- Charlotte Tina

- 6. Juli 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juli 2025
Morgens ging es mir wieder recht gut und ich brach auf Richtung Schweden. Mich beschäftigten Gedanken an Birgit, die heute in Hamburg eine OP hatte. Es lief alles gut, ich bin sehr froh!
Online kaufte ich ein Ticket für die Öresundbrücke (59,83€) und fuhr dann vorbei an Kopenhagen (anfangs noch eine schöne Strecke, wie man auf dem Foto sieht):

Die erste Brücke tauchte auf, beeindruckend. Riesig. Lang. Wahnsinn.

An ihrem Ende, wieder an Land, ein großer Kontrollpunkt mit vielen kurzen Wagenschlangen. Darauf war ich nicht vorbereitet und hatte keine Ahnung, was da passiert. Große Leuchtschilder auf denen Ekspress stand, Kart und Kontanter. Wtf????!!!??
Ich nahm an, dass Kart Kreditkarte bedeutet und hoffentlich nicht, dass da eine spezielle Brücken- oder Mautkarte gezeigt werden müsste, die nur Eingeborene hätten.
Uff, richtig, ich hab ganz schön geschwitzt. Hinter mir zehn Wagen, kein Mensch zu sehen, den ich hätte fragen können, keine Wendemöglichkeit, vor mir die Schranke. Zehn Sekunden später hatte ich 33,61€ bezahlt und die Schranke öffnete sich. Das war die Storebaeltbrücke.
Dann kam die nicht minder beeindruckende Öresundbrücke. Am Kontrollpunkt war ich ja schon eine alte Häsin und nahm lässig die grüne Ekspress-Durchfahrt.
Ich hatte die Nase voll vom Autofahren und beschloss, mir Malmö anzusehen. Bereute ich schnell. Das Hotelzimmer kostet 94€ und ist, na ja, schlicht. Für den Parkplatz bezahle ich bis zum nächsten Morgen 22€.
Ich bezog schnell das Zimmer und schnappte mir dann das Rad. Ich war etwa zwei Stunden unterwegs und Malmö gefällt mir nicht. Klar, es gibt die üblichen paar hübschen Altstadthäuser und Wasser, aber es ist einfach nicht so richtig schön. Neben jeder wirklich schönen Stelle ist eine nicht schöne, die man ausblenden muss. Man kann natürlich Fotos machen, auf denen nur das Schöne zu sehen ist. Insta-Malmö. In den Galerien werden seltsame Sachen ausgestellt. Überall H&M und die anderen üblichen Läden. Der Hafen trostlos. Viele einsame große graue Straßen. Triste Bürotürme. Verlorene einzelne Möwen. Seltsam überfüllte Lokale an den zwei Touristen-Ballungszentren. Eine bedrückende Atmosphäre. Die kleine Stadt fühlt sich unstimmig an. Nee. Aber ich habe ein Frottee-Shirt gekauft. Ich sehe meinen Bruder grün im Gesicht werden, lach. So eins will ich schon seit Jahren haben, gab es nie irgendwo, erinnert mich an unsere Kindheit und gibt mir ein gutes, warmes Gefühl, Modesünde hin und her 🤷♀️

Im Supermarkt erstand ich Kürbiskerne, um meine Blase zu stärken und eine leeeeckere Hefeschnecke mit Kardamom und Zucker.
Ich hatte das Schloß fürs Rad vergessen und fragte einen Malmöer, ob ich es wohl kurz vor dem Supermarkt stehen lassen könnte. Er lachte und meinte "Good luck! But better not".
Dann bekam ich Kohldampf und suchte ein hübsches kleines Restaurant in einer Seitengasse auf, das auf One Pot-Gerichte spezialisiert war. Ich wählte Bibimbap und das war das mieseste Bibimbap ever. Zunächst: alles war kalt. Es war kein Spiegelei darauf. Es war Lang- und kein Rundkornreis. In der Schüssel waren Wakame. Das Fleisch schmeckte exakt wie Dönerfleisch. Es war auch matschiges Kimchi in der Schüssel. In der Mitte war ein riesiger Klecks Creme Fraiche (!). Es gab nicht mal einen Hauch von Sesam und keine Gochujang-Paste (!!), sondern thailändische Chilisauce. Koriander war darauf verteilt und Röstzwiebeln und dann auch noch die eingelegten Gurkenscheiben, die in Hot Dogs zu finden sind (!!!). Wi-der-lich! 🤢15,91€ Aber der Apfelmost war köstlich. Und hier habe ich mal vorgeführt, wie man ein enttäuschend schlechtes Essen so in der Luft zerreißt, dass niemand mehr zu widersprechen wagt 😉😂
Danach verstaute ich das Rad wieder, schnappte mir Notebook und Handy und setzte mich an den Blog in der Lobby bei einer Tasse Kaffee. Das hat mich drei Stunden gekostet. All meine vorbereiteten Texte waren gelöscht, ich musste über 100 Fotos hochladen. Ohne WLAN ist das mit dem Blog nicht so einfach, macht Euch auf immer wieder längere Pausen gefasst und abonniert den Blog, dann bekommt Ihr bei Neuveröffentlichungen eine Mail.
Ich verlasse die Stadt morgen früh schnell und mir ist immerhin klar geworden, dass ich gar keine Lust auf Stadt habe, sondern in die Natur will.
- Charlotte Tina

- 6. Juli 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. März 2023
Eigentlich wollte ich mir ja ein Brompton kaufen. Das Nonplusultra unter den Falträdern. Das Nonplusultra ist gebraucht allerdings kaum unter 1.000€ zu haben, neu ab etwa 2.000€.
Mein Bruder Thomas sagte, "nimm doch mein Faltrad, 0 Euro!". Ich war skeptisch und dachte, naaaaa, so ein billiges Ding?
Aber, auf nach Kleinmachnow zu meiner Familie (bei der Gelegenheit habe ich gleich den Reifen des Wagens am Bordstein kaputt gefahren....) und siehe da, klasse Teil. Was denke ich auch, ich kenn doch meinen Bruder?!
Es hat neun Gänge, drei mehr als das beste Brompton. Es wiegt 2,5Kg weniger und ich bekomme es in etwa 20 Sekunden auf- und abgebaut. Es in seiner Tasche zu verstauen dauert länger. Nun reist es neben mir und der imaginären Edda (check die Kommentare) auf dem Beifahrersitz.
Mein Abendessen sollten Kartoffeln mit Quark, Leinöl und Salat sein, der nächste Laden: 18 Km entfernt. Nachdem ich mich dran gewöhnt hatte, war es erstaunlich. Ich bin etwa 40Km durch die schönste Landschaft gefahren und es ging richtig gut.
Vor einem Hügel überholten mich Fahrrad-Ken und Fahrrad-Barbie in identischem Lidl-Profipärchenoutfit auf identischen, mittelteuren Trekkingrädern und belächelten mich milde auf dänisch. Auf dem Hügel ließ ich sie dann hinter mir. Es war ein Fest. Alles andere wäre gelogen (sie überholten mich später aber wieder, das muss ich fairerweise erwähnen).
Als ich zurück war, regnete es wieder, dann wieder schönster Sonnenschein. Also erneut zum Meer und da muss mich eine Qualle erwischt haben, jedenfalls hatte ich etwa eine Stunde später heftige allergische Reaktionen auf beiden Armen und schlimme, äh, Magen-Darm-Beschwerden. Kein schöner Abend.
Ich kochte meine Kartoffeln in der tollen Gemeinschaftsküche. Mir gegenüber ein Papa mit seinem Zehnjährigen, der an diesem Tag Geburtstag hatte. Neben ihrem sehr großen Topf stand ein großer Eimer. In dem Eimer bewegte sich etwas.
Ich + Küche = stinkneugierig. In einfachstem Englisch wurden die Infos ausgetauscht. Geburtstag Sohn, 3 frische, lebende Hummer, Fischer aus dem Hafen, an dem ich am Morgen war, 23€ das Kilo. JAUUUUUUUUL! Ich liebe Hummer, der Preis ist sensationell, der Fischer verkauft sie jeden Tag um 13:00 an seinem Schiff. Die Info dazu war auch am schwarzen Brett, aber nur auf Dänisch. Seufzer. Sehr großer Seufzer.
Ich war froh, bald einzuschlafen, als ich das Sanitärhäuschen endlich verlassen konnte.
Und es ist übrigens erstaunlich, was man alles Ekelhaftes mit und aus Lakritze herstellen kann....
Die Wolken sehen auf den Bildern dramatisch aus, und das ist auch tatsächlich so, deshalb fotografiere ich so viele Wolken. Das iPhone gibt ein Tüpfelchen Drama noch obendrauf.
- Charlotte Tina

- 6. Juli 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Juli 2022
Mein erstes Auto, mein fast erster Campingplatz, die erste Nacht im Wagen.
Berlin - Holnis (Glücksburg) waren 460Km, eine ordentliche erste Etappe.
Nachdem ich eingecheckt hatte bin ich schnurstracks in die Ostsee gelaufen (kennt man ja: 10m, 20m, 30m......immer noch maximal knietief), habe mich hingelegt und schön kühlen lassen.
Deutsche Camper sind ein geselliges und neugieriges Völkchen, scheint mir. Mein Auto ist jedenfalls immer wieder Anlass für sehr interessierte Blicke und Fragen. Sobald ich die Heckklappe öffne, pirschen sie sich (Männer) an. Sehr nett. Die eine Hälfte. Die andere höchst spießbürgerlich (in diesem Fall eher die Frauen). "Das Geschirr in diesem Becken abzuwaschen ist verboten!" Jesusmariaundjosef.
Die Magnetthermomatten waren wirklich absurd teuer (514€), aber nun kann ich sagen, dass sie ihr Geld wert sind. Es geht ratzfatz, sie sind passgenau, die schon in Berlin geklebten Magnete halten bestens, es ist tatsächlich nur ein Anwerfen und fertig. Super!
Die Frischluftgitter (100€) für die vorderen Fenster sind auch hervorragend. Ich habe einbruchsicher ausreichend Luft und es bildet sich nachts kein Kondenswasser.
Zum Mittag-/Abendessen gab es Tomatensalat mit Mozzarella, frischem Zitronensaft und reichlich Knoblauch, lecker.
Der Futon ist prima, mein Rücken meckert weniger als zu Hause, er ist schön fest. Die erste Nacht war trotzdem sehr holprig, weil ich im Wagen alle Geräusche um mich herum sehr deutlich höre und weil ich, sobald ich liege, ein Blasenproblem habe. Quälend zuweilen, ich habe zwar ein Reiseurinal, aber bis zu zehn Mal die Nacht ist unschön, die Handhabung auf so beengtem Raum ist nicht so einfach und ich bekomme wenig Schlaf.
Tag 2
Am Montag fuhr ich in größter Zuversicht, recht bald knusprig-zartes dänisches Gebäck genießen zu können, zurück nach Flensburg und über die Grenze nach Dänemark. In Odense, 130Km später, bekam ich dann mein erstes ersehntes Teilchen, eine köstliche Marzipanschnecke. 1,5h Parken übrigens 6,91€. In den Einrichtungshäusern in Skandinavien könnte ich Großaufträge aufgeben. Maßlos gaffend stand ich vor den Schaufenstern. Soooo viele schöne Dinge.
Im Café suchte ich meine nächste Unterkunft, einen wie sich herausstellte wunderschön gelegenen Campingplatz auf Fyn, am nordöstlichsten Zipfel der Insel.
Ich fuhr durch eine sommerlich sirrende Landschaft in kontrastreichen Grüntönen, zwischendurch gab es kurze Ausblicke auf das glitzernde Meer, herrlich. Für 19€ bekam ich einen riesigen Stellplatz, alles inklusive. Außer WLAN.
Ich hüpfte ins Meer, das bei anfangs bewölktem Himmel aussah wie flüssiger, kalter, sich kräuselnder Stahl und recht frisch war, saß später auf einem sonnenwarmen Stein über den Nachmittag, beobachtete Menschen und Hunde und die sich verändernde Farbe der Wasseroberfläche. Eine Möwe versuchte mich zu umzingeln, gab aber auf, als ihr die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens klar wurde.
Ich futterte ein Pfund praller, süßer dänischer Kirschen.
Ein Mann in einem Camouflage-Neoprenanzug kam an den Strand, setzte einen Speer aus Metall zusammen, seinen Schnorchel auf und ging ins Wasser. Etwa eine Stunde später entstieg er den Fluten mit einer Scholle mit Loch im Bauch. Alter Däne, martialisch.
Dann brüllte ich mich sehr nett mit einer reizenden älteren Dänin an, die ihr Hörgerät vergessen hatte und begeistert von ihrer Hurtigruten-Tour nach Norwegen berichtete.
Schön hier, sehr nette Leute, da bleibe ich noch eine Nacht.
Den Abend ließ ich bei einem spanischen Weißen in der milden Abendsonne ausklingen und ging früh ins Bett. Es liegt sich wunderbar kuschelig im Auto und sehr bequem. Liegend kann ich in den Himmel sehen, es ist sehr schön.



















































































































































