- Charlotte Tina

- 14. Aug. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Aug. 2022
Tag 41, Freitag
Flossiemouth war bei Licht betrachtet nicht weiter erwähnenswert. Der Strand ist schön lang. Aber auch hier spielen viele Leute Golf, wie überall, wo ich bislang war. Golfplätze ohne Ende, an dem von Trump kam ich auch vorbei.

Ich machte einen kleinen Abstecher zu einem Fort, besichtigte es jedoch nicht. Militaria sind nicht so meins, keine Ahnung, was mich da geritten hat. Romantische Verklärung?
Das Titelbild habe ich übrigens gewählt, weil Bonnie Prince Charlie für mich für Schottland steht und hier immer wieder präsent ist.
Acht von zehn Leuten nennen mich Darling (in Läden, Cafés, auf der Tankstelle...), in ernsteren Situationen Dear, also wenn ich etwas (sprachlich) nicht sofort verstehe beispielsweise. Dann komme ich mir gleich etwas gehandicapt vor, also geistig nicht sooo rege.
Wenn es wirklich ernst wird, heißt es plötzlich Madam.
Beispiel:
Ich will für heute Abend einen Campingplatz reservieren, für einige in einem Zusammenschluss gibt es eine Sammelrufnummer. Ich bat also um eine Reservierung für ein Auto. Sie: ein Auto und ein Zelt. Ich: nein, nur ein normales Auto, kein Strom, kein Wasser. Sie: also ein Caravan. Ich: nein, ein Auto. Sie: dann ginge das nicht, täte ihr so leid. Ich: äh, wieso? Sie: because it is not the purpose of a car. Madam (! Na, Prinzip ist klar, oder?) Ich: doch, von meinem schon, es ist ein Bett drin. Sie: also ein Caravan. Ich („aaaaaaaargghh!!!): nein, ein normales Auto. Sie: es täte ihr so leid, es wäre alles fully booked. Madam.
Schottland.
Ich bin jetzt in den Highlands, kurz vor Inverness (Betonung auf der letzten Silbe) informierte mich ein Schild darüber. Es hat sich nichts geändert. Mir ist klar geworden, dass das hier alles viel, viel kleiner ist als Skandinavien und ich bei den gewohnten Etappen ratzfatz durch bin. An der breitesten Stelle misst das Land gerade mal 250Km (an der schmalsten lediglich 39).
Loch Ness liegt übrigens bei Inverness, aber da Nessie wohl Sommerferien hat, habe ich den See ausgelassen.
Bei einem großen Sainsburys ging ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach, Supermarktbummeln. Ich frage mich immer, weshalb es bei uns so wenige Dinge mit Stachelbeeren gibt, hier finde ich immer die köstlichsten Kreationen: Joghurt, Marmelade (der Kracher mit Clotted Cream zu Scones), Kuchen.... Der schottische Büffelmozzarella ist sehr gut, ziemlich fest, hervorragend im Geschmack.
Vor dem Supermarkt kam mir ein Briefkasten mit fantasievoller Haube vor die Linse. Guerilla Knitting?
In Inverness bummelte ich zwei Stunden durch die Gegend, hat mich auch nicht vom Hocker gerissen. Allerdings gab es dort ein riesiges Buchantiquariat und die hatten auch viele Karten, aber nicht das, was ich wollte und teilweise auch vom Anfang des letzten Jahrhunderts. Nicht besonders hilfreich. Mir fiel erneut auf, wie in den anderen Orten im UK, in denen ich war, dass es viele Second Hand Shops und Cafés gibt, die der Unterstützung bestimmter Gruppen oder von Tieren dienen.
Na, der Westflügel eines Schlosses zum Schnäppchenpreis?
Dann stand ich vor der Entscheidung, den Rest Norden auch noch ansehen oder durch die Highlands an die Westküste? Die Highlands, die Isle of Skye (Skye gehört zu den Inneren Hebriden, falls sich jemand schon mal gefragt hat, wo die eigentlich sind) und die baldige Fährfahrt nach Irland haben gewonnen. Ich bin seeehr gemütlich und nur die kleinen Straßen gefahren, meist einspurig, mit Passing Places beidseitig alle paar Meter, also einer fährt immer in eine schmale Bucht und lässt den Entgegenkommenden vorbei. Klappt sehr gut. Würde bei uns vermutlich zu zusätzlichen Verkehrstoten führen.
Vor der Brücke zur Insel habe ich auf einem Parkplatz mit spektakulärer Aussicht auf Loch Alsh gehalten und Balu zum Schlafen fertig gemacht. Das wird meine erste Nacht wild (ist in Schottland erlaubt). Ich hab vielleicht ein bisschen Angst?
Tag 42, Samstag
Ging alles gut, auch wenn es mir etwas zu laut war.
Skye ist winzig. In sechs Stunden bin ich bis zum nördlichsten Punkt gefahren und zurück und in den Süden zur Fähre, größtenteils auf einspurigen Straßen, habe oft angehalten und dennoch. Die Insel ist verseucht von uns Touristen, Heuschreckenschwärmen gleich. An den schönen Stellen werden die Busse ausgekippt bzw. die großen Mietwagen vieler Asiaten und natürlich die Womos. An manchen Orten habe ich keinen Parkplatz bekommen. Das fand ich alles wenig erbaulich, auch nicht die Asiaten, die über Stacheldrahtzäune und abgesperrte Gatter auf offensichtlichen Privatbesitz stiegen, um den Platz für das beste Foto zu erreichen.
Skye ist, zumindest für mich, nicht sooo der Burner. Hübsch, ja, aber keine schönen und auch zugänglichen Strände, viele Zäune und Stromleitungen. Die vielen alten Steine in Schottland sind toll, die neueren Häuser sind alle beige, grau oder greige und sehen aus wie aus den Katalog. Es wirkt oft sehr zersiedelt. Was mir fehlt, ist Farbe. Es gibt nix Buntes.
Und etwa 60% der Insel lag unter teilweise sehr dichtem Nebel.
Dennoch entspricht die Insel eher meiner Vorstellung von Schottland, als der Teil der großen Insel.
Auf Skye sind Balu und ich auf 10.000Km gekommen. Braves blaues 🚙
Es gibt hier sicher mehr Schafe als Einwohner, aber nun muss ich immer denken, nachdem ich die Zutaten im Detail kenne, Haggis auf vier Beinen…..
Ich machte einen Bummel durch Portree, war aber auch nicht erinnernswert schön.
Eine Bucht habe ich gefunden (An Corran Beach) zum Baden, die lag im Nebel, Busse wurden ausgekippt und eingeladen, am Strand Schotten und ich in Badesachen, ein skurriler Anblick.
Das mit den vielen Menschen gefiel mir wie gesagt nur mäßig, und ich wollte die Fähre von Armadale nach Mallaig nehmen. Ich hatte Glück, auf die letzte zu kommen, in Schottland ist im August High Peak. Ich hatte nur nach Ferien in Irland geguckt, wollte ja eigentlich nicht nach Schottland, die sind da im Juni und Juli. So kann’s gehen🤷♀️Deswegen gibt es auch nirgends Schlafplätze, ich hab mich schon gewundert.
Was ich übrigens, mal etwas zusammenhangslos eingefügt, gern noch machen möchte ist, in einem Schloss zu schlafen und in einem Leuchtturm.
In Mallaig also von der Fähre und dann wollte ich einen schönen Platz finden. Unmöglich. Zum einen gibt es wirklich wenige Parkplätze. Vor dem einzigen Supermarkt im Umkreis von 40Km vier. Ein Bezahlparkplatz ein ordentliches Stück weg. Die wenigen anderen natürlich besetzt. Viele Parkverbote. An den schönen Stellen: alles voll, lauter Schotten und Briten mit Autos und Wohnmobilen, so eng, da passte keine Briefmarke dazwischen. Und da so viele Straßen einspurig sind, kann man auch nirgends am Rand parken, es gibt einfach keinen.
In einem sehr kleinen Ort tauchte ein passend proportionierter Spar Laden auf mit einem reizenden älteren Mann hinter der Kasse. Ich kaufte ein schottisches Ei, wollte ich schon immer mal probieren (ein hartgekochtes Ei in Bulettenmasse; ziemlich uninteressant). Er flötete "Its a lovely day, Darling, isn’t it?!" Ein entzückendes Stereotyp, das einem fast überall begegnet.
Also habe ich irgendwann einfach an einem freien Parkplatz gehalten. Dann bin ich ins Gebüsch, um Geschäfte zu machen. Als ich in Balu lag, juckte es plötzlich in der Kniekehle. Angeschwollene, gerötete Stelle. Und mittendrin saß eine sehr kleine Zecke, vielleicht 2mm groß. Ich hasse Zecken. 🤢 Ich habe sie mit der Pinzette raus gerupft. Es ließ mir keine Ruhe, also Bestandsaufnahme im engen Auto mit der Taschenlampe vom Handy und einem Handspiegel. Das war eine Situation, in der man eher froh ist, nicht gesehen zu werden. Insgesamt waren es sieben (!) von den kleinen Biestern. Jesusmariaundjosef. Es juckte die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag, Psycho. Jetzt, liebe Impfgegner, bin ich froh und dankbar, dass ich mich gegen Zeckenbissfolgen noch habe impfen lassen und dass es das gibt.
Tag 43, Sonntag
Ich fuhr 350km bis Portpatrick ins Hotel Fernhill. 142€ mit Halbpension, also Menü zum Abendessen und Frühstück. Reserviert habe ich Fähre und Hotel gleich morgens mit dem ersten tauglichen Empfang aus einem sehr großen Bedürfnis heraus nach zivilisatorischen Errungenschaften.
Das war eine der besten Duschen ever! Hätte ich eine Drahtbürste gehabt, ich hätte sie benutzt.
Mein Zimmer hat einen großartigen Blick 😃
Im Hotel darf ich netterweise in der Waschküche Waschmaschine und Trockner nutzen.
Um 18:30 gibt es Essen, bis dahin habe ich hoffentlich den Blog fertig, danach geht es noch zum Wäsche einsammeln.
Gerade lese ich den Kommentar von Pavel, lach. Ich bin wegen der Feriensituation hier leider hauptsächlich auf Sandwiches, Scotch Egg, Crisps, Äpfel und Scones ausgewichen. Aber heute wird auf jeden Fall das Dinner dokumentiert und in Irland will ich unbedingt lecker essen und hoffe auch auf Austern. Ich gelobe Besserung.
Bislang am schönsten fand ich in Schottland, neben der beeindruckenden, schroffen Ostküste, die Straßen zwischen Mallaig und Fort William. Tolle, abwechslungsreiche Landschaft.
Und morgen geht es nach Irland, ich freu mich darauf. Vom Wild Atlantic Way träume ich schon seit ein paar Jahren, ich will ihn komplett abfahren. Linksverkehr ist übrigens kein Thema mehr, heute habe ich keinen damit zusammenhängenden Fehler gemacht und musste mich auch nicht mehr bewusst erinnern.
So, das Abendessen:
Sehr nett eingedeckt, vorweg wählte ich die gegrillte Makrele, dann die Süßkartoffelsuppe, dann lernte ich am Nachbartisch Andrea und Simon aus Newcastle kennen, die ein verlängertes Wochenende machen, sechs Kinder haben und in jeweils zweiter Ehe einen sehr glücklichen und vor allem lustigen Eindruck machen. Ich bekam dann eine Perlhuhnbrust (für Guinea Fowl musste ich Deepl bemühen) mit Blutbonbons und statt eines Desserts wählte ich die Käsevariation mit Crackern (der Blue Stilton war mein Favorit). Die Blutbonbons habe ich hin und her geschoben, Simon meinte, sie seien köstlich, also habe ich mich überwunden, die Neugier gewann den zweiten Platz, die Serviette den ersten….. Das war (fast) alles sehr lecker und schön angerichtet.
Zur Begleitung entschied ich mich für einen Pinot Grigio Rosé, passte gut. Die beiden anderen Vorspeisen auf den Fotos waren von Andrea und Simon, Special für Pavel😉
Ein sehr schöner Abend, mein Englisch ist so grottig, dass ich mich schäme. Vor acht Jahren sprach ich flüssig. Alles weg, mir fallen die einfachsten Worte nicht ein. Ich bin völlig raus. Früher war ich in der Lage, zu umschreiben, geht nicht mehr. Miaou.
Schlaft alle schön 💤💫🌚
- Charlotte Tina

- 11. Aug. 2022
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Aug. 2025
Tag 36
Schweren Herzens nahm ich nach einem schönen Frühstück Abschied von der Villa in Aurich und fuhr in die Niederlande. Erst wollte ich nach Amsterdam, merkte aber schnell, dass der Gedanke an Stadt mich unfroh machte und ich da eigentlich nur hin „wollte“, weil das möglicherweise anderer Menschen Erwartung entspräche (Oooh, Amsterdam, toll! Das kannst Du doch nicht auslassen, wenn Du da bist, so eine schöne Stadt!). Ja, die Stadt ist schön, ich war schon 2x dort, aber ich will Natur und Ruhe bzw. natürliche Geräusche. Also bin ich kurzerhand nördlich von Amsterdam gefahren und habe mir direkt hinter der Düne einen Campingplatz gesucht (23€).
Ich lief ans und fast direkt ins Meer, es war herrlich mit den Wellen, dem feinen Sand, dem Wind. Aber auch recht voll. Nach dem Check-in bin ich noch mal rein.
Im Sanitärgebäude lernte ich Nicole aus Waldorf bei Heidelberg (SAP-City) kennen (merke: unterschätze nie die Sozialfunktion von Toiletten). Wir verabredeten uns für später auf einen Wein.
Dabei lernte ich dann ihren nicht minder netten Mann Tom kennen, den 20 Jahre alten, unglaublich niedlichen, fast blinden und inkontinenten Sparky (Hund) und seinen Kumpel Boomer, der mich immer wieder zerfleischen wollte, davon Abstand nahm, als er etwas Käse und Leckerlis von mir bekam; danach wollte er mich wieder zerfleischen. Hunde sind eben auch nur Menschen.
Tag 37
Morgens machte ich einen einstündigen Spaziergang am um diese Zeit fast menschenleeren Strand. Meine Hüfte streikte leider, ich wäre gern stundenlang weiter gelaufen auf dem festen Sand, den die Ebbe zurückließ. Ich stieß auf eine grotesk große Qualle (zum Größenvergleich meine Sandalen Gr. 41 im Bild).
Auf einer Bank machte ich die Bekanntschaft des 68jährigen Niederländers Hans und seiner Berner Sennhündin Senna.

Er hat seit 35 Jahren einen Dauerplatz, das kostet im Jahr dort 2.200€. Wir unterhielten uns und er lud mich auf einen Kaffee ein. Da ich noch eine Stunde hatte, neugierig war, er einsam zu sein schien und ich noch keinen Kaffee gehabt hatte, nahm ich gern an. Er hat es da schon irgendwie ganz schön, aber das wäre absolut nicht meine Welt, auch wenn er mir Avancen machte und deutlich betonte, dass seine künftige Partnerin natürlich partizipieren würde an dieser seiner Oase….
Ich verabschiedete mich von Nicole (die übrigens Konditormeisterin ist und Grafikerin) und Tom (Orthopädietechniker), hoffe unbedingt, dass ich sie mal wiedersehe, und zockelte los zur Fähre. Viel (!) zu früh, aber ich war sehr aufgeregt, meine erste „richtige“ Fährfahrt allein und mit Auto. Wie mit vielen Dingen, die man zum ersten Mal macht, manchmal über Gebühr im Vorfeld aufregend.
Klappte alles sehr gut, war bestens ausgeschildert, viel Personal und das sehr nett und entspannt, die Kabine finde ich richtig kuschelig, auch, wenn ich das Bullauge nicht öffnen kann 😬
Dann leistete ich mir in der Bar auf Deck 10 (wie, Star Trek??? Wie Zehn Vorne, nur im Heck?) eine Tango. Wie Fanta, ohne Zucker, eiskalt. Es sind 20 Grad, aber die Sonne brezelt, dass es sich anfühlt wie 35 🥵 Das Schiff legt erst um 17:30 ab, es ist 15:00, also habe ich ein Buch dabei, meine FFP3-Maske (die ich drinnen trage, weil viele Menschen auf sehr engem Raum und isch schwöre, dass ich die einzige Person an Bord zu sein scheine, die das tut. Nachtrag: nachdem ich viel über das Schiff stromere, habe ich noch drei gesehen) und versuche mal, zu lesen.
Ach, und ich habe vorsichtshalber ein Scopoderm Pflaster hinter mein Ohr geklebt.
Das ist ein Mittel gegen Seekrankheit, das über die Haut aufgenommen wird. Ich war nur ein Mal im Leben seekrank, warum auch immer, auf dem Ausbildungs- und Prüfungstörn für den SKS. Abgesehen von der Kotzerei ist einem so schwindelig, dass man wirklich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, es war schrecklich, riiiiichtig schlimm. Das wünscht man niemandem. Obwohl. Ich bin ja nicht Mutter Theresa, Nora und Leopold können das gern mal ausgiebig erleben. Jedenfalls: das ist verschreibungspflichtig und effektiv. Empfehlung.
Wahnsinn!!!! Ich bin auf dem Weg nach Schottland und Irland, wie krass ist das denn?!?! Das fühlt sich jetzt aber schon sehr nach Abenteuer an.
Auf dem Deck setzte sich die Holländerin Anisha zu mir. Sie hat eine so unglaublich positive, schöne und farbenfrohe Ausstrahlung, dass ich sie um ein Foto bat und das auch veröffentlichen darf.
Da meine Erfahrungen mit Schiffsessen weniger als bescheiden sind, habe ich in dem Supermarkt, den ich natürlich abgrasen musste (wusstet Ihr, dass Bonne Maman nicht nur Konfitüren, sondern auch eine Nuss-Nugat-Creme herstellt? Ich nicht. Ich hab ein Glas in der Mitbringsel-Kiste. Wer das Glas anfragt über die Kommentarfunktion, der bekommt es. Bei Interesse von mehr als einer Person verlose ich es feierlich mit mir), Salat und Obst gekauft (na, wer hat nach dem Satz in der Klammer den Anschluss gefunden?).
An Bord gab es ein großes Angebot an Unterhaltung: Kino, Duty Free Shop (in dem ich einen Steckeradapter gekauft habe und die kleinst mögliche Toblerone), Spielautomaten, Bars, Live Musik, Kinderbespassung… ich hab das Schiff von unten bis oben abgegrast und mich dann mit einem 43er in die Abendsonne geflaggt. Wind, Wasser, toll.

Ich wurde schon ein paar Mal nach der Verständigung gefragt. Ich hatte noch nie ein Problem. Irgendeine gemeinsame Sprache oder Worte finden sich immer, Zeichensprache funktioniert auch zur Not. Mein Englisch? Good enough not to starve 😉
Tag 38
Am Dienstag legte die Fähre dann um 9:30 Ortszeit (10:30 kontinentale Zeit) an und es gab Passkontrollen, das dauerte ewig.
Den ersten Kreisverkehr habe ich überlebt, beim zweiten war es knapp, weil ich bei der Einfahrt nicht nach rechts geguckt habe. Ich fuhr nach Amble, einem netten kleinen Ort mit Hafen und Fischerei. Und wie es der Zufall so wollte, werden da Hummer aus Larven gezüchtet und im Restaurant daneben gab es einen ganzen fangfrischen Lobster für 48€ mit Pommes, Salat, zerlassener Knoblauchbutter und einem Wasser. Was soll ich sagen? War nicht verkehrt.
Aus den Larven werden gaaaanz kleine Hummerbabies, auf den Fotos in den weißen Behältern. Sie haben eine Länge von ca. 1,5-2cm. Anzuschauen war der gesamte Prozess bis 600g. Unter den zahlreichen Buden im Hafen war auch eine, die Softeis aus regionaler Milch verkaufte. Die kleinste Größe (selbstredend) wurde meins, mit einem Cadbury Flake drin.
Anschließend fuhr ich weiter nach Norden bis Dunbar, bekam einen Platz mit Blick aufs Meer und ging zum Strand. Ein sehr nettes älteres Paar aus Birmingham gab mir am Abend viele interessante Tipps für Schottland, hab ich alles fein säuberlich notiert.
Tag 39
Um 8:00 war ich auf der Straße, fuhr von der A1 ab, weil Haddington einfach nett klang und frühstückte einen geeisten Cappuccino auf dem Marktplatz. Beim Bäcker kaufte ich eine Chicken Pie (noch kochend heiß) und eine Strawberry Tarte für später. Köstlich, diese Pies haben sie einfach drauf. Knusprig außen, innen samtig cremig, der Deckel zartblättrig-buttrig.
Zum ersten Foto: ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Kuh wirklich dort wohnt 🤔
Na ja und das Erdbeertörtchen flüsterte mir zu: „Nimm mich, ich bestehe doch fast nur aus Obst!“. Die Größe des Bildes verhält sich umgekehrt proportional zu meinem schlechten Gewissen. Was eigentlich albern ist, weil ich im Land meines Lieblings-Fastfoods bin und einfach nicht nein sagen kann zu so vielen Dingen.

Bei einer Tankstelle wollte ich eine Karte kaufen. „A map??? Nobody uses a map, they all use their phones“. Kopfkratzen, drei Angestellte und zwei Kunden überlegten, wo man etwas derart Exotisches auftreiben könnte. Also weiter mit Handy-Navigation. In St. Andrews blieb ich etwas länger, spazierte durch den hübschen und geschäftigen Ort, begleitet vom Schreien der Möwen. Ich trank meinen ersten Tee und hatte im Café leidlich Wifi, aber nicht gut genug. Ich sah Dinge, die ich eher ungewöhnlich fand, so einen offenen Waschsalon auf einer Tankstelle.

St. Andrews fand ich so nett, dass ich zwei Mal Parkscheine nachlöste für insgesamt über drei Stunden. Beim Friseur war ich auch, weil meine Haare durch die intensive Sonne im Norden stark gebleicht sind und trocken. Mir gefällts (33£=39,22€).
Das Städtchen kann ich für ein, zwei Tage entspannt in sehr schöner Atmosphäre sehr empfehlen. Es gab viele sehr hübsche kleine Läden mit lauter hübschen Dingen, die man unbedingt braucht, wenn man sie erst einmal gesehen hat. Tolle Bausubstanz, genau so, wie man sich England vorstellt.
Ich bin gespannt auf die Highlands, die einen ganz anderen Charakter haben sollen. Ich bin nun kurz vor Aberdeen, die Landschaft ist weit, leicht hügelig, spätsommerliche Gelbtöne der abgeernteten Getreidefelder dominieren das Bild. Die Fahrt durch Dundee fand ich enttäuschend. Das, was ich gesehen habe, war ganz schön runter gerockt. Hat bestimmt auch nette Ecken, die ich eben nicht gesehen habe.
Eigentümlich für mich ist, dass fast nirgends Gelegenheiten zum Anhalten geboten werden. Ich habe sooo viele schöne Motive verpasst, seufz. Aber auf den Schnellstraßen gibt es nur ab und zu unattraktive, kurze Haltebuchten und auf den Landstraßen ist meist auf beiden Seiten eine Hecke, niedrige Steinmauer oder ein Feld mit Gestrüpp davor. Bis man halten könnte, liegt das Motiv endlos hinter einem.
Da mein Navi zwar noch Deutsch spricht, aber alles in britischen Maßen angibt, habe ich mir (ALLE überholten mich, weil ich zu niedrig im Kopf umgerechnet habe) einen Zettel aufs Lenkrad geklebt mit den am häufigsten auftauchenden Angaben.

Nach einem Tag komme ich gut damit zurecht, dass hier 100% Geisterfahrer unterwegs sind (den kanntet Ihr noch nicht, hm? Ha ha!). Allein in Linkskurven denke ich ab und an panisch, gleich kracht einer frontal in mich rein. Wird sich in zwei Tagen auch gelegt haben.
In solchen Momenten klopfe ich mir innerlich auf die Schulter und sage mir, siehste, bist doch ne echt coole Socke. Und dann passiert mir natürlich sofort etwas unfassbar Ungeschicktes oder Peinliches und ich bin ganz flott wieder ich.
Die Nacht verbringe ich in einem Bed&Breakfast (94,59€), soweit ich mich erinnere, zum ersten Mal. Eigentlich wegen der Angabe, dass es Wifi gibt. Ha ha, eigentlich schon, nur heute nicht, eine Störung. Menno!
Sehr nett, wie ein privat geführtes kleines Hotel. Übernachtungen sind hier in Schottland bemerkenswert kostspielig, im Durchschnitt in der ländlichen Gegend um die 200€. Das ist hier eine Farm inmitten von Feldern, ich sitze schön draußen, die Gastgeberin Michelle umsorgt einen sehr nett und persönlich.
Hier noch der aktuelle Stand der Route:
Ich habe den Anbieter der App angeschrieben, weil keine Fahne für Schottland auftaucht. Sie dachten, Schottland ist England und hat die gleiche Flagge, wie auch Irland. Mal schauen, ob sie das anpassen, ich bin ja begeistert von der Darstellung. Leider gibt es auch in der Bezahlversion keine Fähre, also das Segelboot, ich nehme an, das hat sich der Großteil schon gedacht, segelt synonym für die Fähre.
Während ich da so saß und in mein Handy tippte, gesellte sich ein Ehepaar aus Kalifornien zu mir nach draußen. Anfangs tauschten wir den üblichen Reise-Smalltalk aus, als dann Bemerkungen kamen, ich solle nicht mal die Hälfte dessen glauben, was die Presse schreibt über die USA und Trump und es um Abtreibung und Waffen ging, bekamen wir uns ziemlich in die Haare. Sie sind dann irgendwann, noch höflich, aufgestanden. Es sollte ihrer Meinung nach keine strikteren Waffengesetze geben. Die vielen Toten gingen ja auf das Konto der Menschen, nicht der Waffen. Sturmgewehre seien nun auch nicht mehr so leicht zu erwerben. Vielleicht bin ich ja arrogant und doof, aber bei so viel ignoranter Dummheit (aus meiner Sicht) ging mir die Hutschnur hoch. Meine Argumente haben sie nur genervt (sie) bzw. nicht interessiert (ihn). In Deutschland würden z.B. Diebe ins Gefängnis kommen, in den USA aus Kostengründen rein und gleich wieder raus. Deshalb bräuchten wir keine Waffen. WTF?!
Beim Thema Abtreibung waren wir uns erstaunlicherweise einig.
Tag 40
Das B&B Chapel of Barras bietet ein kontinentales und wahlweise ein schottisches Frühstück an, das auch das Nationalgericht Haggis beinhaltet. Nun bin ich ja grundsätzlich an allen neuen Gerichten interessiert, aber das fällt für mich in die Rubrik Affenhirn. Hier die Zutatenliste für Haggis:
Schafsmagen, -leber, -herz, -hirn, Hafermehl, Nierenfett, Zwiebeln, Cayenne, Muskat, SP.
Der Internetausfall betraf auch das Zahlungsgerät, ich musste also 20Km zu einem ATM fahren, um ausreichend Cash zu holen. Dafür habe ich 5 £ erlassen bekommen, Brownies und eine kleine selbstgemachte Himbeermarmelade mit auf den Weg bekommen. Hmm.
Mein Weg führte am Crawton Wasserfall entlang:
Und für den Eintritt zum Dunnottar Castle berappte ich 9.50 £ Eintritt , die dafür auch in Ordnung waren.
Ich fuhr über Stonehaven, in dessen Hafen Kinden mit Enten (echten) badeten, an Aberdeen vorbei auf dem Coastal Trail nach Norden. In Fraserburgh gab es für mich seit langem mal wieder Fish & Chips, mit reichlich Malzessig habe ich sie im Hafen gefuttert.
Erstmals wählte ich eine Übernachtung fast ausschließlich nach dem Kriterium Internetqualität aus und landete in Lossiemouth im Hotel Stotfield. Es geht leicht schöner, das versprochene Highspeed-Internet gibt es nicht. Nachdem ich mich mal aufgeregt habe und der IT-Typ vom Hotel anfing, der Fehler, dass ihr Internetzugang abstürzt, müsse bei mir liegen, habe ich seinen geschützten Zugang bekommen und siehe da, nach drei Stunden Krampf ging es. Suuuuper Dienstleister, der seinen Kunden erzählt, sie seien Schuld, wenn sein Kram nicht funzt. Groarrrrrrrr!
So, nun ist es 22:30, gegen 17:00 bin ich angekommen und habe noch nichts gesehen, außer dem Hotel, Handy, Netbook. Abendessen fiel aus. Die schlechteste Margherita aller Zeiten bleibt stehen, sie ist zu schlecht.

Morgen sehen wir mal nach, wie es hier so aussieht, ja? Gääääähn.
Die Küstenlinie finde ich bislang spektakulär, das Landesinnere sehr harmlos.
- Charlotte Tina

- 6. Aug. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Aug. 2022
Am Dienstag, 2. August (Tag 31), war ich von Stockholm weiter nach Süden unterwegs. Dieses schöne Hotel, also das Nofo, kann ich nur empfehlen.
Auf meiner Route lag der Göta-Kanal, der völlig unspektakulär und schmal ist. Die Hasen-Bronze gefiel mir aber sehr beim Frühstück dort. Die Enten sind echt.
Zunächst fuhr ich auf einen Campingplatz, die wollten aber nur fürs Hinstellen 38€ haben und waren nicht sooo nett und der Wind pfiff dort ordentlich. Also habe ich die App Park4Night erstmals ausprobiert und bin an einem wunderhübschen kleinen Gasthafen für Segler in Eknas gelandet. Da durfte ich mich auf einen Parkplatz mit tollem Blick stellen (end of the road, da war der Hund begraben) und zahlte 6€ für die Nutzung der Sanitäranlagen. Es gab ein fabelhaftes Abendessen in fabelhafter Umgebung. (Ich bin in den Laden gegangen und sagte, ich hätte gern 400g von den großen Krabben und ein kleines Scheibchen von dem frisch warm geräucherten Lachs und, hmmmm, noch zwei Krebsbeine bitte. Toll!).
In 2min fußläufig war der Badestrand mit mehreren Stegen und kleine Buchten. Geht doch.
Mittwoch 3. August (Tag 32)
Dieses Auto ist wie ein Tamagotchi, ständig kräht es nach irgend etwas. Diesel, Scheibenwischwasser, neue Reifen und nun auch noch eine rote Warnleuchte „Urea“. Das klingt, als sollte ich es mit Hautpflege einreiben, ist aber ein (furchtbar teures >5l kosten 22€ und der Tank dafür fasst 17l) Additiv für Diesel der ISO-Norm 22241. Hat einen Moment gedauert, das rauszufinden und was es bewirkt. Auf der Tankstelle gab es immerhin gleich super Kaffee und Gebäck dazu.
Ich fuhr viel Landstraße und dabei kam ich an diesem wunderschönen See vorbei, an dem ich erst alleine war, dann kam ein nettes dänisches Ehepaar. Sie war ganz begeistert von meiner Reise, "I admire you!", und ich weiß immer nicht so recht, weshalb eigentlich und was ich dazu sagen soll. Ich fahre mit dem Auto durch wohlhabende, sichere Länder Europas. Einen Mann würde wohl niemand bewundern, was ist das nur? Und ich habe auch ab und an ordentlich Manschetten, jetzt zum Beispiel vor dem Linksverkehr in Großbritannien und ob ich etwas übersehen habe, weshalb die Brexiter mich gleich zurückschicken.
Nun, der See: anhalten und rein hüpfen war im Grunde eine einzige, fließend-geschmeidige Angelegenheit.
In Tomelilla war ich einkaufen und habe auch endlich zumindest noch ein T-Shirt gefunden. Ich bin auf der Suche nach dem Salz- und Pfefferstreuer Odin von Dansk, deshalb war ich, wie auch schon häufig unterwegs, in einem großen Trödelladen.
Gegen 15:00 trudelte ich bei Britta und ihrer reizenden Familie samt Oma ein in ihrem Ferienhaus. Ich durfte netterweise eine Waschmaschine anschmeißen, es gab eine Fika (die schwedische Kaffeepause mit Kuchen/Plunder/Keksen), dann radelten wir zum See und badeten. Abends machten wir gemeinsam Pizza und saßen ungewohnt lange und schwätzten nett, bis zumindest Britta und mir die Augen fast zufielen, Seb machte einen irritierend fitten Eindruck. Schön, mal wieder Gespräche auf Deutsch zu führen, nach 4,5 Wochen Englisch hatte ich aber immer wieder Wortfindungsstörungen.
Insbesondere Swen war sehr interessiert an Balu. Der kleine Aik macht immer den Eindruck, als müsste er mich erst völlig durchschauen, bevor er mir traut *lach*
Eine befremdliche Situation ergab sich am Abend: wir wollten gerade auf der Terrasse essen, da bemerkten wir eine doch ganz erhebliche Menge Flugameisen mit roten Popos, die sich quasi aus dem Nichts materialisiert hatten und uns langsam auf die Pelle rückten. Wir wechselten ins Haus, am nächsten Tag war der Spuk vorbei.
Do 4. August (Tag 33)
Der Tag begann heiß und mit einem gemeinsamen Kaffee/Frühstück, bevor die Familie an den Strand fuhr und ich nach Dänemark. Es wurden wegen der Hitze nur 250km. Ein letztes Mal hielt ich vor Malmö in einen ICA und habe Dinge gekauft, um die ich vier Wochen ziemlich erfolgreich einen Bogen gemacht habe (worauf ich durchaus ein bisschen stolz bin).
Dann ging es über die tollen Brücken (Öresund und Stoerebalt), extra langsam hinter einem Wohnwagen, um das voll auszukosten, wieder nach Dänemark. Direkt danach musste ich ins Meer springen, 33 Grad, puuuuh...
Und dann fand ich einen wunderschönen Platz am Großen Belt und wahrscheinlich das erste Mal seit 40 Jahren bin ich bestimmt zehn Mal ins Wasser gesprungen vom Steg (ca. 1m hoch) aus, wieder raus, gesprungen, war super. Da waren einige Kinder, die ebenfalls viel Spaß hatten.
Ein Junge, Mattes, fing Krebse. Schnur, Wäscheklammer mit Würstchen als Köder, rein ins Wasser und nach einer halben Minute wieder raus mit Krebs. Die waren aber alle zu klein; er hat einen Eimer voll gesammelt und sie dann wieder reingeworfen. Die Nacht war superschön, weil das Meer fast neben mir ans Ufer schwappte. Ein tolles Geräusch zum Schlafen.
Freitag, 5. August (Tag 33)
Morgens fuhr ich kurz einkaufen und entschied mich, eine weitere Nacht zu bleiben, es ist schön und friedlich hier und der Steg ist super. Zwei Nächte, 8min duschen = 40€.
Morgens habe ich eine Stunde gebraucht, um zu organisieren, dass ich mein aufgebrauchtes Blutdruckmedikament wieder bekomme. Meine Ärztin darf mir maximal eine N3 Größe verschreiben, in diesem Fall 98 Tabletten. Im Ausland bekomme ich die nicht, dafür braucht es auch in Dänemark ein Rezept. Wie soll ich hier den richtigen Arzt finden, der dann einer gänzlich Fremden das Rezept ausstellt? Das ist unrealistisch und wirklich bescheuert und viel zu zeitaufwändig, wenn man einige Zeit unterwegs ist. Mit Schmerzmitteln das gleiche….jedenfalls habe ich eine Apotheke in Hamburg angerufen, die haben per Fax ein Rezept meiner Ärztin bekommen und hielten es sodann für mich parat. Meine Ärztin benötigt zur Rezepterstellung einen Versicherungsnachweis. Also auf TK Online ein PDF erstellt, das habe ich per Mail an meine Praxis geschickt und die haben dann das Rezept losgeschickt. Dufte, total unkompliziert.....
Den Tag habe ich bei bedecktem Himmel und am Nachmittag mit Regen auf dem Steg verbracht und lesend. Außerdem habe ich versucht, nach Fähren zu gucken, was schwierig ist, weil ich hier kaum und wenn extrem schlechten Internetzugang habe.
Am Samstag (Tag 34) dann bin ich um 6:00 aufgestanden, um 6:50 los. In Hamburg wollte ich zur Apotheke und zu Vinos, beide nur einige Häuser voneinander entfernt. Bei Vinos habe ich vier interessante Flaschen nach fachkundiger Beratung erstanden...
... und dann Donata getroffen, nachdem wir am Vortag festgestellt haben, dass sie zum CSD in der Stadt ist und ich eben auch (für Alkohol und Medikamente, na toll, das klingt ja gar nicht asselig). Wir hatten zwar nur eine dreiviertel Stunde, aber es war trotzdem sehr schön, sie zu sehen. Was für ein Zufall.
Wir aßen eine Kleinigkeit beim Imbiss von Cornelia Poletto (nicht bemerkenswert: Mozzarella Caprese und eine Currywurst).
Ich stand vor und auf der Elbbrücke und bei Bremen insgesamt gut 2h im Stau. Gegen 17:00 brannten meine Augen, ich bemerkte, dass ich in (meines Wissens erstmals) Ostfriesland bin, also spontan runter von der Autobahn, eine knappe Stunde durch die Gegend gefahren und sie mir angesehen und letztlich bin ich in Aurich gelandet, einem hübschen bislang unentdeckten Kleinstädtchen. 650Km gefahren heute, puuuuuh.
Nachtrag vom Morgen danach: um 7:00 bin ich losspaziert und muss das ein wenig nach unten korrigieren. Das Städtchen hat überaus schöne Ecken, aber auch viele Sünden vorzuweisen, wie den fiesen Klotz auf dem Marktplatz und etliche 80er Jahre Fassaden.
Da ich jetzt einige Tage kaum Geld ausgegeben habe, wollte ich es mal wieder besonders schön haben und mietete mich im Hochzeitshaus ein (108€ inkl. Frühstück). So nett! Den Blog schreibe ich auf der Chaiselongue; vom Magazin Der Feinschmecker wurde es in die Liste charmanter Hotels 2019 gewählt. Gerechtfertigt, es ist überaus bezaubernd und besonders, auf eine gemütliche Art. Die Frau, die mich auf mein Zimmer begleitete sagte, die Villa sei 1834 erbaut worden.
Auf Empfehlung aß ich im La Dolce Vita, Lamm mit Rosmarinkartoffeln und machte einen zweiten Versuch mit einem Zitronen-Tiramisu nach der Pleite in Leipzig. War besser, aber auch nicht der Knaller (ich finde ja, aber mit der Meinung stehe ich wohl allein da, dass ein Zitronen-Tiramisu nach Zitrone schmecken sollte).
Sehr nett fand ich die Situation, als zwei Männer nach einem Tisch fragten und nach dem Blick in die Karte irritiert nachhakten, ob es wirklich keine Pizza gäbe. Die Bedienung antwortete nonchalant, dies sei ein italienisches Restaurant, Pizza gäbe es in einer Pizzeria.
Ach Mensch, Ihr kennt den neuesten Plan ja noch gar nicht! Also nachdem Island nun leider leider nicht klappt saß ich da und dachte, wat nu? Und guckte auf die Karte und hatte den Plan mit Irland im Hinterkopf und dachte weiter, weshalb eigentlich nicht Schottland, nachdem Du so nette Schotten auf der Reise kennengelernt hast? Also versuchte ich, eine Fähre zu finden und zu buchen; was nicht möglich war wegen des nur rudimentär vorhandenen Internets. Und für Sonntag klappte es deshalb auch nicht. Aber jetzt habe ich eine Passage am Montag 17:30 von Amsterdam nach Newcastle (an Dienstag 9:15) an der englischen Ostküste, 90Km von der schottischen Grenze. 705€ (man ist gezwungen, eine Kabine zu buchen für 439-499€....der Rest wäre gar nicht so teuer).
Ich dachte daran, in die Gegend von Inverness zu fahren, im Westen wieder runter, die Fähre nach Belfast zu nehmen, über den Norden an die Westküste und dann den Wild Atlantic Way komplett abzufahren; das will ich seit Jahren machen, eigentlich mit dem Rad, aber der Drops ist wohl gelutscht.




































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































