amerikanische Pizza und ein Corn Dog. Das ist ein grässliches, farbloses, wabbeliges Würstchen am Stiel mit widerlichem Maismehlmantel.

Die Pizza besteht aus dickem Boden, fettiger dünner Sauce und wenig Belag.

Also Essen können sie wirklich gar nicht. Landete beides im Müll. Ich habe mir eine Großpackung Säureblocker gekauft, ich habe ständig Sodbrennen hier, obwohl ich im Supermarkt auch Obst und Gemüse kaufe und futtere. Kaffee geht gar nicht mehr. Schmeckt hier aber auch fast nie (entweder viel zu dünn oder viel zu bitter).


Mittwoch 24. Mai

Die vielen Zeitverschiebungen haben mich echt wuschig gemacht, ich kann mir nicht mehr merken, dass Ihr neun Stunden voraus seid. Aber zu meinem 7:00 habe ich immer viele Nachrichten, freue mich und dann liege ich im Bett und chatte erstmal.


Aber dann zog es mich raus, ich frühstückte Tomaten-Käse Stulle und Obst an einem wunderschönen See, beobachtet nur von neugierigen und wunderschönen Vögeln.

In einem Ort namens Yachats pausierte ich nach einem Strandspaziergang und bekam drei Austern mit Ketchup 🤢

Tapfer probierte ich eine und..., na, das erspare ich Euch.

Es blieb bei der einen. Dann hatte ich eine kleine Clam Chowder bestellt, die war auch mies.

Wie schade, so hübsch der Laden, aber die Austern musste ich nicht bezahlen.

In Newport schaute ich durch einen Second Hand Laden, wieder nur abgetragene Lappen.


Und dann kam ich nach Depoe Bay und alles war wieder gut. Super netter Empfang, tolles kleines nachhaltiges Hotel, sehr schönes Zimmer, Balkon, Lounge mit freiem Kaffee, Wasser, Tee und Kamin, Blick auf dem Hafen, von wo aus morgen die Waltour startet. Und dann schrieb ich Blog in der Sonne und dem Wind vom Meer und die Möwen flogen an mir vorbei. Seufz. Gut.

Bei booking sollte eine weitere Nacht deutlich mehr als das doppelte kosten, 256€. Ich ging zur Managerin Julia und fragte nach, sie schaute und ich kann eine dritte Nacht so günstig bleiben. Yeeeeha!


Ich lief los Richtung Downtown und am Gemeindehaus vorbei. Zwei Frauen bastelten an einem sehr großen Irgendwas aus Immergrünen. Neugierig fragte ich, was das würde und sie erzählten, dass sie das zum Memorial Day machten.

Tragische Geschichte: in einem schweren Sturm gerieten zwei Fischer in Seenot. Zwei tapfere Männer zogen aus, sie zu retten. Die beiden starben, die Fischer überlebten.

Aus der Frage wurde ein längeres Gespräch über eine halbe Stunde; Beatrice und Beverly.

Ich zockelte weiter zu Neva's Mart, um Obst und Gemüse zu kaufen; das entpuppte sich als Tankstelle. Das nächste frische Obst kann ich in ca. 22Km Entfernung in Newport kaufen. Alter Schwede! Der Thailänder im Ort war geschlossen.

So gescheitert ging ich also wieder in einen amerikanischen Laden und bestellte ein Southern Fried Chicken Sandwich.

Das labberige, überflüssige Brötchen kam gleich mal auf den kann weg-Haufen. Das Huhn war gut, ich kratzte gierig den Coleslaw und die Gurke zusammen, der größte Teil Pommes kam zum Brötchen.

So geht das nicht weiter! Ich fuhr also noch zum Supermarkt, leidlich gesunde Dinge zu kaufen, die nicht krank machen. Ich suchte ein Brot, das nicht süß ist und fragte schließlich einen Angestellten. (Vollk)ornrot, das nicht süß ist...... 🤔 das wäre ihm noch nie aufgefallen, aber ja, ich hätte recht. Nee, gab es nicht. Also griff ich zu Tortillas, 0% added sugar. Dazu Milchprodukte, Obst, Guacamole, Tomaten, Krabben.

Ich bin gerade so zufrieden, dieses schöne Zimmer zu haben und hier drei Nächte zu verbringen.

Und morgen sehe ich hoffentlich einen Grauwal und vielleicht Orcas!!!

 
 
 
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